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Strafprozess gegen rechte Ideenschmiede

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Von: Joachim F. Tornau

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Der Vorstand des „Thule-Seminars“ soll sich wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten.

Fast vier Jahre nach Anklageerhebung soll ein Strafverfahren gegen die gesamte Führungsspitze des rechtsextremen „Thule-Seminars“ endlich vor Gericht verhandelt werden. Für den Prozess wegen des Vorwurfs der gemeinschaftlichen Volksverhetzung seien drei Verhandlungstage im Sommer angesetzt worden, teilte das Amtsgericht im nordhessischen Fritzlar am Mittwoch auf FR-Anfrage mit. Beginn soll am 23. August sein.

Die Kasseler Staatsanwaltschaft hatte Pierre Krebs aus Bad Emstal, den 75-jährigen Gründer und Leiter der braunen Ideenschmiede, sowie die beiden Vorstandsmitglieder Gudrun Schwarz, 72, aus Bad Wildungen und Burkhart Weecke, 71, aus Horn-Bad Meinberg bereits im November 2018 angeklagt. Doch zunächst wollte das Amtsgericht die Anklage nicht zulassen, weil es keinen hinreichenden Tatverdacht sah.

Nachdem die Staatsanwaltschaft dagegen erfolgreich Beschwerde eingelegt hatte, schob das Gericht den Prozess unter Verweis auf die Corona-Lage und Terminprobleme der Verteidigung immer weiter nach hinten.

In dem Verfahren geht es um einen Taschenkalender, den das „Thule-Seminar“ für das Jahr 2016 veröffentlicht hatte und der schon im Juli 2016 als jugendgefährdend indiziert wurde. In dem Kalender wurde zum Rachefeldzug gegen die angebliche „Ausrottung der Deutschen“ aufgerufen.

Zahlreiche NS-Funktionäre, SS-Offiziere und „Rassenforscher“ waren darin mit ihren Geburtstagen eingetragen. Die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg wurde bestritten und selbst Adolf Hitler zum Märtyrer stilisiert.

Das in Nordhessen ansässige „Thule-Seminar“ ist ein 1980 gegründeter eingetragener Verein, der mit Publikationen und Veranstaltungen für einen intellektuell verbrämten Rechtsextremismus und Rassismus wirbt.

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