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Ihren Weihnachtsschmuck hängen die Geschäftsleute in den Frankfurter Stadtteilen oft selbst auf - und erhoffen sich nicht nur dabei mehr Unterstützung von Stadt und Verbänden.

Stadtteile fühlen sich abgehängt

Einzelhändler kritisieren beim FR-Stadtgespräch, dass Steuergelder vor allem in der Innenstadt investiert würdenEinzelhändler in den Stadtteilen beklagen mangelnde Unterstützung durch Kommunalpolitik und Handelsverbände. Weder Wirtschaftsförderung noch Industrie- und Handelskammer (IHK) seien in der Lage, die Probleme zu lösen, erklärten sie beim FR-Stadtgespräch am Mittwochabend im Presseclub.

Frankfurt · Vertreter der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße und des Gewerbevereins Bornheim-Mitte haben das Stadtgespräch der Frankfurter Rundschau für scharfe Kritik an der Stadtregierung und den Verbänden genutzt. Trotz erheblichen Steueraufkommens in den Stadtteilen flössen kaum Gelder aus dem städtischen Haushalt in die kleineren Einkaufsstraßen. Der Stadt gehe es immer nur um die Zeil, erklärte Detlef Schmück vom Gewerbeverein Bornheim-Mitte. Einzelhandelsverband und IHK seien für die Probleme in den Stadtteilen "vollkommen ungeeignet", sagte er. Statt dafür zu sorgen, dass Straßen repariert würden oder die Sauberkeit verbessert werde, "kommen die alle zehn Jahre mal vorbei." Ähnlich kritische Töne fand Frank Steul, Vorsitzender des Gewerbevereins, für die Wirtschaftsförderung. Er habe regelmäßigen Kontakt zu der Institution, berichtete Steul, bekomme aber keinerlei Unterstützung: "Ich erlebe nicht, dass dort irgendetwas für die Stadtteile getan wird."

Frank Albrecht, Vorsitzender des Frankfurter Einzelhandelsverbands, widersprach dieser Darstellung beim FR-Stadtgespräch: "Wir versuchen, das Manko auszugleichen, dass die Stadtteile bei ihrer Vermarktung nebeneinanderher arbeiten. Wir wollen die Stadt insgesamt vermarkten", betonte er. Auch die Politik habe Leerstand und Flut billiger Läden als Probleme erkannt und etwa dafür gesorgt, dass nur noch dort neue Ladenflächen entstünden, wo sie sinnvoll seien. "So wollen wir die Stadtteile fördern."

Missstände in den Stadtteilen seien nicht auf falsche Politik zurückzuführen, erklärte auch der ehemalige SPD-Planungsdezernent und private Projektentwickler Martin Wentz. Ursache für die schwierige Situation an Berger, Leipziger oder Schweizer Straße sei im Wesentlichen die veränderte Einwohnerdichte in den Stadtteilen.

Die pro Kopf belegte Wohnfläche sei in den vergangenen Jahren stets angestiegen, sagte Wentz, besonders in den innenstadtnahen Stadtteilen. "Parallel dazu hätten die Umsätze der Geschäfte abgenommen. Zudem habe sich das Konsumverhalten verändert, die Tendenz gehe zu Großeinkäufen in Zentren, so der Projektentwickler.

"Kräfte der Einzelhändler bündeln"

Ein weiteres Problem sah Wentz darin, dass oftmals die Flächen für Lebensmittelversorgung - nicht selten Anziehungspunkte kleinerer Einkaufsstraßen - zu klein seien. Dies sei etwa der Grund dafür, dass Tengelmann am Schweizer Platz Mitte 2007 schließe. Wentz: "Wir brauchen größere Einheiten." Albrecht sprach davon, gegebenenfalls "auch mal Wohnraum zu opfern, um die Nahversorgung zu gewährleisten".

Der Manager des Nordwestzentrums (NWZ), Georg Lackner, warb bei den Geschäftsleuten aus den Stadtteilen dafür, dem City-Forum "Pro Frankfurt" beizutreten. Dort könnten Kräfte gebündelt werden. Er werde täglich von den Händlern im NWZ mit neuen Ideen "gepeinigt", so Lackner, aber genau das sei "die Triebfeder besserer Vermarktung".

Auch IHK-Geschäftsführer Hans-Peter Debling mahnte an, dem City-Forum die Gelegenheit zu geben, "etwas für die Stadt zu bewegen". Debling verwahrte sich zudem gegen Vorwürfe der Stadtteil-Händler. Die IHK veranstalte Wirtschaftstage, besuche die Stadtteile und diskutiere mit Gewerbevereinen und Ortsbeiräten: "Man kann uns nicht vorwerfen, wir machen nichts."

Edda Reyl, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße, lehnte eine Mitgliedschaft im City-Forum strikt ab: "Wir behalten unsere Eigenständigkeit. Was für die Geschicke der Stadtteile wichtig ist, kann so eine Dachorganisation nicht leisten", sagte Reyl.

Mehr Unterstützung erwarte sie bei konkreten Problemen, wie etwa dem Mangel an Parkplätzen: "Das ist es, was uns arge Probleme bereitet, weshalb wir Gefahr laufen, immer mehr Kunden an die großen Zentren zu verlieren." Felix Helbig

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