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Verkehrsschilder im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen weisen auf eine Tempo 30-Zone hin.

Umfrage

Städte setzen auf Tempo 30

Auf vielen Straßen in hessischen Kommunen darf der Verkehr nicht schneller als 30 Stundenkilometer rollen. Das soll die Sicherheit erhöhen und für Ruhe sorgen - mittlerweile spielt aber auch die Dieseldebatte eine Rolle.

Tempo 30 voraus: Dieses Limit gilt vor allem in Wohngebieten, doch einige hessische Kommunen weiten es auch auf andere Straßen aus. Dabei geht es um Sicherheit und Lärmschutz, mittlerweile zudem um saubere Luft und das Klima, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in mehreren Kommunen ergab.

Tempo 30 kann in ganzen Zonen gelten, auf die dann rechteckige Schilder hinweisen. Hier gelten auch bestimmte Grundsätze wie die „Rechts vor Links“-Vorfahrtsregel. Nur maximal 30 Stundenkilometer sind zudem auf manchen Straßenabschnitten erlaubt - hier zeigen runde Schilder die Höchstgeschwindigkeit an.

Das mittelhessische HAIGER zum Beispiel hat seine Tempo-30-Zonen vor kurzem auf fast das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet. Ausgenommen seien nur wichtige Verbindungswege wie Ortsdurchfahrten, teilte Bürgermeister Mario Schramm (parteilos) mit. Die bereits seit langem in der Stadt diskutierte Maßnahme solle die Sicherheit auf den Straßen erhöhen - und auch dazu beitragen, klimaschädliches CO2 einzusparen.

Die Zahl der Tempo 30-Zonen ist in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen, so auch in KASSEL: Anfang der 1990er Jahre habe es zehn verkehrsberuhigte Zonen gegeben, teilte ein Sprecher mit. „Ende 1992 wurden weitere 90 verkehrsberuhigte Zonen ausgewiesen, seither gilt Tempo 30 flächendeckend in allen Wohngebieten.“ In den zwischenzeitlich entstandenen Neubaugebieten sowie teils vor Schulen und Kitas heißt es ebenfalls: runter vom Gas.

Runter vom Gas

Kassel plant zudem, für den Lärmaktionsplan Hauptstraßen-Abschnitte vorzuschlagen, auf denen nicht schneller als 30 gefahren werden darf. „Um überhaupt die rechtlichen Voraussetzungen zu erfüllen, müssen hier umfangreiche Berechnungen über die Belastung der Anlieger und über die zu erzielende Lärmminderung bei Einführung von Tempo 30 durchgeführt werden“, erläuterte der Sprecher.

In Wohnvierteln von DARMSTADT gilt bereits seit zehn Jahren fast flächendeckend Tempo 30. Hier haben nach Angaben eines Sprechers bereits 70 bis 90 Prozent aller Straßen ein solches Tempolimit. Aufgrund neuerlicher Diskussionen über Lärmschutz und auch im Zuge des Fahrverbots für viele Diesel und alte Benziner wurde jüngst in der davon betroffenen Hügelstraße und in der Heinrichstraße Tempo 30 eingerichtet. Ein stadtweites Limit sei immer mal wieder Thema gewesen, gehe jedoch aus rechtlichen Gründen nicht. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung habe es in den letzten Jahren noch an Schulen oder jüngst wegen der hohen Belastung mit Stickoxiden gegeben.

Auch in FULDA darf in Wohn- und Seitenstraßen meist nur Tempo 30 gefahren werden. Teilweise seien gesamte Stadtteile zur 30er-Zone erklärt worden, sagte ein Stadtsprecher. In den vergangenen Jahren kamen aus Lärmschutzgründen Tempo-30-Abschnitte auf zwei Straßen hinzu, die aber teils nur für Lastwagen gelten.

In den Wohnvierteln von FRANKFURT darf nahezu flächendeckend maximal 30 km/h gefahren werden. Seit den 1990er Jahren liegt die Verantwortung für die Verkehrsplanung in den Wohngebieten bei den Ortsbeiräten, wie die Stadt mitteilte. „Das war der erste wichtige Schritt zur flächenhaften Einführung von Tempo-30-Zonen in den Wohngebieten.“ Die Stadt plant zudem auf weiteren ausgewählten Straßenabschnitten nachts eine Begrenzung von 30 km/h.

ADAC begrüßt Tempo 30-Zonen

Aus Sicht des Automobilclubs ADAC sind Tempo 30-Zonen an sich zu begrüßen und gerade in Wohngebieten oder vor Kitas und Schulen richtig und wichtig, wie Sprecher Oliver Reidegeld für den Verband in Hessen-Thüringen sagt. Es sei aber nicht sinnvoll, das in den Städten überall zur Regel zu machen. „Man möchte ja den Verkehr über die Straßen leiten, die den meisten Verkehr aufnehmen können.“ Gilt auf Hauptstraßen 30, besteht demnach die Gefahr, dass Autofahrer ausweichen und sich eine kürzere Route - etwa durch Wohngebiete - suchen.

Geringeres Tempo alleine mache die Straßen zudem nicht sicherer: Zu den meisten Unfällen zwischen Autos und Fußgängern oder Radlern komme es beim Abbiegen an Kreuzungen, so Reidegeld. Langsames Fahren ist zudem nicht automatisch besser für die Umwelt: Der meiste Sprit werde beim Anfahren verbraucht. Und das müsse man unter Umständen in 30er-Zonen häufiger tun, um die Vorfahrtsregel „Recht vor Links“ zu beachten.

Tempo 30-Zonen sind nach Einschätzung der Polizei „grundsätzlich ein bewährtes Mittel“, um in Wohnquartieren und Bereichen mit vielen Fußgängern und Radlern die Sicherheit zu erhöhen. „Eine 30er-Zone dient vorrangig dem Schutz der Anwohner, der Fußgänger und Fahrradfahrer“, betonte ein Sprecher der Polizeidirektion Lahn-Dill, in deren Bereich auch die Stadt Haiger liegt.

Beachten Autofahrer überhaupt das Tempolimit? „Der Großteil der Autofahrerinnen und Autofahrer hält sich an die vorgegebene zulässige Höchstgeschwindigkeit“, heißt es dazu aus Kassel. „Sofern Örtlichkeiten bekannt werden, an denen gehäuft Geschwindigkeitsverstöße begangen werden, wird verstärkt durch das Ordnungsamt kontrolliert.“ Bei Kontrollen der Frankfurter Verkehrspolizei in Tempo-30-Bereichen hielten sich im zweiten Quartal nach Angaben der Stadt 88 Prozent der Fahrer an die gesetzlichen Vorgaben.

Die Stadt Haiger appelliert nach der Ausweitung der Zonen an die Autofahrer, sich ans Limit zu halten. Nach einer Zeit der Eingewöhnung soll auch kontrolliert werden. Es gehe aber nicht um „Abzocke“, sagte Bürgermeister Schramm. Die Stadt wolle nicht möglichst viel Geld verdienen, sondern dass es auf den Straßen etwas langsamer und ruhiger zugehe. (dpa)

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