+
Animals’ Angels hat Viehtransporte in den vergangenen Jahren immer wieder begleitet und dokumentiert.

Tierschutz

Hessen schränkt Viehtransporte ein, doch das hilft den Tieren nur bedingt

  • schließen

Mit der EU endet der Tierschutz beim Viehtransport. Hessens Exportverbot in Drittländer stößt beim Bauernverband auf Kritik.

Neun Tage waren die Färsen nach Usbekistan unterwegs; bei Außentemperaturen bis minus 13 Grad. Mindestens einmal mussten die trächtigen Kühe 118 Stunden auf den beiden Lastwagenanhängern ausharren. Kein Auslauf. Und es gab auch mal 48 Stunden kein Wasser. Denn die EU-Standards enden an der Außengrenze. Dahinter ist Schluss mit festen Regeln für Pausen, Auslauf, Fressen, Saufen. „Was dahinter passiert, kann niemand mehr kontrollieren“, sagt Helena Bauer von Animals’ Angels. Der Eindruck der Aktivistin ist noch ganz frisch. Erst im Februar hat die Tierschutzorganisation mit Sitz in Frankfurt den Transport der 66 Färsen von Niedersachsen nach Usbekistan begleitet.

„Bei Tiertransporten in Drittländer kommt es leider immer wieder zu Verstößen gegen tierschutzrechtliche Mindeststandards.“ Mit diesen Worten hat Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz jetzt Lebendtiertransporte nach Aserbaidschan, Ägypten, Algerien, Jemen, Jordanien, Kasachstan, Kirgisistan, Libanon, Marokko, Syrien, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan und Usbekistan ausgesetzt. Das Verbot gilt zunächst befristet bis zum 14. April. Und es gilt lediglich für Transporte, die direkt von Hessen starten. Das ist eher selten: 100 Rinder waren es im vergangenen Jahr, informiert eine Sprecherin des hessischen Umweltministeriums. 3000 weitere wurden zuvor in andere Bundesländer gebracht.

Hessens Landwirtschaftsministerin fordert Mindeststandards

Hessen ist nicht das erste Land, das dem grausamen Treiben nicht länger zuschaut. Auch Bayern und Schleswig-Holstein haben Transporte in bestimmte Drittstaaten außerhalb Europas gestoppt. Hinz will sich Ende März bei einer Bund-Länder-Besprechung für ein einheitliches Vorgehen einsetzen. Ihr Ziel ist ein internationales Abkommen zur Einhaltung der Mindest-Tierschutzstandards: „Wir brauchen zertifizierte Versorgungsstationen auf allen Routen bis zum Zielort und Schlachthöfe, die dem EU-Standard entsprechen“.

Der hessische Bauernverband drängt auf fairen Wettbewerb in Deutschland, am besten sogar EU-weit. Die Dürre des vergangenen Jahres und die Blauzungenkrankheit bereite den Haltern der 440 000 Rinder in Hessen schon genug Probleme, sagt Sprecher Bernd Weber. „Wir brauchen eine Lösung im Sinne des Tierwohls, die aber auch die wirtschaftlichen Belange der Betriebe berücksichtigt.“ Die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin stellt die Frage nach dem Sinn des Exports von deutschen Turborassen zu Zuchtzwecken nach Syrien oder Turkmenistan. „Unsere Rinder sind Ferraris mit extrem hohen Ansprüchen an Futter, Tierarzt, Management.“ Sie plädiert dafür, in diesen Ländern heimische Rassen fortzuentwickeln. Die Initiative von Hinz stößt bei Martin auf Begeisterung. Der fehlende Tierschutz beim Transport außerhalb der EU brenne vielen Tierärzten auf den Nägeln.

EU-Verordnung zu Tiertransporten

Bei Transporten länger als acht Stunden innerhalb der EU muss das Fahrzeug mit einem Temperaturregelungssystem ausgestattet sein und ständigem Zugang zur Tränke.

Die Fahrzeiten variieren je nach Tierart und Alter. Für Rinder, Schafe und Ziegen ist nach 14 Stunden Transport eine Stunde Ruhezeit mit Tränke vorgeschrieben, dann wieder 14 Stunden Transport. Das darf sich wiederholen, sofern die Tiere zuvor an einer zugelassenen Kontrollstelle entladen, gefüttert und getränkt werden und 24 Stunden Ruhezeit haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare