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Unter Hessenpark-Glocken: Das Turmuhren-Haus ist einer der ehrenamtlichen Einsatzbereiche von Gudrun Böde.

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Studium à la Hessenpark

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Gudrun Böde engagiert sich seit einem Dutzend Jahren ehrenamtlich im hessischen Freilichtmuseum.

Rundum klickt und tickt, schallt und schlägt es. Töne, von wundersamen Mechaniken hervorgezaubert, alle Stockwerke des Hauses erfüllend. „Solche Kostbarkeiten!“, sagt Gudrun Böde inmitten der Turmuhrenausstellung, umgeben vom Klang historischer Schlagwerke. Es ist einer ihrer vier Ehrenamtsstandorte im Museum Hessenpark.

Dort am Marktplatz, wo das Haus aus Laubach mit der benachbarten, original wiedererrichteten Turmuhrenmacherwerkstatt ein sinnfälliges Ensemble bildet, kennt sich die 74-Jährige bestens aus. Seit einem Dutzend Jahren arbeitet sie im Freilichtmuseum, hat zuvor den Förderkreis gemeinsam mit ihrem Ehemann Detlef tatkräftig unterstützt. Das frühe Engagement ist dokumentiert in ihrem Mitgliedsausweis, der mit der Nummer 94 versehen ist. „Im Laufe der Zeit wird man zu einer Fachfrau, der Wissenshorizont erweitert sich beständig.“

Aufgewachsen am Niederrhein und beruflich in der Forschung tätig, hat Gudrun Böde nach Dienstschluss eine neue Aufgabe gesucht. Weil sie seit mittlerweile mehr als vier Jahrzehnten in Bad Homburg wohnt, ist der Weg über den Taunuskamm ins schöne Usinger Land nicht weit.

Mit der fortschreitenden Ausrichtung des Museums hat sich auch ihr Ehrenamt entwickelt, ist heute „professionell organisiert“ und zeitgemäß fundamentiert. Das „Begrüßen, Erklären und Aufpassen“ beinhaltet durchaus mehr, als der erste Eindruck suggerieren möchte. Wer zu den verschiedenen Kulturgütern Auskunft geben soll, benötigt ein Studium Hessenpark’scher Prägung. „Die Vorbereitung und Einarbeitung ins Themenfeld sind intensiv – zu jedem Gebäude gibt es Unterlagen, wunderbare Mappen.“

Dies war zu Beginn ihrer Freiwilligkeit anders. Kaum für das Ausstellungshaus Gemünden beworben, sei sie schon „gleich losgelassen“ worden. Dort, im Gegenüber von hessischen Kunstwerken, wirkt Böde weiterhin – wie auch in der Ausstellungsscheune von Asterode, im Turmuhren- und Posthaus. Einmal war sie sogar im Archiv des Museums eingesetzt, hat digitalisiert, was das Forscherehepaar Baeumerth zuvor auf 20 000 Blättern handschriftlich festgehalten hatte. Auch dies „eine Erfahrung mit Gewinn“.

Wenn heute das Postamt ruft, wird hinter dem Schalter Platz genommen, die Briefmarke verkauft, der Sonderstempel des Hessenparks kraftvoll platziert. Immer ist das Team nahebei, sind technisch versierte Kolleginnen und Kollegen in Rufweite. Der Austausch mit den verschiedenen Ehrenamtlern ist eine weitere, nicht zu unterschätzende Motivation. „Das Klima untereinander ist gut.“ Zudem: „Der Geist bleibt rege.“

Jeweils im Februar wird der Dienstplan für die gesamte Saison abgestimmt. Gudrun Böde arbeitet pro Monat vier Mal – „von 10 bis 17 Uhr, eine Stunde Mittagspause“ – im Park. Als „ereignisreiche Phase“ gelten die Wochen zwischen Ostern und Herbstferienende. Besonders während der Schulferien sind alle Kräfte gefordert. „Wenn die Häuser regelmäßig geöffnet sind, ist viel Personal im Einsatz.“

Nach dem wogenden Überfluss eines publikumsstarken Tages lockt zum Feierabend die Weite des Geländes: „Der Sommer ist die schönste Zeit.“ Der Hessenpark habe sich verändert in all den Jahren – aus dem Programm verschwunden der historische Jahrmarkt mitsamt Kirmeskuchen und dem von Kid O’Hara geführten Bär „Muff“, mit Brezelschnappen und Stelzengehen. Stattdessen aber die „stark ausgebaute Mitmach-Schiene“.

Dass die 27 funktionsfähigen Uhrwerke im Laubacher Haus aber weiterhin tacken, ticken und vorankommen, ist eine unverrückbare Konstante im unaufhaltsamen Fortschreiten des Museumsgetriebes.

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