Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

So sah das Heine-Denkmal von Georg Kolbe in der Friedberger Anlage vor der Nazizeit aus (links). Es war wegen des Streits um Heines preußen-kritische Einstellung ausdrücklich dem "Dichter" Heine gewidmet. Die braunen Machthaber entfernten Plakette und Schrift und das Denkmal überstand die Zeit als "Frühlingslied" im Garten des Städel. Nach dem Krieg wurde es in die Taunusanlage gestellt, erhielt eine neue Porträtplakette und ist seitdem ausdrücklich "Heinrich Heine" ohne Einschränkung gewidmet. Die Kolbe-Figuren sollen den "Rhythmus von Heines Sprache" symbolisieren.
+
So sah das Heine-Denkmal von Georg Kolbe in der Friedberger Anlage vor der Nazizeit aus (links). Es war wegen des Streits um Heines preußen-kritische Einstellung ausdrücklich dem "Dichter" Heine gewidmet. Die braunen Machthaber entfernten Plakette und Schrift und das Denkmal überstand die Zeit als "Frühlingslied" im Garten des Städel. Nach dem Krieg wurde es in die Taunusanlage gestellt, erhielt eine neue Porträtplakette und ist seitdem ausdrücklich "Heinrich Heine" ohne Einschränkung gewidmet. Die Kolbe-Figuren sollen den "Rhythmus von Heines Sprache" symbolisieren.

Frankfurter Geschichte(n) 2003

Streit um einen kritischen Geist

Das Denkmal für Heinrich Heine brachte Antisemiten und Patrioten in Rage

Von Fred Kickhefel

". . .Ihr Handelsherren! Behaltet euer Geld.

Ein Denkmal hat sich Goethe selbst

gesetzt.

In Windeln war er einst euch nah; doch

jetzt

trennt euch von Goethe eine ganzeWelt."

Also schrieb der Lyriker und umstrittene Deutschland-Kritiker Heinrich Heine (1797-1856) zur Diskussion um die Aufstellung eines Goethedenkmals in Frankfurt. Ein Vers, der auch ein Licht auf Heines ablehnende Haltung zu Denkmälern im allgemeinen wirft, sein eigenes inbegriffen. Hat ihm aber nix genützt: Ab 1908 wurde in Frankfurt auch über ein Heine-Denkmal diskutiert. Und damit ging der Knatsch los. Da kursierten alsbald Flugblätter folgenden Inhalts: "Bürger Frankfurts! Jüdischer Größenwahn will deutsch="christliches" Empfinden in den Staub zwingen und unsere alte Kaiserstadt, von deren deutscher Vergangenheit noch tausend Erinnerungen reden, soll mit dem Bückeburg="Heine=Denkmal" ,beehrt' werden, das andere Städte mit Entrüstung abgewiesen haben. . ."

In der Ablehnung des Monuments manifestierte sich auch der Antisemitismus der Kaiserzeit gegenüber dem Juden Heine, aber vor allem waren den "Patrioten" Heines Angriffe auf Monarchie, Hohenzollern und Preußen ein Dorn im Auge. Da half es auch nichts, dass die Befürworter des Denkmals - unter ihnen der (jüdische) langjährige Intendant des Schauspiels, Emil Claar - taktischerweise nur "dem Dichter" und nicht dem politischen Satiriker Heine huldigen wollten.

Warum gerade Frankfurt? Leitartikler fanden schnell die böse Antwort: "Frankfurt am Main, die alte Krönungsstadt römischer Kaiser deutscher Nation, wird längst nurmehr in statistischem Sinne als deutsche Stadt gerechnet. Sonst gilt sie als neues Jerusalem. . ." Eine Manifestation des Judentums also, obwohl Heine sich auch als dessen Kritiker betätigt hat?

Seine besondere Beziehung zu Frankfurt jedenfalls kann nicht die Ursache gewesen sein. Die begann 1815. Da hatte der Vater den 18-Jährigen einer Bank als Volontär angedient, was Heine aber nur drei Wochen durchhielt. Seine Karriere endete als kaufmännischer Lehrling bei einem Kolonialwarenhändler, wo er eigener Bekundung nach vier Wochen lang "studierte, wie Muskatnüsse aussehen". Man attestierte ihm, dass er "kein Talent zum Erwerb" habe. Als "ungeratener Junge" kehrte er in seine Heimatstadt Düsseldorf zurück. Erst 1827 kam er wieder für ein paar Tage nach Frankfurt, auf der Durchreise nach München. 1831 schließlich wohnte er kurz im "Gasthaus zum Schwan" im Steinweg - eben dort, wo 40 Jahre später der Friedensschluss im deutsch-französischen Krieg unterzeichnet werden sollte. Fürderhin beschränkte sich Heines Beziehung zu Frankfurt auf den Briefwechsel mit seinem Freund Ludwig Börne.

Nach schier endlosem Hickhack war es am 13. Dezember 1913 soweit: Nachdem man den bedeutenden Berliner Bildhauer Georg Kolbe beauftragt hatte, konnte das Werk von Oberbürgermeister Georg Voigt in Anwesenheit von 2000 Gästen in der Friedberger Anlage feierlich enthüllt werden. Kolbes Figurengruppe, ein sitzendes Mädchen und ein mit ausgebreiteten Armen schreitender Jüngling, sollen den "Rhythmus von Heines Sprache" symbolisieren. Am Sockel prangt eine Gedenkplakette für den "Dichter" Heine.

Damit freilich war die Geschichte noch lange nicht zu Ende. Nach den Verbal-Antisemiten kamen die Brutal-Antisemiten. Am 27. April 1933 wurde das Denkmal vom Sockel gestürzt. Da Kolbes Kunst durchaus dem nationalsozialistischen Menschenbild entsprach, überlebte das Werk die Nazizeit. Ohne Gedenkplakette stand es im Garten des Städel als "Frühlingslied". Seit 1947 hat es - wieder mit Heine-Gedenkplakette - seinen Platz in der Taunusanlage. Dem "erwerbsuntalentierten" Dichter und Satiriker hätte es sicher gefallen, dass sein Monument umgeben ist von Bank-Hochhäusern. . .

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare