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Stromtrasse durch Südhessen verhindert

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Al-Wazir setzt seine Forderung bei den Verhandlungen mit Bayern durch.

Die hessische Landesregierung hat sich mit Erfolg gegen den Bau einer weiteren Hochspannungstrasse im Süden und Osten des Bundeslandes gewehrt. Die Leitung mit dem Arbeitstitel P43mod von Dipperz in der Rhön über Großkrotzenburg bis in den Rödermarker Stadtteil Urberach wird nicht gebaut.

Das geht aus einem Papier des Bundeswirtschaftsministeriums hervor, das der FR vorliegt. Darin heißt es, P43 solle „in der Ursprungsvariante (Mecklar nach Grafenrheinfeld)“ entstehen. Das bedeutet, dass die von Norden kommende Trasse über Dipperz nach Bayern geführt und dort bis nach Grafenrheinfeld bei Schweinfurt verlaufen wird, wo ein Atomkraftwerk bis 2015 Strom lieferte. „Diese Variante ist die kürzeste und bringt die geringste Gesamtbelastung“, heißt es in dem Regierungspapier.

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte 2015 erfolgreich darauf gedrungen, die modifizierte Variante P43mod zu prüfen, die deutlich länger und teurer gewesen wäre, aber Bayern ausgespart hätte. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) protestierte. „Es kann doch nicht sein, dass die Bayern gegen nahezu jedes Netzausbauprojekt rebellieren und dafür auch noch belohnt werden. Das machen wir nicht mit“, betonte er.

Seit März vermittelte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Neben Bayern und Hessen wurde Thüringen einbezogen, das ebenfalls von Trassenplänen betroffen ist.

Die Regionen erhalten nun die Zusage, dass die Trasse P43 „soweit möglich in Erdverkabelung gebaut“ werde. Bayern und Thüringen setzten außerdem durch, dass eine zusätzliche Trasse P44 nicht realisiert wird, die vom thüringischen Schalkau nach Grafenrheinfeld verlaufen sollte.

Der bayerische Minsiterpräsident Markus Söder (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zeigten sich zufrieden mit dem Kompromiss. „Wo Leitungen unabänderlich sind, werden sie erdverkabelt. Wo sie nicht zwingend sind, wird darauf verzichtet“, sagte Söder nach Medienberichten.

Zur Begründung für die aufwendigere Erdverkabelung heißt es in dem Kompromisspapier, Südthüringen und Teile Bayerns rund um Grafenrheinfeld hätten „bereits wesentlich zur Steigerung der Transportkapazitäten beigetragen“.

Die Bundesnetzagentur muss die Vereinbarung noch billigen. Das Schreiben aus dem Bundeswirtschaftsministerium enthält die Bitte an die Netzagentur, den Vorschlag zu prüfen. Außerdem solle die Agentur vor einer Festlegung die Öffentlichkeit beteiligen.

Der hessische Minister Al-Wazir hatte gegen die bayerischen Absichten Stellung bezogen. „Wir sind große Anhänger der Energiewende, wir sind konstruktiv beim Netzausbau, aber wir sind nicht doof“, hatte der Grünen-Politiker gesagt. Der Verlauf einer Stromleitung müsse fachlich hergeleitet und dürfe nicht politisch festgelegt werden. Der lange Trassenverlauf durch Hessen wäre aber nach seiner Einschätzung eine „ausschließlich politisch motivierte Variante“ gewesen.

Die Einigung enthält auch das Zugeständnis an Bayern, die Trasse Südostlink nach Landshut durch eine neue Technik weniger breit zu bauen. Minister Aiwanger hätte diese Trasse gerne ganz verhindert. Er sehe aber die bundespolitische Beschlusslage und könne nichts dagegen machen, außer eine schmalere Trasse zu erreichen, stellte er fest.

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