Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

_200824ernstreuterschule07_
+
Unterricht mit Maske.

Studie zu Klassenräumen

Luftfilter mindern Risiko

Forscher empfiehlt Nachrüstung in Schulen, das Gesundheitsamt hingegen sieht keinen Nutzen.

Die Ferien gehen zu Ende, die Pandemie geht weiter – mit hohen Infektionszahlen. Viele Eltern von Schulkindern hatten schon vor den Ferien Angst um den Gesundheitsschutz in den Lehranstalten. Der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI), Schulklassen ab einer Inzidenz von 50 zu teilen, um das Ansteckungsrisiko zu mindern, folgte so gut wie keine staatliche Schule. Stattdessen sollte reichlich gelüftet werden, um die Ausbreitung von Aerosolen zu minimieren.

Aerosole scheidet jeder Mensch beim Sprechen und Singen, beim Rufen und Lachen in unterschiedlichen Mengen aus. Die Forderung von Eltern, in Klassenräumen Luftfilter aufzustellen, wird immer lauter. So haben zum Beispiel bereits mehr als 2600 Hessinnen und Hessen eine Petition von Kerstin Lüneburger unterzeichnet, mit der sie an das Land appellieren, alle Klassenräume mit Luftfiltergeräten auszustatten. Die Petition soll an den Landtag übergeben werden. Auch den Römer hat diesen Ansinnen längst erreicht. Die FDP-Fraktion hatte in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung einen Antrag eingebracht, „alle Klassenräume in Frankfurter Schulen umgehend mit Luftreinigungsanlagen auszustatten“.

Senkung um 90 Prozent

Anerkannter Experte auf diesem Gebiet ist Joachim Curtius, Physiker und Professor für Experimentelle Atmosphärenforschung an der Goethe-Uni. Mit einem Team erforschte er in einer Schule die Wirkung von Luftfiltern auf die Raumluft: Für eine Woche stellte er vier Luftreiniger in einer Klasse auf. Die Geräte verfügten über einen einfachen Vorfilter für groben Staub und Flusen sowie über einen Hepa-Filter der Klasse H13 sowie einen Aktivkohlefilter. „Das Ergebnis war frappierend“, so Curtius. „Luftreiniger können die Aerosolkonzentration in einem Klassenzimmer in einer halben Stunde um 90 Prozent senken.“

Seine Studie gilt als wegweisend. Sie wurde als Preprint veröffentlicht und wird in Kürze in einer wissenschaftlichen Zeitschrift erscheinen. Curtius stellt fest: „Der gefährlichste Infektionsweg des Sars-CoV-2-Virus geht über die Luft.“ Dabei spielten auch die Aerosolpartikel eine Rolle, viel kleinere Flüssigkeitströpfchen, die beim Sprechen oder Atmen abgesondert würden. Curtius: „Studien zeigen, dass infektiöse Sars-CoV-2-Viren in solchen Aerosolen auch mehr als drei Stunden nach der Emission noch nachgewiesen werden können und dies mehrere Meter weit entfernt von ihrer Ursprungsquelle.“

Dagegen setzte Curtius in dem Experiment Luftreiniger ein, die zusammen zwischen 760 und 1460 Kubikmeter Luft pro Stunde umsetzten. Neben der Aerosolbelastung bestimmten die Wissenschaftler die Feinstaubmenge und die CO2-Konzentration und untersuchten die Lärmbelastung durch das Gerät. Das Ergebnis: 30 Minuten nach dem Anschalten hatte der Luftreiniger 90 Prozent der Aerosole aus der Luft entfernt.

Lüften wird nicht ersetzt

Neben der Infektionsgefahr senkte der Luftreiniger noch die Allergen- und Feinstaubbelastung, maßen die Forscher. Joachim Curtius: „Ein Luftfilter ersetzt allerdings nicht das regelmäßige Öffnen des Fensters.“

Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, steht erklärtermaßen der Annahme der Virusübertragung via Aerosole ablehnend gegenüber, er hält auch aufgrund eigener Untersuchungen Schulen für Orte mit geringer Infektionsgefahr. In einer in einer Fachzeitschrift veröffentlichten Studie legt er dies anhand von Abstrichuntersuchungen an Schüler:innen und Lehrpersonal dar. In seinen Schlussfolgerungen schreibt Gottschalk: „Zur Verbesserung der Lüftung in den Schulen wurde im Herbst 2020 die Lüftungsaktion ,Frische Luft für frisches Denken‘ aktualisiert und erneut in Frankfurter Schulen und Kitas gestartet. Der Kauf und das Aufstellen der von Herstellern intensiv beworbenen und von Elternvertretern geforderten ,Luftreinigungsgeräte‘ wurde nach fachlicher Bewertung des Gesundheitsamts auf Grundlage der Stellungnahmen des Umweltbundesamts und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene von der Stadt abgelehnt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare