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Mitarbeiter von Auto-Senger beim Warnstreik.
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Mitarbeiter von Auto-Senger beim Warnstreik.

Bad Homburg

Streik gegen Zweiklassensystem

Beschäftigte von Auto-Senger kämpfen für einen Tarifvertrag.

Die Stimmung sei mies, berichtet ein Mitarbeiter des Autohauses Senger. Für eine Gehaltserhöhung müsse man jedes Mal betteln gehen. „Das Wort Inflation ist leider ein Fremdwort für die Geschäftsleitung.“ Dabei brumme das Geschäft bei dem Mercedes-Händler, ergänzt ein Kollege. Wegen der guten Auftragslage hätten die Beschäftigten reichlich Überstunden angesammelt. „Aber es gibt kaum eine Möglichkeit, sie abzufeiern.“ 

Hinzu kommt, dass sich in dem Unternehmen, das vielen noch unter dem Namen Dr. Vogler bekannt sein dürfte, ein Zweiklassensystem etabliert hat. Das betrifft in erster Linie die Arbeitszeit. Ein Teil der Belegschaft – vor allem die älteren Semester, für die noch Tarifkonditionen gelten – arbeitet 36 Stunden pro Woche und erhält Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Die anderen bekommen keine Jahresleistung, müssen dafür aber 40 Stunden pro Woche arbeiten. Michael Erhardt von der IG Metall Frankfurt schätzt, dass von dieser Schlechterstellung 120 von 400 Mitarbeitern der Senger GmbH & Co. KG betroffen sind, die hessenweit sieben Autohäuser betreibt. 

Ein Zustand, den die Gewerkschaft möglichst bald ändern möchte. Deshalb hatte die IG Metall die Senger-Mitarbeiter für den gestrigen Freitag zum Warnstreik in Bad Homburg aufgerufen. 150 Beschäftigte zogen mit roten Fahnen und Trillerpfeifen durch die Kurstadt, für etwa eine halbe Stunde war dafür eine Seite des Hessenrings abgesperrt.

Mit der Beteiligung sei er „hochzufrieden“, sagte Michael Erhardt. Üblicherweise sei die Streikbereitschaft in Autohäusern weniger ausgeprägt als in den Produktionsbetrieben. Ziel sei, bei Senger einen Tarifvertrag abzuschließen, der für alle Beschäftigten gelte. Dabei gehe es auch um Grundsätzliches, betonte Erhardt. Es könne nicht sein, dass sich einzelne Arbeitgeber durch Dumping-Konditionen einen Wettbewerbsvorteil gegen ihre Konkurrenten verschafften. 

Der Geschäftsführer der Senger GmbH, Peter Hensel, kann den Streikaufruf nicht nachvollziehen. Er verweist auf die laufenden Verhandlungen mit der IG Metall. Diese seien nötig geworden, weil der Flächentarifvertrag im Kfz-Gewerbe Hessen im vergangenen Jahr aufgekündigt wurde.

Senger habe der Gewerkschaft inzwischen auch ein konkretes Angebot vorgelegt, „nach dem alle Arbeitnehmer erhebliche Gehaltssteigerungen erhalten würden“. Laut einem Schreiben Hensels an die Belegschaft geht es um Erhöhungen von 2,9 und 2,4 Prozent im laufenden und im kommenden Jahr. Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 700 Euro. Was die Arbeitszeit angeht, soll es aber bei den Unterschieden zwischen tarifgebundenen und nicht tarifgebundenen Mitarbeitern bleiben. 

Die Gewerkschaft ist deshalb nicht bereit, auf das Angebot einzugehen. Im Gegenteil. Zur Not müsse man „noch eine Schippe drauflegen“, kündigte Michael Erhardt an. Uwe Zabel von der Bezirksleitung Mitte der IG Metall rief die Beschäftigten auf, zusammenzuhalten. Zur Not werde es eine Urabstimmung geben – dann für einen unbefristeten Streik. 

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