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Streit über Schulbus-Ausfall

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Ein Bild, das sich im Osten der Wetterau nicht immer bietet: Auf bestimmten Linien kommt der Bus mal zu spät, mal kommt er gar nicht, sodass die Eltern ihre Kinder zur Schule fahren müssen. Potengowski © Oliver Potengowski

Wetterau - Die Schulbusse sollen wieder pünktlich fahren. Das hat der Wetterauer Kreistag bekräftigt, nachdem Kreisausschuss und VGO tags zuvor eine Regelung für Buslinien im Ostkreis gefunden hatten. Elternvertreter drangen darauf, die Sache ist akut: Auch am Tag der Kreistagssitzung fiel in Ortenberg-Bergheim der Schulbus aus.

Nein, sagt Elternsprecher Tobias Greilich auf dem Europaplatz vor dem Kreishaus in Friedberg. „Wir wollen nicht demonstrieren.“ Aber das Gespräch suchen, das wollten die Eltern von Schülerinnen und Schülern aus Büdingen, Ortenberg und Glauburg am Mittwoch im Kreistag. Mit der Sitzung waren nicht alle zufrieden: Eine Mutter verließ nach der Debatte lautstark und wutentbrannt den Saal.

Worum es geht, schilderte ein Vater vor der Sitzung: „In der ersten Woche nach den Ferien fuhr der Bus in Bergheim gar nicht, dann gab es ständig Verspätungen. Heute Morgen fiel er wieder aus.“ Schülerinnen und Schüler stehen sprichwörtlich im Regen, an Bushaltestellen ohne Überdachung. „Eltern-Taxis“ werden organisiert, Schüler kommen zu spät in den Unterricht. „Wie soll das erst werden, wenn Klausuren anstehen?“

Die Grünen forderten in einem Dringlichkeitsantrag „die Wiederherstellung einer zuverlässigen Beförderung“. Betroffen sind das Wolfgang-Ernst-Gymnasium in Büdingen, die Gesamtschule Konradsdorf, die Maria-Sibylla-Merian-Schule Ortenberg und die Keltenbergschule in Glauburg. Bevor der Tagesordnungspunkt aufgerufen wurde, griff Landrat Jan Weckler (CDU) das Problem auf. Die Situation sei „unzumutbar“, der Unmut der Eltern nachvollziehbar. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung.“ Bis zum Fahrplanwechsel im Winter wird ein anderes Busunternehmen Fahrten übernehmen. Solche Probleme seien nicht auf die Wetterau beschränkt, machte Weckler deutlich: „In Deutschland fehlen 80 000 Busfahrer. In Wiesbaden galt bis gestern nur der Samstagsfahrplan. Seniorenausflüge fallen aus, weil Fahrer fehlen.“ Der Einsatz von Reisebussen, wie von den Grünen gefordert, sei nicht zulässig, sagte der Landrat. Nur in der Pandemie sei dies durch Sondergenehmigungen möglich gewesen. „Und dann fehlen ja noch die Fahrer.“

Grünen-Sprecher Gerhard Salz, über 20 Jahre Lehrer in Konradsdorf, weiß aus Erfahrung, dass im Busverkehr „einiges nicht gut läuft“. Man begrüße, dass Kreisspitze und VGO aktiv geworden seien, die Situation müsse aber beobachtet werden. Andrea Rahn-Farr (FDP) sagte, das Problem sei früh bekannt gewesen. Infos hätten die Fraktionen „nur auf massiven Druck« erhalten. „Typisch, wie die Koalition mit dem Problem umgeht“. Auch Manfred Scheid-Varisco (SPD) sprach von einer „nicht hinnehmbaren Situation“. Die Debatte in den sozialen Netzwerken aber sei „gruselig“ gewesen. Auch für Michael Kuger (AfD) steht fest: „Es darf nicht sein, dass Kinder an Bushaltestellen stehen bleiben.“ Eltern machten sich zu Recht Sorgen, man unterstütze den Antrag der Grünen. Patrick Appel (CDU) lobte wie seine Vorredner das Engagement der Eltern und rief ihnen zu: „Haut uns weiter auf die Finger, wenn’s nicht funktioniert.“ Mit Danksagen sei es aber nicht getan, sagte Erich Spamer (FW). Er nannte es „eine Schande“, dass man Kinder, die gerade von der Grundschule aufs Gymnasium wechseln, im Regen stehen lasse. „Hier hätte längst gehandelt werden müssen.“ Gabi Faulhaber (Linke) sagte, das Problem liege beim Geld. Angesichts von Milliarden für die Rüstung solle der Kreis einen Brandbrief an den Bund schreiben.

Waren sich alle grundsätzlich einig, dass das Problem umgehend behoben werden muss, so gab es am Ende doch noch Unstimmigkeiten - und einen lautstarken Abgang von der Tribüne. Zunächst: Der Grünen-Antrag wurde mit textlichen Änderungen einstimmig angenommen. Spamer hatte eine Ergänzung gefordert: Der Kreisausschuss solle die Situation nicht nur „beobachten“, sondern „im Bedarfsfall unverzüglich einschreiten“. Spamer: „Nur beobachten? Da legt man doch sofort die Hände in den Schoß.“ CDU und SPD lehnten den Zusatz ab, was eine Frau auf der Tribüne in Rage brachte. Wissend, dass sie kein Rederecht hat, sagte sie: „Ich gehe freiwillig. Es ist eine Frechheit, nur zu beobachten. Kinder kommen weiter zu spät zur Schule, so was bezahle ich mit meinen Steuern.“ Rumms, fiel die Tür ins Schloss.

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