Regionalkonferenz am Campus Westend

Lotsen für psychisch Kranke

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Experten diskutieren auf der Regionalkonferenz am Campus Westend über Ideen, wie Patienten besser versorgt werden können

Das Gesundheitswesen ist aus der Balance geraten: Auf dem Land sind manche Regionen unterversorgt. In Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet hingegen gibt es „deutlich mehr Kliniken, als wir brauchen“, sagt Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin, an der Goethe-Universität Frankfurt. Der Professor ist auch Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung des Gesundheitswesens, der Vorschläge zu einer „bedarfsgerechten Steuerung“ erarbeitet hat. In dieser Funktion spricht er am Freitag zu den rund 200 Teilnehmern der Regionalkonferenz am Campus Westend.

Es geht um die Frage, wie die erheblichen, aber doch begrenzten Mittel im Gesundheitswesen zum Wohle des Patienten effektiver eingesetzt werden können. Das Wort „Steuerung“ betrifft Patienten mit Bagatellerkrankungen, die fälschlicherweise in den Notaufnahmen der Kliniken landen. Aber auch psychisch Kranke, die sonst in Gefahr laufen, in dem Dschungel unterschiedlicher Hilfen unterzugehen.

Viel zu viele von ihnen landeten dort, wo sie eigentlich nicht hingehören, ergab eine Befragung des Sachverständigenrats unter Ärzten. 20 bis 30 Prozent falsch in den Kliniken, ein Drittel in den Notaufnahmen. „Die stationären Angebote sind ausreichend“, sagt Marion Haubitz, Ratsmitglied und Ärztin am Klinikum Fulda. Wohingegen die ambulante Versorgung mangelhaft sei. Vier Monate betrage die durchschnittliche Wartezeit auf eine Therapie in einer niedergelassenen Praxis.

Hier sieht der Sachverständigenrat ebenso Nachholbedarf wie bei Angeboten wie Abendsprechstunden, Tageskliniken oder auch Modelle wie lokale Gesundheitszentren mit Angeboten für psychisch Kranke.

Eine große Hürde vor einer besseren Versorgung sehen Haubitz und ihre Mitstreiter in der Trennung der Sektoren ambulant und stationär. Und bekommt Zustimmung von Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner. „Wir brauchen ein einheitliches, sektorenübergreifendes Management“, sagt der CDU-Politiker. Der Patient brauche einen Lotsen. Die „mentalen Grenzen“ müssten fallen. „Vorbehalte und Aversionen“ abgebaut werden. „Dazu braucht es einen gesellschaftlichen Diskurs.“

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