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Polizisten beim Schlossgrabenfest im Einsatz. (Archivbild)

Kriminalität in Südhessen

Polizeipräsident will härter durchgreifen

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Südhessen ist zwar die sicherste Region, aber die Zahl der Angriffe auf Polizisten ist deutlich gestiegen.

Die Zahl der Straftaten ist im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf 43 349 gesunken, die Aufklärungsquote liegt mit 62,8 Prozent auf einem historischen Höchstwert: Südhessen ist die sicherste Region in Hessen, Darmstadt sogar die sicherste kreisfreie Stadt, wie Polizeipräsident Bernard Lammel am Mittwoch in Darmstadt verkündete. Auf 100 000 Einwohner kommen laut aktueller Kriminalstatistik 3973 Straftaten, der Landesdurchschnitt liegt bei 5971.

Dennoch zeigte sich der Polizeipräsident besorgt, insbesondere über den Anteil ausländischer Tatverdächtiger. Insgesamt seien 20 561 Tatverdächtige ermittelt worden, wovon 30,7 Prozent nichtdeutsche Staatsbürger und 7,9 Prozent Zuwanderer seien. „Die Zahl der Zuwanderer als Tatverdächtige ist zu hoch“, sagte Lammel. Es habe eine Zunahme der Straftaten um 200 auf 1771 Fälle gegeben. Besonders auffällig sei ihr Anteil an den Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Hier habe es einen Anstieg von 46 auf 61 Fälle (plus 32,6 Prozent) gegeben, wobei insgesamt die Zahl der Straftaten in diesem Bereich nur um 19,9 Prozent (auf 609 Fälle) gestiegen sei. Gleiches gelte für Raub, Rauschgiftdelikte und Straßenkriminalität sowie bei Straftaten gegen das Leben.

„Wertehaltung passt nicht“

Vor dem Hintergrund eines Messerangriffs eines Flüchtlings aus Afghanistan auf seine 17-Jährige Ex-Freundin in Darmstadt und sexueller Übergriffe auf Frauen auf dem Schlossgrabenfest sagte Lammel: „Dieses Frauenverständnis und die Wertehaltung passen nicht hierher.“ Es gelte allerdings zwischen Straftätern und hilfsbedürftigen Menschen zu unterscheiden. Das Fehlverhalten Einzelner schade allen hilfsbedürftigen Menschen. Man müsse differenzieren und nicht polarisieren. Lammel rief die Verantwortlichen in Politik, Justiz und Verwaltung auf, Gesetze stärker anzuwenden, eventuell rechtlich anzupassen.

Auch forderte Lammel eine härtere Ahndung und ein deutliches Zeichen des Rechtsstaates bei Gewalt gegen Einsatzkräfte. 300-mal wurden Polizisten im vergangenen Jahr Opfer eines Angriffs, was einen Anstieg von 37 Prozent bedeutet. Man habe Spuckschutzhauben und Teleskopschlagstöcke angeschafft, stelle auf stichsichere Schutzwesten um und bekomme weitere Fahrzeuge, so Lammel. Was die Ausrüstung betreffe, sei die hessische Polizei „führend und gut aufgestellt“. Auch erwarte das Polizeipräsidium nächstes Jahr über 60 zusätzliche Einsatzkräfte. Besondere Erfolge verzeichnete die Polizei bei der Bekämpfung der Straßenkriminalität. Mit der im Herbst 2017 begonnenen Kampagne mit verstärkten Kontrollen im öffentlichen Raum sei es gelungen, die Straßenkriminalität nach drei Jahren des Anstiegs deutlich zu reduzieren. Wegen der vermehrten Kontrollen stieg indes die aufgefallene Zahl der Rauschgiftdelikte, und es wurden Drogen im Wert von 900 000 Euro sichergestellt. Marihuana hatte hierbei mit 57 Kilogramm den größten Anteil. Die Maßnahme solle auch dieses Jahr fortgeführt und bei Bedarf intensiviert werden, kündigte Lammel an. Man habe sehr positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten.

Eine abschreckende Wirkung auf Einbrecher hatte offenbar die laut Polizei gute Spurenauswertung in Verbindung mit zahlreichen Kontrollen und Präventionsmaßnahmen. Als auffällig bezeichnete Lammel den Anteil ausländischer Tatverdächtiger mit 47,3 Prozent bei Wohnungseinbrüchen. „Das spricht für überörtlich reisende organisierte Banden.“ Gesunken sei die Zahl der Autoaufbrüche. Heute stehle man das komplette Auto. Weitergeführt werden soll das Landesprogramm Kompass, bei dem Präventionsmaßnahmen zwischen Kommunen, Polizei und Bürgern abgestimmt werden.

Das Polizeipräsidium Südhessen ist für die Stadt Darmstadt sowie die Landkreise Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Bergstraße und den Odenwaldkreis zuständig.

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