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Kochen nach deutschen Lebensmittel- und jüdischen Speisegesetzen im Rosbacher Bornweg.

Umzug

Umzug von Frankfurt in die Wetterau: Koschere Speisen sind gefragt

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Ein Caterer von koscheren Speisen verlässt nach 20 Jahren Frankfurt und zieht nach Rosbach. Die Beschäftigten pendeln mit einem betriebseigenen Shuttle-Bus.

„Ich glaube schon, wir sind vielleicht der größte europäische Caterer koscherer Speisen“, sagt Sohar Gur. Der gelernte Chefkoch beliefert etwa die jüdische Gemeinde in Frankfurt und Mainz. In Frankfurt wird zudem von der jüdische Kita bis hin zur Schule und bald auch das entstehende Gymnasium und nicht zuletzt die Lufthansa beliefert. Um die steigende Nachfrage zu erfüllen, ist das Unternehmen nun aus der Mainzer Landstraße in Frankfurt in das knapp 30 Kilometer entfernte Rosbach in der Wetterau gezogen.

Dort hat man die Betriebsräume eines vorherigen, in Konkurs gegangenen Caterers bezogen. Sie bieten auf 2500 Quadratmeter alles, was Gur benötigt. Sein Betrieb produziert unter den strengen Auflagen zweier Gesetze. „Wir arbeiten hier so hygienisch wie in einem OP-Saal und in einem riesigen Kühlschrank, damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird“, sagt er zu den deutschen Hygieneauflagen zur Lebensmittelverarbeitung. Und es gibt den „Aufpasser“, wie Gur ihn der Deutlichkeit wegen nennt. Denn auch die jüdischen Speisegesetze sind sehr streng.

„Der Maschgiach sind die Augen und Ohren des Rabbiners“, sagt Gur. Die Sohar’s Restaurant & Catering GmbH hat zwei „Aufpasser“ angestellt. Die Produktion arbeitet in zwei Schichten. „Der Maschgiach kommt als Erster, schließt den Betrieb auf und geht als Letzter. Ohne ihn geht hier nichts“, sagt Gur. Der „Aufpasser“ kontrolliert nicht nur die Zubereitung, sondern auch Lagerung, Rohstoffe und letztlich die versiegelte Lieferung an den Kunden. So muss Mehl noch einmal durch ein feinmaschiges Netz gesiebt werden, damit es wirklich frei von Insekten ist, die „treife“ (unrein) sind. 

Das Unternehmen Sohar’s Koscher Restaurant & Catering betreibt ein für alle Personen zugängliches Restaurant. 

www.sohars-restaurant.com

Gleiches gilt etwa für Salate vor der Verarbeitung. Eier werden zuvor auf Blutspuren im Dotter begutachtet und Fleisch muss aus koscher zertifizierten Betrieben gekauft werden. Immer mehr Länder in Europa verbieten das Schächten, was die Fleischbeschaffung zunehmend erschwere, heißt es. „Wir bereiten die Speisen nach dem höchsten Koscher-Grad zu, darum produzieren wir alles selbst“, sagt Gur. Hierzu zählen etwa ebenso 5000 Pita-Brote pro Tag, die auch Döner-Lokale von Gur beziehen.

Mit Leidenschaft erzählt Gur vom neuen Standort und damit der Möglichkeit, wieder der Beste zu sein. Bei seiner Ausbildung zum Hotelfachmann und Koch sowie bei seinem in Israel obligatorischen Militärdienst sei dies der Fall gewesen. Als Soldat wechselte der 1963 in Kasar Saba bei Tel Aviv geborenen Gur bald das Gewehr gegen den Kochlöffel und verköstigte die Führung der Luftwaffe. Wieder zurück im Zivilistenleben arbeitete er kurz in einem großen Hotel. „Ein Großonkel in Worms sagte, ich solle mein Talent nicht verschwenden und nach Deutschland kommen, um meinen Meister zu machen“, erzählt Gur. 1990 übernahm er das Restaurant samt der Bewirtung des Festsaals für bis zu 500 Personen der jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Als vier Jahre später die Lufthansa auf ihn zukam, gegründete er die GmbH. Die Fluggesellschaft kontaktierte Gur im Jahr davor. Ein vielreisender, hoher Rabbiner war als Fluggast gebucht. Gur konnte die hohen Anforderungen erfüllen. „Danach lieferten wir anfangs 20 koschere Essen pro Tag an die Lufthansa, heute sind es um die 400 servierfertige und es werden mehr“, sagt er.

Die 20-köpfige Belegschaft in Rosbach muss die Regeln für koscheres Speisenherstellen kennen, aber keine spezielle Ausbildung durchlaufen haben. Dennoch schätzt Gur die Arbeitsqualität seiner Beschäftigten, die durchschnittlich 15 bis 18 Jahre im Betrieb sind. Seit dem Umzug nach Rosbach pendelt daher zu Schichtbeginn und -ende ein Shuttle-Service, der die Mitarbeiter vom Frankfurter Hauptbahnhof abholt und dorthin zurückfährt.

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