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Schön anzusehen, aber arbeitsaufwendig: Streuobstwiesen sind häufig schlecht gepflegt. Der Regionalverband will das ändern. dpa

Naturschutz

Streuobstwiesen in der Rhein-Main-Region erhalten

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Der Regionalverband hat einen Beauftragten ernannt und will möglichst alle Flächen erfassen. Auch eine Streuobstbörse mit Anfragen und Angeboten von Wiesen ist geplant.

Bastian Sauer ist der erste Streuobstbeauftragte des Regionalverbands Frankfurt-Rhein-Main. Der 38 Jahre alte Großkrotzenburger (Main-Kinzig-Kreis) soll dazu beitragen, die Streuobstwiesen in der Region zu erfassen und Menschen für deren Erhalt zu gewinnen.

Sauer ist Gärtner und Biologe, ist Inhaber des Jagd-, Falkner- und Angelscheins und bewirtschaftet eigene Streuobstwiesen. Seine Tätigkeit hat er bereits vor einigen Wochen aufgenommen. Am Freitag hat ihn der Erste Beigeordnete des Verbands, Rouven Kötter (SPD), der Öffentlichkeit vorgestellt. „Unsere Streuobstwiesen sind eine ökologisch wichtige Kulturlandschaft“, sagte Kötter. Der Verband wolle sie auch für künftige Generationen als Erholungsgebiete und Nahrungslieferanten erhalten.

In einer Datenbank sollen die Streuobstwiesen, die Zahl der Bäume, Eigentumsverhältnisse, Sorgen und Alter verzeichnet werden. Über ein Portal im Internet sollen Informationen zu den Wiesen abrufbar sein und konkrete Ansprechpartner vor Ort benannt werden. Auf einer Streuobstbörse sollen Grundstücke angefragt und angeboten werden können.

Die Akteure wollen erreichen, dass möglichst jedes Schulkind mindestens einmal an einer Streuobstwiesenaktion teilnimmt. Geplant sind zudem Aufklärung und Schulung beispielsweise zu Diebstahl oder Pflege. Ein einheitliches Marketing soll dabei helfen, die obstbaumbestandenen Wiesen als Erlebnis- und Erholungsräume bekannter zu machen.

Hervorgegangen ist die Initiative aus dem ersten regionalen Streuobsttag, zu dem der Verband im vergangenen Jahr rund 90 Vertreter von Kommunen, Landschaftspflegeverbänden und Interessengruppen sowie Apfelkundler eingeladen hatte. Damals wurde die sogenannte Lohrberger Erklärung beschlossen, wonach sich der Regionalverband als zentraler Akteur für die Streuobstwiesen im Rhein-Main-Gebiet einsetzen soll.

Für Mai will der Verband zu einem zweiten Vernetzungstreffen einladen und beraten, wie die Ziele der Lohrberger Erklärung umgesetzt werden können.

Streuobstbestände in Hessen

Bereits 2008 und 2009 hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) die hessischen Streuobstbestände kartiert. Die letzte Kartierung davor stammte aus dem Jahr 1986.

52 819 Streuobstbäume wurden erfasst. Sie gehörten zu knapp 2100 Beständen auf rund 750 Hektar.

38 Prozent waren in schlechtem Zustand, 36 Prozent in mäßigem. Insgesamt nahm die Artenvielfalt ab. pgh

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