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Digitaler Unterricht seit sieben Jahren Alltag: Siebtklässler mit iPads im Matheunterricht an der Oberschule Gehrden (Region Hannover). 

Hessen

Start für die „Digitale Schule“ in Hessen

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Das Land Hessen fordert von den Schulträgern ein „pädagogisch-technisches Konzept“, damit die Technik nicht im Schrank verstaubt. Die Kommunen befürchten, dass sie ab 2024 auf den Kosten sitzenbleiben.

Offenbach war am schnellsten. Die Stadt ist die erste, die Geld aus dem Landesprogramm „Digitale Schule Hessen“ beantragt hat – für vier Projekte.

Im Laufe der nächsten Monate dürften aber alle Städte und Landkreise auf die Förderung für die Digitalisierung der Schulen zurückgreifen – und auch die meisten der mehr als 170 Träger privater Schulen. Davon geht die hessische Landesregierung aus.

Am Montag präsentierten Digitalministerin Kristina Sinemus (parteilos), Kultusminister Alexander Lorz (CDU) und Finanz-Staatssekretär Martin Worms (CDU) das Vorhaben im Wiesbadener Finanzministerium. Sie erläuterten den Vertretern der Schulträger, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um einen Teil der 500 Millionen Euro zu erhalten, die für Hessen bereitstehen.

Der größte Teil davon, nämlich 372 Millionen Euro, kommt vom Bund – im Rahmen des Digitalpakts, für den deutschlandweit fünf Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Die restlichen Mittel bringen das Land und die Schulträger jeweils zur Hälfte auf.

Das Geld aus dem Digitalpakt fließt über einen Zeitraum von fünf Jahren. Unklar ist, was danach geschieht. Die Kommunen sorgen sich, dass sie nach 2024 auf Kosten für die Fortschreibung, Wartung und Modernisierung von Projekten sitzenbleiben, die sie jetzt beginnen. „Das ist unsere Befürchtung: Erst gibt es eine Anschubfinanzierung, und dann werden wir allein gelassen“, sagte Anita Oegel vom Hessischen Städtetag, die zu der Informationsveranstaltung ins hessische Finanzministerium gekommen war.

Das Land verteilt das Geld nach der Zahl der Schülerinnen und Schüler an die Städte und Landkreise. Im Schnitt sind es 540 Euro pro Schüler, also gut 100 Euro pro Jahr.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Schule so viel Geld entsprechend ihrer Schülerzahl erhält. Vielmehr müssen die Schulen Konzepte vorlegen, um zu zeigen, für welche Vorhaben sie welche Summe benötigen.

Voraussetzung für die Zuteilung ist nach Angaben von Kultusminister Lorz ein „pädagogisch-technisches Einsatzkonzept“. Es solle verhindern, dass Technik angeschafft werde, die anschließend im Schrank verstaube.

Als zweiten Schritt erwartet das Kultusministerium ein „schulisches Medienbildungskonzept“ von den Schulen. Die Hälfte von ihnen verfüge bereits über ein solches Konzept, die andere Hälfte brauche noch eines, berichtete Lorz. Das sei aber keine Bedingung für die Antragstellung.

Der Minister kündigte an, noch in dieser Woche nehme ein „Praxisbeirat“ seine Arbeit auf, der die Digitalisierung der Schulen begleiten solle. Parallel dazu sollten vor Ort „regionale Steuerungsgruppen“ arbeiten, um die Digitalisierung „passgenau für jede Schule“ umzusetzen.

Digitalministerin Sinemus versicherte, die technischen Bedingungen an den Schulen würden verbessert. Mitte Oktober seien 609 der gut 2000 Schulen mit Glasfaserverbindungen im Gigabit-Tempo angeschlossen gewesen. Ende 2019 sollen es 816 Schulen sein, Ende 2020 bereits mehr als 1200. Bis zum Jahr 2022 sollen „alle oder nahezu alle“ über eine schnelle Leitung verfügen.

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