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Die Angeklagte vor dem Hanauer Landgericht.

Justiz

Hanau: Frau zerstückelt Mann - lebenslange Haft

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Eine Frau ersticht und zersägt ihren Freund. Als Grund gibt sie Notwehr an. Doch die Richter sehen dafür keine Anhaltspunkte.

Klarer kann eine Urteilsbegründung kaum ausfallen: Die angebliche Notwehr „ist eine reine Schutzbehauptung“, betont Richter Peter Grasmück, während Tanja B. immer wieder den Kopf schüttelt. Die Verletzungen des Opfers, die Spuren, B.s Internetrecherchen vor und nach der Tat und viele weitere Aspekte – „alles zusammen gibt ein eindeutiges Bild“, fügt Grasmück hinzu. Nur eines lasse sich kaum klären: die Frage nach dem Motiv.

Das Landgericht Hanau hat B. am Dienstag wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt und folgte damit dem Antrag von Oberstaatsanwalt Dominik Mies. Die erste große Strafkammer sieht es als erwiesen an, dass die 35-Jährige am 5. Juni 2018 insgesamt 31-mal auf ihren Partner Martin F. einstach, seine Leiche mit zwei Motorsägen in sechs Teile zerstückelte und diese im Bad der gemeinsamen Wohnung in Steinau, in Plastiktüten verpackt, ablegte. Dann floh sie nach Dortmund, wo sie sich bei einer Tattoo-Messe das Geburts- und Sterbedatum des 47-Jährigen stechen ließ. Sechs Tage nach der Tat verständigte sie per Brief die Polizei.

„Viel kann man Ihnen nicht glauben“, sagt Grasmück zu der mehrfach wegen Betrugs verurteilten Mutter, deren sieben Kinder alle in Pflegefamilien leben. Sie lüge und betrüge, viele Aussagen ließen sich zweifelsfrei widerlegen, etwa dass F. nach der Einnahme eines Potenzmittels im Wahn zunächst mit einem Messer auf B. losgegangen sei, sie gewürgt habe und die 35-Jährige gerade so nach dem Messer greifen konnte und in Notwehr zustach. Der Richter verweist darauf, dass in F.s Blut keine entsprechenden Stoffe waren. B. keine Hämatome am Hals hatte und es dort, wo der Kampf angeblich stattfand, keine Spuren dafür gab.

Das Gericht folgt der Rechtsmedizinerin

Das Gericht folgt der Rechtsmedizinerin, die auf die „mit gleichbleibender Intensität“ ausgeführten Stiche – 13 in den Hals – aufmerksam macht. Das deute auf ein „einseitiges Geschehen“ hin. Der Busfahrer hatte sich nach der Arbeit wohl hingelegt und schlief in Seitenlage, als B. ihn attackierte. Dass auf dem Bett keine Blutspuren waren, habe am Leinentuch und am Matratzenschoner darauf gelegen. Die Spritzer in der Nähe seien nur „Schleuderspuren“. Der von allen Zeugen als ruhig und gutmütig beschriebene 47-Jährige sei arg- und wehrlos gewesen – womit das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt ist.

Nach anfänglicher Harmonie kriselte es im Frühling in der Beziehung. F. soll gegenüber Dritten geäußert haben, es könne nicht sein, dass sie immer auf seine Kosten lebe. Dem Steinauer, den B. über ihren Ehemann kennenlernte, hatte sie es zu verdanken, dass sie früher aus der Haft entlassen wurde. Weil Martin F. sie aufnahm, konnte B. einen Wohnsitz nachweisen. Doch schon im April recherchierte sie nach Tötungsmethoden, googelte, welche Lebensmittel tödlich sein können, gab „Tod durch Ersticken“ und „Gefriertruhe“ ein. Kurz nach dem Massaker tippte sie „Magdeburger zerteilt Leiche mit Kettensäge“ ein. B. ist am Borderline-Syndrom erkrankt, wird schnell impulsiv und aggressiv. Eine verminderte Schuldfähigkeit sieht das Gericht aber nicht – auch weil es keine Anhaltspunkte für eine Affekttat gibt. B. sei äußerst planvoll vorgegangen.

Mies lobt nach dem Urteil die präzise Arbeit der Ermittler. Verteidiger Hans-Wolfgang Schnupfhagn hingegen sagt, das Notwehrargument sei zu Unrecht „aus der Hand geschlagen worden“. Blutspritzer würden auf einen Kampf hindeuten. Er kündigte an, Revision einzulegen.

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