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Über eine weitere Hochspannungstrasse in Hessen wird diskutiert.

Stromtrasse

Al-Wazir gibt Bayern kontra

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Stromtrasse soll nicht durch Südhessen geführt werden. Der Minister sieht dafür fachliche Gründe.

Die hessische Landesregierung wehrt sich entschieden gegen den Bau einer weiteren Hochspannungstrasse im Süden und Osten des Bundeslandes. Der lange Trassenverlauf durch Hessen sei eine „ausschließlich politisch motivierte Variante“, klagt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Die Route sei „völliger Unsinn“, urteilt der Grüne. Dabei stehe eine Alternative zur Verfügung, die länger durch Bayern verlaufe und um einen dreistelligen Millionenbetrag günstiger sei.

Seine Bedenken will der hessische Minister am heutigen Donnerstag in Berlin vortragen. Dort trifft er Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sowie seine für Energiepolitik zuständigen Kollegen aus Bayern und Thüringen, Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Anja Siegesmund (Grüne) zum Gespräch über den „Netzentwicklungsplan Strom 2030“.

„Wir sind nicht doof“

„Wir sind große Anhänger der Energiewende, wir sind konstruktiv beim Netzausbau, aber wir sind nicht doof“, sagte Al-Wazir der Frankfurter Rundschau am Mittwoch. Der Verlauf einer Stromleitung müsse fachlich hergeleitet und nicht politisch festgelegt werden.

„Es kann doch nicht sein, dass die Bayern gegen nahezu jedes Netzausbauprojekt rebellieren und dafür auch noch belohnt werden. Das machen wir nicht mit.“ Bayern riskiere mit seiner Haltung, dass der Strom im Süden teurer werde als im Norden. Es geht um eine Hochspannungsleitung namens „P43“ (Projekt 43), die Strom von Mecklar im nordhessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg nach Süden transportieren soll. Wahrscheinlich ist, dass sie durch Osthessen geführt wird bis nach Dipperz in der Rhön. Dort könnte sie nach Bayern abbiegen bis nach Grafenrheinfeld, wo ein Atomkraftwerk bis 2015 Strom lieferte.

Der damalige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer drang aber im Jahr 2015 erfolgreich darauf, eine modifizierte Variante zu prüfen, die Bayern weniger belastet. Daraus entstand die Alternative mit dem Kürzel „P43 mod“. Sie würde von Dipperz über Großkrotzenburg bis in den Rödermarker Stadtteil Urberach verlaufen, also komplett durch Hessen.

In Rödermark gibt es einen kleineren Netzknoten. Von dort müsste der Strom weiter nach Süden geführt werden bis nach Karlsruhe-Daxlanden, wofür das Netz aber nach Al-Wazirs Überzeugung gar nicht ausgelegt ist. Die Variante „P43 mod“ würde dadurch „zwangsläufig zusätzlichen Netzausbaubedarf auf 140 Kilometer Länge in Richtung Daxlanden auslösen“, heißt es in Hessens Stellungnahme zum Netzentwicklungplan.

„Wenn eine neue Stromleitung notwendig ist und die fachlich beste Variante durch Hessen verläuft, dann werden wir die Trasse nicht infrage stellen, nur weil wir selbst betroffen sind“, versichert Al-Wazir. „Aber das erwarten wir dann auch von allen anderen.“

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