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Stadt will Wissing Beine machen

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Am Bahnhof soll es weiterhin Fahrkarten der Deutschen Bahn geben

BAD HOMBURG - Es ist ein Sachverhalt, der sogar den stets ruhig argumentierenden Verkehrsexperten der CDU laut werden ließ. „An unseren Bahnhof gehört ein DB-Fahrkartenschalter!“, so Dr. Roland Mittmann in der Stadtverordnetensitzung am Donnerstagabend mit erhobener Stimme. „Geht’s noch?“, pflichtete SPD-Fraktionsvorsitzender Tobias Ottaviani bei. „Schäbig“ nannte BLB-Fraktionschef Armin Johnert das Verhalten der Deutschen Bahn (DB).

Die DB streicht der Stadt die Provision, die sie für den Verkauf jedes DB-Tickets am Schalter im Bahnhof erhält, zum Jahreswechsel ersatzlos. Dass gegen diese Maßnahme protestiert werden muss - da waren sich die Parlamentarier einig, so dass die CDU/SPD-Koalition sogar zwei Vorschläge der Grünen in ihren Antrag übernahm - der dann auch beschlossen wurde. Die BLB allerdings war dagegen.

Nun soll sich der Magistrat bei Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) dafür einsetzen, „dass die bundeseigene DB auch über den 31. Dezember hinaus“ die Provision zahlt, „so dass dieser Verkauf am Schalter nicht eingestellt werden muss“.

Zudem soll es im Homburger Bahnhof wieder ein DB-Reisezentrum geben, wo man persönlich eine Zugverbindung eruieren kann. Denn der Bahnhof werde bald ein bedeutender Schienenknotenpunkt sein, wenn die Regionaltangente West und die U 2 hier halten - zusätzlich zu S 5, Taunusbahn und diversen (Regional-) Bussen.

Drittens wird geprüft, ob die entgangene Provision als Bearbeitungsgebühr auf die verkauften Zugtickets aufgeschlagen werden kann. Grünen-Verkehrsexpertin Frauke Thiel hatte bemängelt, dass Verhandlungen schön und gut seien, den „mindestens 50 Personen pro Tag“, wie sie ausgerechnet habe, die durchschnittlich eine Hin- und Rückfahrkarte am Homburger Bahnhof erwerben, aber nicht sofort helfen dürften.

Vierte beschlossene Grünen-Idee war, bei Bildungsanbietern wie der VHS dafür zu werben, Kurse zur Nutzung der DB-Navigator-App anzubieten, damit sich die Leute selbst helfen können.

Die BLB fand den Koalitionsantrag im Grunde gut, den Zeitpunkt allerdings zu spät. „Wir können den Missstand für 2023 nur beheben, indem wir die Lizenzgebühr zahlen“, so Johnert. Die Stadt zahlt diese für die eingesetzte Software - 2023 hätte sie mindestens 11 000 Euro betragen. „Wir kürzen anderswo gerade freiwillige Leistungen und sollen nun der Bahn eine freiwillige Leistung zahlen, damit sie Gewinn macht“, so Stefan Schenkelberg (CDU). Es sei auch nicht plausibel, sagte Mittmann, warum es etwa in Kronberg oder Frankfurt-Rödelheim noch DB-Reisezentren mit Beratung und Fahrkartenverkauf gebe, obwohl die Bahn doch verkündet habe, nur noch an Bahnhöfen mit Fernverkehr Provision zu zahlen. Wenn die Politik die Verkehrswende wolle, müsse sie auch Voraussetzungen dafür schaffen. ahi

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