Stadtentwicklung in Maintal

Streit um Hochhaus am Stadteingang von Maintal

  • schließen

SPD und CDU bringen in Maintal das Projekt„Green Tower“ auf den Weg.

Es gehe darum „ein Zeichen zu setzen“, Maintal brauche dringend Wohnraum, appellierte CDU-Fraktionschef Martin Fischer. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Sebastian Maier sprach von einer großen Chance, das gesamte Quartier aufzuwerten. Friedhelm Duch (Grüne) hingegen warnte, es handele sich um 50 Meter Höhe, die „über Jahrzehnte den Ortseingang prägen werden“. Da dürfe man keinesfalls etwas „übers Knie brechen“. Und FDP-Fraktionschef Thomas Schäfer mahnte, das aufwendig erarbeitete Stadtentwicklungskonzept nicht einfach „ad acta zu legen“. Dann könne man auch die anderen, mit Bürgern entwickelten Konzepte wegwerfen.

Intensiv, teils hitzig wurde in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments diskutiert. Stein des Anstoßes war das Bauprojekt „Green Tower“: Unternehmer Ido Michel will am Ortseingang von Maintal-Dörnigheim neben seinem Hotel ein 17-stöckiges Gebäude mit etwa 60 gut 70 Quadratmeter großen Wohneinheiten und Läden bauen. Nach Ansicht von Michel und dem von Architekturbüro „IdeePlan“ passt der Name des Vorhabens, weil bei geringem Flächenverbrauch viele Wohnungen entstünden und umweltschonende Erergiequellen genutzt würden.

Damit Michel sein Projekt verwirklichen kann, muss aber der Bebauungsplan geändert werden, weil dort nur Hotels und keine so hohen Gebäude vorgesehen sind. Mit den Stimmen der SPD und aller CDU-Stadtverordneter bis auf Christoph Stückenschneider wurde der Magistrat beauftragt, die Änderung auf den Weg zu bringen. Die anderen Fraktionen waren dagegen, nicht zuletzt wegen der 17 Stockwerke.

Zunächst soll die Stadt – so die Übereinkunft – einen städtebaulichen Vertrag mit Michel schließen, um ein Energie- und Mobilitätskonzept sowie einen 30-prozentigen Anteil für Sozialwohnungen zu vereinbaren. Für einen solchen Vertrag gibt es eine breite Mehrheit im Parlament. Der neue Bebauungsplan soll erst beschlossen werden, wenn der Kontrakt mit Michel gilt.

Kritik vom Magistrat

Bürgermeisterin Monika Böttcher und der Erste Stadtrat Ralf Sachtleber (beide parteilos) lehnen die Hochhauspläne entschieden ab. Diese widersprächen „allen städtebaulichen Grundsätzen“, die seit Jahrzehnten die Entwicklung Maintals bestimmt hätten. Sie äußern große baurechtliche Bedenken und kritisieren, dass das Grundstück nun fast komplett bebaut werden könne und nicht klar sei, wo die 120 notwendigen Stellplätze und Grünflächen für die Bewohner entstehen sollen. Die Versiegelung ist ein Argument, das auch die Grünen und die Wahlalternative Maintal (WAM) teilen.

Die 30-Prozent-Quote für Sozialwohnungen mache es nicht besser, so Böttcher und Sachtleber. Sie weisen darauf hin, dass die städtische Maintal Immobilien Gesellschaft in den nächsten Jahren 100 günstige Wohneinheiten schaffe. Und dass Neubauten gemäß dem mit Bürgern diskutierten und vor zwei Jahren vom Parlament beschlossenen Stadtentwicklungskonzept höchstens vier Geschosse haben dürfen. Das werde jetzt ignoriert.

Sebastian Maier entgegnete, es handele sich um eine Ausnahme von der Regel, die das Konzept durchaus zulasse. Es sei „ein Anker“, doch manchmal „muss man davon abweichen und sich den Realitäten anpassen“, so Maier. Zu diesen gehöre, „dass der Druck auf dem Wohnungsmarkt weiter wächst“.

Der Konflikt um den Tower ist nicht nur städtebaulich interessant: Er wird von Beobachtern und Stadtverordneten außerhalb von SPD und CDU als Hinweis auf eine Kooperation der beiden Fraktionen bei der kommenden Stadtratswahl gesehen. Sachtlebers Amtszeit läuft 2019 aus, gemeinsam könnten CDU und SPD die Nachfolge bestimmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare