Tipps für den Dezember

Weihnachtsstress macht krank

Bad Nauheimer Psychokardiologe warnt vor Gefahren für das Herz.

Geschenke besorgen, Plätzchen backen, zu Weihnachtsfeiern im Betrieb und im Verein hetzen, den Ablauf des Festtages planen... Der Dezember hält für viele Menschen keine Spur von vorweihnachtlicher Besinnung bereit. Stattdessen sinkt so mancher nach erfolgreich absolviertem Festmarathon völlig erschöpft aufs Sofa und braucht nur noch eines - Ferien. Die Spezialisten der psychokardiologischen Klinik in Bad Nauheim im Wetteraukreis kennen dieses Phänomen nur zu gut. "Stress ist ein Risiko für die Herzgesundheit, und leider sind rund um Weihnachten die Belastungen besonders hoch", sagte der Psychologe und Klinikleiter Professor Jochen Jordan.

Die Weihnachtsvorbereitungen kämen zu den ohnehin gestiegenen beruflichen Belastungen vor dem Jahresende noch hinzu, sagte der Psychologe. Im Job wollten viele Menschen im Dezember noch Einiges zum Abschluss bringen, es stünden etwa Inventuren oder Jahresabschlüsse an. Auch privat wollten viele noch unbedingt dies oder jenes erledigen.

Großen Stress lösten die riesigen Erwartungen an das Weihnachtsfest aus. "Es müssen die richtigen Geschenke für die Lieben gekauft werden, es muss für Harmonie zum Fest gesorgt werden, das perfekte Festmahl muss auf den Tisch und, und, und", sagte der 57-Jährige. "Läuft nicht alles rund, ist die Katastrophe perfekt, es bleibt nur die Enttäuschung."

Wer nicht rechtzeitig auf diesen Erwartungsdruck reagiere, einen Gang zurückschalte und seine Erwartungen reduziere, sitze an Weihnachten ausgebrannt, traurig und vielleicht sogar krank vorm Tannenbaum.

Denn der Körper könne verschiedene Stressarten nicht unterscheiden. "Ob es der Einkaufsstress ist oder die Todesangst, wenn man im Urwald plötzlich vor einem Löwen steht - das Gehirn setzt Botenstoffe frei, die das Herz schneller schlagen, den Blutdruck steigen lassen und die Atmung beschleunigen, was ungesund ist", sagte Jordan.

Besonders Menschen, die schon herzkrank seien, und alte Menschen gingen dabei ein Gesundheitsrisiko ein. "Die Wissenschaft weiß, dass es im Dezember häufiger zu Herzinfarkten und Schlaganfällen kommt", sagte Jordan. Auch bei nicht vorbelasteten Menschen zahle der Körper bei der ersten entspannten Phase oft den ertragenen Stress zurück. Sobald die Feiertage vorüber sind, fordert die Hektik ihren Tribut. "Da kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen, ein Herpes taucht auf oder die Erkältung übermannt einen."

Um die Zeit vor und um Weihnachten gesünder zu verleben, gelte es, den Stress zu reduzieren. "Die Erwartungen müssen niedriger sein, es sollte keine Zeitfenster geben, und der Verzicht auf den schwer verdaulichen Festbraten tut dem Körper auch gut", sagte Jordan. Neben Zeiten der aktiven Entspannung sollte auch die Bewegung nicht zu kurz kommen. Wer jeden Tag mit "strammen Schritten" mindestens eine Stunde spazieren gehe, baue reichlich Stresshormone ab. dpa/esi

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