+
Hessen gibt Millionen aus, um Straßen zu reparieren.

Schäden an der Infrastruktur

Hessens Straßen und Brücken bröckeln

  • schließen

Hessen saniert Straßen und Brücken zunehmend schneller – aber der Verfall schreitet immer rascher voran.

In Hessen werden zwar immer mehr Straßen saniert. Es sind aber immer noch deutlich weniger, als eigentlich nötig wäre. Das geht aus Antworten von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) auf Fragen der SPD-Fraktion im Landtag hervor.

Immerhin wurden im vergangenen Jahr 126 Straßenkilometer in Schuss gebracht, drei Mal so viele wie noch vor fünf Jahren. Seit Al-Wazir 2014 sein Amt antrat, sind die reparierten Strecken von Jahr zu Jahr gewachsen, von 39 Kilometer 2014 auf 101 Kilometer 2016 und 126 Kilometer im Jahr 2018.

Nur ein Bruchteil der vorhandenen Schäden wird beseitigt

Trotzdem wurde Hessen damit lediglich auf elf Prozent der Landesstraßen tätig, an denen es eigentlich notwendig wäre. Rund 45 Prozent der Landesstraßen befinden sich nach der aktuellsten Erhebung in einem schlechten oder sehr schlechten Zustand.

Der Anstieg bei den sanierten Straßenkilometern hat nach Al-Wazirs Angaben damit zu tun, dass für die Planungen Zeit nötig war, seit er 2016 das Sanierungsprogramm ausgerufen hatte. Außerdem stehe jetzt mit 120 Millionen Euro mehr Geld zur Verfügung als in den Jahren zuvor. Bis 2024 soll dieser Betrag auf 170 Millionen Euro im Jahr gesteigert werden. Zudem werde ein immer größerer Anteil der Mittel für Sanierung und nicht für neue Straßen ausgegeben.

Nur langsam kommt das Land bei der Reparatur seiner Brücken voran. Nach Angaben des Verkehrsministers hätten 99 Brücken, die zu Landesstraßen gehören, eine Sanierung nötig. Tatsächlich wurden 2018 aber lediglich 16 solcher Bauwerke saniert. Auch in den Jahren davor waren es stets zwischen elf und 18 Brücken gewesen.

Wertverlust festgestellt

Die SPD äußerte den Eindruck, dass der Verkehrsminister die Straßen verkommen lasse und damit Teile des Landesvermögens ruiniere. Der SPD-Finanzpolitiker Torsten Warnecke zog dafür die Zahlen aus dem Geschäftsbericht des Landes heran.

Nach diesen eigenen Angaben der Landesregierung sank der Wert der Landesstraßen von gut 4,4 Milliarden Euro 2013 auf weniger als vier Milliarden fünf Jahre später. Allein von 2017 auf 2018 habe der Wert der Landesstraßen erneut um 72,6 Millionen Euro abgenommen. „Das ist ein Gegenwert von mehr als 70 Kilometern Landesstraßen, Brücken und Anlagen“, kommentierte Warnecke.

Nach seiner Berechnung müssten jährlich 220 Millionen Euro investiert werden, wenn man Straßen innerhalb von 30 und Brücken innerhalb von 50 Jahren abschreibe. „Nur dann bliebe wenigstens der aktuelle Zustand der Landesstraßen erhalten“, mahnte Warnecke.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare