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Die Statue von Kaiser Antonius Pius begrüßt die Besucher des rekonstruierten Römerkastells, in dem der Pferdekopf gezeigt wird.

Pferdekopf aus Bronze

Streit um Sensationsfund auf dem Acker

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Der Rechtsstreit um den Pferdekopf aus Bronze aus Waldgirmes geht in die nächste Runde.

Rund 2000 Jahre hat er in einem Holzfass auf dem Boden eines römischen Brunnens verbracht – bis Archäologen den 59 Zentimeter langen Pferdekopf aus Bronze 2009 bei einer Ausgrabung im mittelhessischen Waldgirmes aufspürten. Schnell wurde er als „Sensationsfund“ gefeiert.

Beeindruckend sind das künstlerische Niveau und der gute Erhaltungszustand des Kopfes, der Teil einer vergoldeten Reiterstatue war, auf der vermutlich Kaiser Augustus saß. Sogar Details wie Muskelstränge und die Medaillons, die Stirn und Nase zieren, sind noch zu erkennen. Zu verdanken ist das vor allem der Lagerung in feuchtem Milieu unter Ausschluss von Sauerstoff.

Wichtig war aber auch die akribische Arbeit von Restauratorin Angelika Ulbrich und anderen Kollegen. Sie mussten an vielen Stellen des Kopfes erst einmal Korrosionsstellen der Bronze auf der nur hauchdünnen Goldschicht entfernen. An manchen Stellen mussten Ulbrich und das Team die Oberfläche zudem mit einem Acrylharz festigen; zum Schluss wurde der gesamte Pferdekopf mit einer dünnen Schutzschicht aus Acrylharz überzogen.

In seinem neuen Domizil auf der Saalburg steht der 15 Kilogramm schwere Pferdekopf seit dem vergangenen August im Mittelpunkt einer neu konzipierten Dauerausstellung, die sich mit der gesamten Römersiedlung von Waldgirmes befasst. Zu sehen ist neben Keramikfunden und antiken Werkzeugen auch ein 3D-Animationsfilm, in dem die alles in allem acht Hektar große Anlage virtuell rekonstruiert worden ist. Außerdem kann man einen Blick in eine antike Bronzegießerwerkstatt werfen.

Die Siedlung von Waldgirmes lag außerhalb der damaligen Grenzen des römischen Reiches und wurde vermutlich im Zusammenhang mit der Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus zerstört. Die Funde verweisen darauf, dass es sich um eine Zivilsiedlung mit Forum gehandelt hat, womit Historiker in dieser Region bislang nicht gerechnet hatten.

Doch nicht nur wegen seines Werts für die Wissenschaft hat der Pferdekopf von Waldgirmes in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen gesorgt. In einem Rechtsstreit zwischen dem Land Hessen und dem Eigentümer des Ackers, in dessen Boden der markante Kopf entdeckt worden war, ging es auch um hohe Geldsummen.

Ende Juli hatte das Landgericht Limburg in erster Instanz entschieden, dass Hessen dem Landwirt eine Entschädigung in Höhe von 773 000 Euro zahlen muss. Eine Gutachterin hatte den Wert auf insgesamt 1,6 Millionen Euro geschätzt. Das Land hat gegen das Urteil Berufung beim Oberlandesgericht Frankfurt eingelegt. Einen Termin für die Verhandlung gibt es nach Angaben aus dem zuständigen Wissenschaftsministerium aber noch nicht.

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