Forschung

Stadtteilatlas fürs Ostend

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Zwei Professoren für Städtebau an der Fachhochschule Frankfurt wollen nicht den Überblick über das Ostend verlieren. Nun planen sie einen Stadtteilatlas.

Das Frankfurter Ostend ist im Aufbruch. Seit den 80er Jahren hat sich viel getan. Die Hanauer Landstraße boomt, die Mainufer haben die städtischen Planer und Gärtner umgestaltet. Wenn noch die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Hauptquartier in die alte Großmarkthalle baut, biegt das Ostend endgültig auf den Zukunftspfad ein - städtebaulich, architektonisch, sozio-ökonomisch und demografisch gesehen.

Bei so viel Veränderung kann man schnell den Überblick verlieren. Um das zu verhindern, haben sich Thorsten Bürklin und Michael Peterek etwas einfallen lassen. Die Professoren für Städtebau an der Fachhochschule (FH) Frankfurt wollen einen Stadtteilatlas Ostend herausbringen. Zwei bis drei Bände soll das Werk umfassen - mit Karten, Bildern, Computer-Simulationen, Legenden und erklärenden Texten.

Peterek und Bürklin sind ein eingespieltes Team,sie teilen sich Projekt und Büro. "Wir ergänzen uns", sagt Peterek. Der 52-Jährige ist Architekt und Stadtplaner. Sein 44-jähriger Kollege ist Planer und Philosoph. Außerdem holen sie sich noch Kooperationspartner ins Boot - Humangeografen, Geo-Informatiker und Soziologen. Sie werden viel im Ostend unterwegs sein, Interviews führen, kartographieren. Von ihrem Bürofenster auf dem FH-Campus am Nibelungenplatz haben sie bereits einen Ausschnitt der Stadt vor sich - vom Henninger Turm bis zu den in die Höhe strebenden Türmen des Palais Quartiers mit seinen tentakelartigen Kränen.

"Das Untersuchungsgebiet ist beispielhaft für den Städtebau, vielleicht sogar europaweit", sagt Peterek. Die Wissenschaftler wollen ein Inventar erstellen und den Wandel fünf bis zehn Jahre lang dokumentieren. Es gilt auch, das Potenzial des Ostends als innenstadtnahen Stadtteil herauszuarbeiten. Wer kann welche Flächen wie und wofür entwickeln oder nutzen? Welchen Druck übt das auf das Bestehende aus - auf Gewerbe oder Anwohner?

Ihre Ergebnisse wollen sie mit ähnlichen Entwicklungen in anderen europäischen Städten vergleichen. Etwa mit dem Pariser Quartier um das Centre Pompidou herum. Oder mit dem Wandel Bilbaos durch den Bau des Guggenheim-Museums.

Zunächst nehmen sie sich das Gebiet zwischen Anlagenring und Südseite des Zoos vor. Ostbahnhof und äußere Hanauer Landstraße sollen folgen. "In zehn bis 15 Jahren werden die Stadtplaner auch intensiv über neue Nutzungen auf dem Osthafengelände diskutieren", sagt Peterek. Der Fluss verliere als Warenumschlagplatz an Bedeutung. Der Atlas wird mehr als ein bloßes Verzeichnis von Brachen oder baufälligen Gebäuden, nebst planerischen Ideen für diese bieten. Peterek und Bürklin schauen, wie die Menschen den öffentlichen und privaten Raum nutzen und analysieren, warum.

Der Paul-Arnsberg-Platz zum Beispiel, sei durchaus eine schön angelegte Fläche. "Er ist nur schlecht angeschlossen", findet Bürklin. Statt einer Mauer zu den privaten Gärten, hätte dort ein Gebäude mit einem Café oder einem Kiosk hingepasst. Ebenso beleuchten die Experten Images und Formen der Identifikation mit dem Stadtteil. Für eine erste Pilotstudie erhalten die Wissenschaftler eine Anschubfinanzierung vom interdisziplinären Forschungszentrum für demografischen Wandel an der FH. Für das große Werk wollen sie weitere Geldgeber gewinnen - etwa die EZB oder auch Gewerbetreibende von der Hanauer Landstraße.

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