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Fluglärm reduzieren statt Fluglärm umverteilen - das fordern die Kommunen, die gegen das neue Anflugverfahren protestieren.
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Fluglärm reduzieren statt Fluglärm umverteilen - das fordern die Kommunen, die gegen das neue Anflugverfahren protestieren.

Airport

Städte protestieren gegen versetzten Landeanflug

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Mehrere Kommunen im Rhein-Main-Gebiet wollen sich gegen Flugrouten wehren, die nun erprobt werden. Sie müssen nämlich mehr Fluglärm ertragen.

Zwölf der 13 Städte und Gemeinden im Kreis Offenbach, die Gemeinde Erzhausen (Kreis Darmstadt-Dieburg) sowie die Städte Rüsselsheim und Ginsheim (Kreis Groß-Gerau) sind sich einig: Der versetzte Anflug zum Frankfurter Flughafen, der seit dem 1. März tagsüber in drei Zeitfenstern für Flugzeuge aus Richtung Süden erprobt wird, darf nicht zum Regelfall werden. Sie lehnen diesen Landeanflug strikt ab, weil sie damit mehr Fluglärm ertragen müssen. Einzig die Stadt Mühlheim schert aus dem Reigen der Gegner aus.

Mühlheim liegt aktuell unter dem Fluglärmteppich – und würde von dem versetzten Anflugverfahren profitieren. Rund 75 Prozent der Landeanflüge auf den Frankfurter Flughafen führen über die Stadt, die mit Offenbach zusammengewachsen ist.

Segmented Approach

Beim segmentierten Anflug (Segmented Approach) kommen Flugzeuge bei Westwind nicht mehr in gerader Standard-Anflugroute über die dicht besiedelten Städte Hanau, Mühlheim und Offenbach, sondern umfliegen sie. Bei Ostwind fliegen sie eine Kurve um Mainz herum.

Aus Süden kommende Flugzeuge fliegen dabei südlich an diesen Städten vorbei und werden dann in einem engen Bogen auf den Endanflug der südlichen Landebahn geführt. ann

Das Anflugverfahren „Segmented Approach“, gegen das die anderen Städte und Gemeinden protestieren, gibt es bereits seit 2010. Es wurde bisher aber nur für Verspätungslandungen nach 23 Uhr angewandt. In der Pandemie sind nun weniger Flugzeuge in der Luft und damit eröffnet sich die Möglichkeit, den versetzten Anflug auch tagsüber zu erproben. Am 17. Februar beschloss die Fluglärmkommission (FLK), das Anflugverfahren vom 1. März an probeweise auch tagsüber anzuwenden – und zwar von 5 bis 7 Uhr, von 13 bis 18 Uhr und von 20 bis 23 Uhr für einen Teil der aus Süden kommenden Anflüge. Der Probebetrieb soll ein halbes Jahr lang laufen und wird von Lärmmessungen begleitet. Im Anschluss daran prüfen FLK und das Forum Flughafen & Region (FFR) die Ergebnisse in einem gemeinsamen ergebnisoffenen Konsultationsverfahren, bevor der versetzte Anflug dann zur Regel werden könnte.

In einer gemeinsamen Erklärung sprechen sich zwölf Kommunen im Kreis Offenbach dagegen aus, dass das Anflugverfahren in den Regelbetrieb übernommen wird. „In Seligenstadt, Rodgau, Obertshausen, Hainburg, Heusenstamm und Neu-Isenburg werden dadurch rund 100 000 Menschen neu belastet“, sagt der Heusenstammer Bürgermeister Halil Öztas (SPD).

Genauso wie Rüsselsheim, Ginsheim und Erzhausen verlangen sie Lärmminderung statt -umverteilung. Es werde ignoriert, dass viele dieser Städte schon unter dem Lärm von naheliegenden Autobahnen oder Schienen litten. Eine Gesamtlärmbetrachtung sei nötig – nicht nur Messstellen für Fluglärm, sondern auch für Feinstaub und Ultrafeinstaub auf der neuen Anflugroute. Man müsse endlich dafür Sorge tragen, dass es leiser werde – durch neuere, lärmarme Flugzeuge oder leisere Anflug- und Startverfahren.

Die Kreiskommunen fordern den Kreis Offenbach auf, sich mit ihnen zu solidarisieren und wollen eine interkommunale Arbeitsgruppe gründen. Bereits 2010 hatten sich betroffene Städte zusammengetan und Klage gegen das Anflugverfahren erhoben. Sie ließen die Klage dann aber fallen, weil Segmented Approach lediglich bei Verspätungsflügen angewendet werden sollte. „Das Thema lag einige Jahre und kam jetzt urplötzlich aus der Schublade“, ärgert sich der Obertshausener Bürgermeister Manuel Friedrich (unabhängig). Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) sagt: „Statt in der Pandemie die Flugbewegungen aus den Tag- und Nachtrandzeiten in die Tagesmitte zu verlegen, präsentiert man uns jetzt Segmented Approach,“

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