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Tägliches Dauersitzen belastet den Rücken.

Gesundheit in Hessen

Stress ist schlecht für den Rücken

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Immer mehr Menschen in Hessen leiden unter Rückenschmerzen. Der neue DAK-Gesundheitsreport weist auf die Belastungen am Arbeitsplatz hin.

Rückenschmerzen haben in den letzten Jahren landesweit stark zugenommen. Darauf hat der hessische DAK-Chef Gregor Reitz am Donnerstag hingewiesen, als er in Frankfurt den aktuellen DAK-Gesundheitsreport vorstellte. Danach leiden 2,3 Millionen Hessen unter Rückenschmerzen. Damit rangieren die sogenannten Muskel-Skelett-Erkrankungen bei den Krankmeldungen weiter auf Platz eins, gefolgt von psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen sowie Atemwegserkrankungen, etwa Erkältungen und Bronchitis. 

Reitz wies darauf hin, dass sich die allermeisten Beschäftigten, die an Rückenschmerzen leiden, nicht krankmelden, sondern zur Arbeit gehen. Rückenschmerzen werden nicht nur durch Bewegungsmangel und Übergewicht verursacht, es gebe auch einen starken „psychischen Faktor“, so der Orthopäde Ralf Wagner. Probleme in der Familie und im Beruf könnten auch die Wirbelsäule als „Zentrum des Bewegungsapparates“ belasten. Leistungsdruck und Arbeitsbelastung hätten deutlich zugenommen.

Der Zusammenhang zwischen Stress und Rückenbeschwerden werde in den Arztpraxen kaum thematisiert, kritisierte Reitz: „Da sich Stress und psychische Belastungen stark auf die Rückengesundheit auswirken können, sollte dieser Aspekt stärker bei Diagnose und Behandlung berücksichtigt werden“, forderte er. Physiotherapie, Schmerzberatung und -behandlung würden derzeit am häufigsten verschrieben. 

Ralf Wagner warnte davor, Schmerzmittel wie Ibuprofen länger einzunehmen. Als Arzt versuche er, durch ein Gespräch abzuklären, „was ist das für ein Mensch“. Allerdings sei bei „50 bis 60 Patienten am Tag“ die Zeit begrenzt. Er empfehle „Spaziergänge, Schwimmen und Stretching“, ergänzt durch Wärme, etwa ein Heizkissen und Entspannungsübungen. Wagner bedauerte, dass die Patienten oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, um einen Termin beim Orthopäden zu bekommen. Berufstätige sollten am Arbeitsplatz oft die Körperhaltung wechseln. DAK-Chef Reitz plädierte für die Anschaffung von Stehpulten. 

Frankfurt ist einmal mehr die hessische Stadt mit dem niedrigsten Krankenstand: Laut DAK-Gesundheitsreport waren im vergangenen Jahr an jedem Tag 34 von 1000 Arbeitnehmern krankgeschrieben – landesweit waren es 42. Der Krankenstand in Frankfurt bewege sich „seit Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau“, so DAK-Pressesprecher Claus Uebel. Der Pressesprecher vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen Krankenstand, Beschäftigungslage und einer allgemeinen „Zufriedenheit mit der Lebenssituation“ gibt. Diese scheint demnach in den Kreisen Werra-Meissner und Hersfeld-Rotenburg weniger ausgeprägt zu sein. Dort liegt der Krankenstand deutlich über dem Landesdurchschnitt. 

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