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Für den Klinikverbund geht die Diskussion an der Realität vorbei.

Gesundheit

Streit um die Notfallversorgung in Hessens Kliniken

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Die geplante Reform verleugnet nach Auffassung der Kliniken die Realität. Die Versorgung der Patienten würde schlechter.

Die vom Bund geplante Änderungen der Notfallversorgung schade den Patienten, warnt der Klinikverbund Hessen. Die Kritik richtet sich gegen die im Gesetzentwurf genannten Integrierten Notfallzentren (INZ) am Krankenhaus, die in der Verantwortung der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) betrieben werden sollen. „Wir Krankenhäuser haben das qualifizierte Personal, die Einrichtungen und die Mittel, um Notfallpatienten, die uns aufsuchen, so zu behandeln, wie es erforderlich ist,“ sagt Clemens Maurer, Vorstandsvorsitzender des Vereins, der rund 150 Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft vertritt. Mangels Ressourcen müsse die KV den Patienten für weiterführende Untersuchungen oder eine kurzfristige Überwachung ohnehin an das Krankenhaus weiterleiten. „Eine strikte Trennung von ambulanter und stationärer Notfallbehandlung gibt es heute gar nicht mehr“, sagte Vizevorstandschef Achim Neyer. Die INZ gehörten in die Verantwortung der Krankenhäuser. „Nur dann ist der fließende Übergang der Patienten und auch der dabei erforderlichen Informationen und Daten gewährleistet.“

Wohin?

Der Ärztliche Bereitschaftsdiensthilft in den sprechstundenfreien Zeiten bei Bagatellerkrankungen. Erreichbar ist er unter der bundesweiten Rufnummer: 116 117.

Bei dringlichen,also möglicherweise lebensgefährlichen Notfällen, sind die Notfallambulanzen in den Krankenhäusern die richtige Adresse. 

www.kvhessen.de

INZ sind Bestandteil des von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplanten Gesetzes zur Reform der Notfallversorgung. Es soll die Notaufnahmen in den Krankenhäusern entlasten, die häufig überlaufen sind, weil sich auch Patienten mit Bagatellerkrankungen dort einfinden. INZ sollen 24 Stunden, sieben Tage in der Woche Patienten als erste Anlaufstelle für die Notfallversorgung dienen. Dort findet die Ersteinschätzung statt und dann fällt die Entscheidung darüber, ob die Hilfesuchenden stationär in der Klinik oder ambulant versorgt werden.

Die KV Hessen hat sich im November der Idee gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen gezeigt. Realisierbar wäre sie aber nur in abgespeckter Form, an sechs Kliniken der Maximalversorgung in Hessen und, wenn die Krankenkassen die Zusatzkosten von rund 20 Millionen Euro übernähmen. Die KV hat ein Modell erarbeitet, das neben den INZ drei weitere Varianten der Notfallversorgung des Ärztlichen Bereitschaftdienstes in Hessen vorsieht: 15 Kliniken mit einem „gemeinsamen Tresen“, wie in Frankfurt-Höchst, 27 mit Anbindung an ein Krankenhaus und acht ohne. Der Vorteil: Einzig für das INZ müssten Tag und Nacht qualifizierte Ärzte zur Verfügung stehen. Die anderen sind nur in sprechstundenfreien Zeiten besetzt.

Für den Klinikverbund geht die Diskussion an der Realität vorbei. Seit Jahren nehme der Zulauf in den Notfallambulanzen zu, die immer zuverlässig eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung gewährleisteten. „Wenn Patienten sonst keine Hilfe finden, suchen sie das nächste Krankenhaus auf,“ sagt Geschäftsführer Reinhard Schaffert. Die von Spahn vorgesehene Reform würde die Kliniken finanziell erheblich treffen, sieht sie doch die Halbierung der Vergütung für ambulante Notfallversorgung in Krankenhäusern ohne INZ vor. Das, so Schaffert, käme „einer Enteignung gleich“. Krankenhäuser seien ja weiterhin zur Notfallversorgung verpflichtet und dürften keine Patienten abweisen.

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