Streuobstwiesen sind im Rhein-Main-Gebiet rar geworden.
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Streuobstwiesen sind im Rhein-Main-Gebiet rar geworden.

Seligenstadt

Streuobstwiese reaktiviert

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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23 Apfelbäume mit alten Sorten sind in Seligenstadt neu gepflanzt worden, um Streuobstwiesen zu reaktivieren. Die Bäume sollen einst auch dem Steinkauz einen Brutplatz bieten.

Immer mehr Bauland, immer intensivere Landbewirtschaftung, dazu noch der Klimawandel: Streuobstbestände sind in Hessen stark gefährdet. Genau aus diesen Grund hat die Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt und Mainhausen (AgFA) mit Unterstützung der Stadt Seligenstadt am Mittwoch alte Streuobstwiesen im Außenbereich reaktiviert. Zum einen kamen so alte Apfelsorten wieder zu Ehren, zum anderen wurde so neuer Lebensraum für den Steinkauz geschaffen.

Mitglieder der AgFA und des Naturschutzbunds (NABU) pflanzten auf der 6000 Quadratmeter großen Streuobstwiese an der Dudenhöfer Straße sowie am Eichwald insgesamt 23 Obstbäume. Die dortigen Bäume waren schon stark überaltert und zum Teil vergreist, weil sie nicht gepflegt worden waren. Sieben alte Bäume wurden außerdem zurückgeschnitten und mit Brutröhren für den Steinkauz, sogenannten Eulenröhren, bestückt.

„Wir haben am Mittwoch überwiegend alte hessische Lokalsorten gepflanzt“, berichtet AgFA-Vorsitzender Hartmut Müller. Der hessische Pomologenverband propagiere jedes Jahr einen Baum des Jahres und mit Hilfe dieser Liste habe man die Apfelbäume ausgewählt. Beispielhaft zählt er ein paar Sorten auf: Anhalter, Gacksapfel, Kloppenheimer Streifling, Jakob Lebel, Schöner von Boskoop, Weilburger, Heuchelheimer Schneeapfel.

Die Stadt habe die eine Hälfte der Pflanzkosten gezahlt, der Kreis Offenbach die andere Hälfte. „Wir pressen selbst Apfelsaft und wollen mit der Stadt einen Weg finden, wie man den Saft vermarkten kann“, sagt Müller. Das schaffe eine Akzeptanz in der Bevölkerung.

Den Fledermaus- und Amphibienschützern liegt aber auch der Steinkauz am Herzen, der in vielen Bundesländern auf der Roten Liste steht und auch im Kreis Offenbach nur sehr selten anzutreffen ist. Die kleine Eule sei vor allem in alten Höhlenbäumen der Streuobstwiesen zu finden, so Müller. Da es aber 35 bis 40 Jahre dauert, bis die neu gepflanzten Apfelbäume natürlich Höhlen bilden, helfen die Mitglieder nach: Sie stellen Galgen auf, auf die sie die 1,20 Meter langen Eulenröhren setzen. „Das simuliert für die kleinen Eulen eine Althöhle“, sagt Müller. Er selbst hat auf seinem privaten Acker auch einen solchen Galgen angelegt, den auch prompt ein Steinkauz besetzt hat.

Im Vorjahr haben die AgFA-Mitglieder erstmals Obstbäume gesetzt – auf einer städtischen Wiese am Amphibienlehrpfad, der vor allem für die Grundschüler sehr lehrreich ist.

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