Ein Graffiti unter der Friedensbrücke in Frankfurt erinnert an die Opfer von Hanau.
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Ein Graffiti unter der Friedensbrücke in Frankfurt erinnert an die Opfer von Hanau. 

Opferberatung

Streit über Hilfe für Hanau-Opfer

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Die hessische Beratungsstelle Response benötigt mehr Geld und beklagt das Verhalten des Innenministeriums.

Nach den rassistischen Terrormorden von Hanau waren die Opferberaterinnen und -berater schnell zur Stelle – und sie sind es bis heute. Nun allerdings entbrennt der Streit darüber, wie diese Arbeit bezahlt und auf längere Zeit gesichert wird. Damit eskaliert ein länger schwelender Konflikt zwischen der Landesopferberatungsstelle Response und dem zuständigen Hessischen Innenministerium.

In Hanau hatte ein Täter am 19. Februar aus rassistischen Motiven neun Migrantinnen und Migranten erschossen, bevor er auch seine Mutter und sich selbst tötete. Die Beratungsstelle Response, die ihren Sitz in Frankfurt in der Bildungsstätte Anne Frank hat, begleitet die Opferfamilien seitdem. Sie hilft ihnen dabei, Opferentschädigung zu beantragen oder psychologische Hilfe zu erhalten, aber auch bei Behörden und auf der politischen Ebene ihre Interessen sichtbar zu machen.

Mit dem Anschlag von Hanau sei der Bedarf daran enorm gestiegen, erläutert die Leiterin der Beratungsstelle, Olivia Sarma, im Gespräch mit der FR. „Wir rechnen mit 80 bis 100 Personen, die langfristige Unterstützung brauchen.“ Dafür benötige man mehr Personal als die derzeit vier Beratungskräfte in Frankfurt und zwei in Kassel, zumal die Beschäftigten bisher in Teilzeit gearbeitet hätten. Daneben solle die Beratung anderer Opfer weiterlaufen, sei aber kaum zu stemmen.

Beratung

Responseist der Name der hessischen Beratungsstelle für Opfer von von rechtsextremer, rassistischer, antisemitischer, antimuslimischer und antiziganistischer Gewalt. Die Anlaufstelle ist bei der Bildungsstätte Anne Frank angesiedelt. Ihre Beraterinnen und Berater haben ihren Sitz in Frankfurt und Kassel.

Seit 2016ist Response aktiv. Die Arbeit wird aus Mitteln des Bundes und des Landes Hessen bezahlt. Die Beratungsstelle legt aber Wert darauf, dass sie unabhängig arbeitet und sich parteilich für die Opfer einsetzt. pit

Deswegen habe Response im März ein Gespräch mit dem Bundesfamilienministerium geführt und dort eine Zusage über 50 000 Euro erhalten. Auf dieses Geld wartet die Beratungsstelle aber bis heute, obwohl der Bund es ans Land überwiesen hat. Das Innenministerium führt auf Anfrage an, dass es der Bildungsstätte Anne Frank freistehe, das Geld des Bundes beim Demokratiezentrum in Marburg zu beantragen, das die Mittel verwaltet. Die Summe sei allerdings „nicht direkt für Personalkosten nutzbar, sondern für sogenannte Sachkosten“. Das sei durch die Zweckbindung des Bundes vorgegeben.

Daran zweifelt Response und verweist auf die Mobile Opferberatung in Sachsen-Anhalt. Sie habe im gleichen Gespräch mit dem Bundesfamilienministerium die gleiche Zusage erhalten wie die Hessen, berichtet Olivia Sarma. Dort fließe das Geld nun für die zusätzlichen Personalkosten nach dem Terroranschlag in Halle im Oktober.

Das Ministerium in Wiesbaden regt an, dass Response das Geld erhalten könne, wenn es Sachmittel beantrage und „durch entsprechende Umschichtungen“ Mittel für das Personal freimache. Diesen Vorschlag hält Olivia Sarma für untauglich. Dann müsse sie allein für die Administration noch eine halbe Stelle zusätzlich beantragen, sagt sie.

Das Ministerium verweist auch darauf, dass Response schon vor der 50 000-Euro-Zusage eine „bedeutsame Aufstockung“ der Fördermittel um 100 000 Euro auf insgesamt 530 000 Euro von Bund und Land erhalten habe. Die sei aber seit Jahren erkämpft worden, da sich die Zahl der Beratungsfälle auch vor dem Terror von Hanau schon verdreifacht hätten, berichtet Sarma.

Hinter dem Streit ums Geld vermutet die Beratungsstelle tiefer liegende Gründe. Response erinnere immer wieder daran, dass sich die Behörden „mit Rassismus in den eigenen Strukturen“ auseinandersetzen müssten, sagt Sarma. Aus ihrer Sicht wäre es daher möglicherweise besser, die Zuständigkeit nicht beim Innenministerium anzusiedeln, denn: „Das ist ganz klar ein Thema, das die nicht wollen.“

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