Tarifvertrag

Mehr Geld für AWO-Mitarbeiter

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Die Löhne in Südhessen werden an den öffentlichen Dienst angeglichen. Die AWO hat einen Tarifvertrag mit Verdi vereinbart. Von Martin Brust

Alle südhessischen Gliederungen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) haben einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi vereinbart. Mit zwei Ausnahmen: Die Kreisverbände Gießen-Land und Rheingau-Taunus mit zusammen rund 300 Beschäftigten sind nicht mit an Bord.

Für alle anderen - rund 4000 Mitarbeiter in 23 Kreisverbänden und Gesellschaften - gilt seit dem 1. Oktober der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVÖD). Besonders freuen über diese Vereinbarung dürften sich die AWO-Beschäftigten in der Stadt Gießen, im Odenwald sowie bei den Kreisverbänden Offenbach, Darmstadt, Main-Kinzig, Main-Taunus, Vogelsberg, Wetterau, Groß-Gerau und Hochtaunus. Denn dort wurde bislang nicht nach TVÖD bezahlt. Innerhalb der nächsten zwei Jahre werden nun die Gehälter auf dieses Niveau angehoben, was für die Beschäftigten ein Plus von sieben bis acht Prozent bedeutet.

"Damit sind 80 Prozent aller hessischen AWO-Beschäftigten unter einem einheitlichen Tarifvertrag und haben gleiche Wettbewerbsbedingungen", erläutert Jens Ahäuser. Er ist Verdi-Tarifsekretär im Fachbereich Gesundheit in Hessen und war Verhandlungsführer für den nun geschlossenen Vertrag. Neben den Lohnerhöhungen sind für Ahäuser vor allem auch die Auswirkungen auf den scharfen Wettbewerb im Sektor wichtig, der nun zumindest unter den AWO-Gliederungen zu gleichen Bedingungen ausgetragen wird: "Früher galt der Bundesangestelltentarif bei der AWO in Hessen. Seit dem Jahr 2000 ist das immer mehr erodiert, so wie der Wettbewerb in der Altenpflege generell stark zugenommen hat."

Einen ersten Durchbruch hatte Verdi 2007 erzielt, als für rund 3000 AWO-Beschäftigte vor allem in Frankfurt und Wiesbaden die Überleitung zum TVöD vereinbart wurde. Nun stehen noch 1800 AWO-Mitarbeiter in Nordhessen sowie die 300 in Gießen-Land und Rheingau-Taunus außen vor. Im Rheingau wird der AWO-Vorstand Ende Oktober über den Beitritt beschließen. Geschäftsführer Hartmut Bopp hält ihn für sinnvoll, es müsse aber geprüft werden, ob er wirtschaftlich tragbar sei. Die AWO hat dort 90 Mitarbeiter, aber nur 25 bis 30 hauptamtliche. Für den Kreisverband Gießen-Land verweist Vorsitzende Kornelia Jitschin darauf, dass man als Betreiber von Pflegeheimen andere strukturelle Bedingungen als andere Kreisverbände habe. Gespräche mit Verdi sind aber vereinbart.

Der heftige Wettbewerb in der Pflege wird auch über Niedriglöhne ausgetragen: Nach dem TVÖD bekommen examinierte Pflegekräfte mindestens 11,70 Euro brutto in der Stunde, Pflegehelfer 10,50 Euro. Private Pflegedienste zahlen teilweise nur sieben Euro - ein Mindestlohn würde ruinösen Wettbewerb eindämmen.

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