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Standort sicher, aber Jobs weg

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Von: Detlef Sundermann

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Die Stadt und Thermo Fisher verkünden die Gesprächsergebnisse zur Standortsicherung und Gewerbesteuerrückzahlung.

In den vergangenen Wochen war der Laborgerätehersteller Thermo Fisher gleich zweifach in die Schlagzeilen geraten. Zum einen, weil die Stadt Langenselbold an das US-amerikanische Unternehmen Gewerbesteuer zurückzahlen muss, zum anderen, weil 101 Arbeitsplätze bis Ende Juni 2019 ins europäische Ausland verlagert werden. Gestern konnten Bürgermeister Jörg Muth (CDU) und Elmar Rübsam, Geschäftsführer bei Thermo Fisher, gute Botschaften verkünden.

Das Rad der Entscheidungen wird jedoch nicht zurückgedreht: Die Stadt wird die mehr als 20 Millionen Euro zu viel erhaltene Gewerbesteuer überweisen und Thermo Fisher hält weiterhin an seinem Plan fest, 101 Jobs aus den Bereichen Finanzen und Kundenbetreuung nach Budapest in Ungarn und ins schottische Paisley nahe Glasgow zu verlagern.

„Wir haben in den vergangenen fünf Wochen nicht über, sondern miteinander geredet“, sagte Bürgermeister Muth. In den Gesprächen mit dem Geschäftsführer vor Ort und einem Finanzchef im Konzern seien „vier wesentliche Punkte erreicht“ worden. Die US-Zentrale habe eine Standortsicherung zugesagt: Mit dem Abbau der 101 Stellen sei erst einmal der Schlusspunkt gesetzt, die Gewerbesteuer werde in den nächsten Jahren vier Millionen Euro betragen und das Unternehmen investiere die entstandenen Zinsen aus der Rückforderung in eine Kita, zählte Muth auf. Letzteres sei nicht aus Imagegründen nach den Protesten wegen des Stellenabbaus geschehen, sagte Geschäftsführer Rübsam. Die Firma habe es aus „sozialer Verantwortung für die Stadt“ getan, versicherte er.

Laut Rübsam kann jedoch „keine Standortgarantie über die nächsten zehn Jahre gegeben werden“. Die Zusage beziehe sich darauf, dass für Langenselbold keine Änderungen geplant seien. Das Werk sei weiterhin eine wichtige Produktionsstätte mit einer konzernbedeutenden Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Auch die Wartung vieler Geräte erfolge in Langenselbold, so Rübsam.

Expansionsmöglichkeit 

Für die Zukunft des Standorts spreche zudem die Expansionsmöglichkeit im Vergleich zum Werk im niedersächsischen Osterode. „Natürlich wollen wir unsere Produktion vergrößern“, sagte Rübsam, ohne konkret oder verbindlich zu werden. Er erinnerte daran, dass Thermo Fisher einst mit 250 Beschäftigten angefangen habe und nun mit 700 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Langenselbold sei. Die Verlagerung der rund hundert Stellen nach Schottland und Ungarn erfolge in erster Linie wegen dem „besseren Verfügbarkeitsgrad von mehrsprachigen Mitarbeitern“, nicht wegen der dort günstigeren Personalkosten.

Die Gespräche zwischen Stadt und Thermo Fisher liefen ohne Beteiligung der IG Metall, hieß es. Laut Rübsam hat der Betriebsrat eine Consulting-Firma beauftragt, die Folgen des geplanten Stellenabbaus auf die betrieblichen Abläufe und für den Standort zu untersuchen. Das Ergebnis werde voraussichtlich im August vorliegen. IG Metall und Betriebsrat äußerten die Sorge, dass mit dem Stellenabbau ein „Erosionsprozess eingeleitet werde.

Die Stadt versucht den Rückzahlungsbatzen über die Hessenkasse für Erste loszuwerden. Trotz aller großen Wohnneubau- und Gewerbegebiete steckt die Kleinstadt tief in den Miesen. Laut Muth ist das auch eine Nachwirkung des Hessentags 2009 in der Stadt. Freiwillige Leistungen der Stadt sind gestrichen. Kräftig zur Kasse gebeten wird auch der Bürger. Die Grundsteuer ist von 550 auf 685 Punkte angehoben worden.

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