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Steigender Bedarf nach Energieberatung

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Von: Boris Schlepper

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Die Kosten für Gas und Strom steigen: Mehr als 10 000 Menschen haben sich deshalb 2021 bei der Verbraucherzentrale Hessen beraten lassen.
Die Kosten für Gas und Strom steigen: Mehr als 10 000 Menschen haben sich deshalb 2021 bei der Verbraucherzentrale Hessen beraten lassen. © dpa

Zahl der Anfragen bei der Verbraucherzentrale Hessen wächst durch die Ausnahmesituation auf den Gas- und Strommärkten. Der Verein warnt vor Energieschulden.

Karl Schäfer (Name von der Redaktion geändert) bekommt monatlich 1200 Euro Rente. Schon in den Vorjahren ging der größte Teil davon für die Rechnung der Stadtwerke drauf. Doch neuerdings ist der Bad Vilbeler verzweifelt. Denn bis auf 85 Euro muss er alles für Strom, Gas, Wasser, Abwasser und Abfall berappen. Allein für Gas zahlt er 925 Euro – mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor.

Schäfer sei einer von vielen, die sich in Zeiten steigender Energiekosten Rat suchten, berichtet Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen, in deren Jahrespressekonferenz. Mehr als 10 000 Personen hätten 2021 die Energieeinsparberatung in Anspruch genommen. Zahlen, die der Verein mittelfristig nicht mehr steigern könne. „Wir haben lange Wartelisten.“

Hinzugekommen sei im vorigen Herbst das Thema Beratung zu Energiepreisen und zu rechtswidrigem Verhalten von Anbieter:innen, sagt Wendt. Ab etwa September/Oktober hätten Versorger begonnen, ihre Preise zu erhöhen, „obwohl langfristige Preisgarantien vereinbart waren“. Andere hätten grundlos rechtswidrig die Abschlagszahlungen angehoben. Dies gipfelte darin, dass einzelne Versorger zum Jahresende Tausende von Kund:innen vor die Tür gesetzt hätten.

Höms

Die Hessische Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit (Höms) ist die zentrale Hochschule des Landes für Polizei und Verwaltung. Sie hat Standorte in Gießen, Kassel, Mühlheim und Wiesbaden.

Eröffnet wurde sie Anfang dieses Jahres. Sie nimmt polizeibehördliche Aufgaben wahr und ist für die Fortbildung aller Beschäftigten des Landes zuständig. Sie bündelt Studium, Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie die Nachwuchsgewinnung und polizeipsychologische Dienstleistungen.

Vorgängerinnen waren die Hessische Hochschule für Polizei und Verwaltung, die Polizeiakademie Hessen und die Zentrale Fortbildung Hessen. jur

Viele seien in die Grundversorgung gefallen, in der deutlich höhere Preise anfielen, erläutert Wendt. Um Betroffenen zu helfen, gehe die Verbraucherzentrale gegen den Anbieter Stromio mit einer Musterfeststellungsklage vor. Zusätzlich habe sie eine kostenlose Hotline eingerichtet, die stark angenommen werde,

Viele Menschen könnten schon jetzt die Kosten nicht mehr aufbringen, sagt Wendt. „Wir haben große Sorge, dass Haushalte vor dem Hintergrund dieser Preisentwicklung Energieschulden aufbauen, die später zu einer erheblichen Zahl von Energiesperren führen können.“ Diese könne schon bei einem Rückstand von zwei Abschlagszahlungen und Schulden von 100 Euro verhängt werden.

Die Verbraucherzentrale fordert die Bundespolitik auf, „schnellstmöglich, spätestens aber ab September Energiesperren gesetzlich zu untersagen“, sagt Wendt. Dieses Verbot sollte mindestens so lange gelten, wie die Alarmstufe des Notfallplans Gas in Kraft sei. Angepasst werden sollten auch Teile des kürzlich verabschiedeten Energiesicherungsgesetzes. Dieses räume Versorgern die Möglichkeit ein, Preise trotz langfristiger Garantien zu erhöhen.

Dabei werde nicht nur Gas deutlich teurer, sagt Peter Lassek, Leiter der Fachgruppe Verbraucherrecht. Auch die Preise für Strom zögen immer stärker an. Bis zu 70 Prozent Mehrkosten seien zu erwarten. Doch könne man wegen der Ausnahmesituation auf den Energiemärkten nicht einfach in günstigere Tarife wechseln, da es diese kaum mehr gebe. Die Signale stünden überall auf steigende Preise: „Wir raten daher derzeit von einem allzu vorschnellen Wechsel aus dem Bestandstarif ab“, sagt Lassek. Sofern möglich, sollten Kund:innen Geld für Nachzahlungen zurücklegen.

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