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Südhessen

In Südhessen gibt es Platz für 300.000 Wohnungen

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Das Entwicklungskonzept  zeigt auf, wo es die Flächen für Gewerbe, Logistik und Wohnen gibt. Der Bedarf ist gewaltig, und nicht alle werden sich freuen.

Immer mehr Menschen, mehr Arbeitsplätze, mehr Gewerbebetriebe und Lagerflächen. In Südhessen nimmt die Konkurrenz um den knappen Platz zu. Das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) hat nun ein Konzept vorgelegt, das als Leitlinie dafür dienen soll, wo bis 2030 Wohnungen, Gewerbegebiete und Logistikhallen entstehen könnten.

„Wir sind eine sehr dynamische Region mit extremem Wachstum“, sagte Tatjana Zeiß am Donnerstag bei der Vorstellung des Konzepts. Die Dezernatsleiterin für Siedlungs- und Bauleitplanung ist sich sicher: „Wenn wir den Bedarf decken wollen, darf es keine Denkverbote geben, wo geeignete Flächen zu finden sind.“

Für Stefan Kornmann vom Planungsbüro Albert Speer und Partner steht fest, dass die vorhandenen Flächen effizienter ausgenutzt werden sollten. Das bedeutet, dass in bestehenden Wohngebieten verdichtet werden müsse. So könnten rund 113 000 der benötigten gut 300 000 neuen Wohnungen entstehen. Wo Baugebiete erschlossen werden, sollen deutlich mehr Menschen als bisher auf einem Hektar wohnen.

Wie Flächen genutzt werden können, ist sehr unterschiedlich. Während in einer Reihenhaussiedlung kaum 30 Wohnungen je Hektar entstehen, sind es im neuen Frankfurter Europaviertel mehr als 600, wie Kornmann erläutert. Auch die beliebten Frankfurter Stadtteile Nordend und Sachsenhausen kommen auf weit über 100. „Auch damit ist eine gute städtebauliche Entwicklung möglich“, sagt der Planer.

Immer mehr Menschen leben in Südhessen. Bis zum Jahr 2030 sollen es 225 000 mehr sein als noch 2015.

Mehr als 300 000 zusätzliche Wohnungen werden bis 2030 gebraucht. 113 000 können durch Verdichtung in bestehenden Wohngebieten erreicht werden. 190 000 Wohnungen müssen neu im Außenbereich entstehen.

Der Platzbedarf dafür liegt bei etwa 4250 Hektar. Das regionale Entwicklungskonzept hat 7400 Hektar als mögliches Bauland identifiziert. pgh

Das regionale Entwicklungskonzept Südhessen sieht vor, dass künftig im Ballungsraum mindestens 40 Wohneinheiten je Hektar gebaut werden, im ländlichen Raum sollen es zumindest noch 25 sein. Ausgedehnte Baugebiete mit Einfamilienhäusern könnten den künftigen Bedarf kaum decken, sagt Kornmann.

In Südhessen gebe es mindestens 5400 Hektar geeignete Flächen, weitere 2000 Hektar könnten als Reserve über das Jahr 2030 hinaus dienen. Die neuen Baugebiete sollten möglichst nicht weiter als einen Kilometer vom nächsten Bahnhof oder S-Bahn-Halt entfernt liegen. Damit überhaupt eine sinnvolle Siedlungsentwicklung für Wohnen, Gewerbe und Logistik erfolgen könne, müsse der öffentliche Nahverkehr massiv ausgebaut werden, heißt es in dem Konzept. Dazu gehöre der Ausbau bestehender Schienenwege ebenso wie der Neubau oder die Reaktivierung von Strecken. Erstellt hat das Konzept das Frankfurter Planungsbüro Albert Speer + Partner. Dass ein privates Büro ein solches Konzept erstellt und nicht das Regierungspräsidium selbst, ist Neuland. „Wir wollten, dass nicht von Anfang an die politische Brille aufgesetzt wird, sonst geht zu viel an Möglichkeiten verloren“, erläuterte Helmut Beck, Abteilungsleiter beim RP.

Deshalb stehen nun in der gut 160 Seiten starken Broschüre auch zahlreiche Flächen, die möglicherweise nie bebaut werden, weil es dafür am Ende keine politischen Mehrheiten in den 184 Kommunen geben wird. Einen Einfluss auf die künftige Gestalt der Region Südhessen aber wird das Konzept schon haben, ist es doch, wie Zeiß sagte, als „fachlicher Vorschlag“ an die Politik gedacht und wird damit in die Neuaufstellung des Regionalplans eingehen, die 2024 abgeschlossen werden soll.

Dass insgesamt mehr Flächen als bisher bebaut werden sollen, machen auch die Zahlen deutlich, die der Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main am Donnerstag mitgeteilt hat. Demnach haben allein dessen 75 Mitgliedskommunen rund um Frankfurt einen Bedarf von rund 2240 Hektar Wohn- und 1650 Hektar Gewerbeflächen (RegFNP) angemeldet.

Das regionale Entwicklungskonzept des Regierungspräsidiums Darmstadt für ganz Südhessen gibt es unter https://rp-darmstadt.hessen.de.

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