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Die Siedlung Rodgau war in der NS-Zeit Strafgefangenenlager. Anfang der 1950er-Jahre entstanden dann die ersten Siedlerhäuser.

Rodgau

Stadt schreitet gegen Veränderungen ein

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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In der Rodgauer Wohnsiedlung Rollwald weichen immer mehr kleine Siedlerhäuser großen Mehrfamilienhäusern. Die Stadtverordneten wollen nun gegensteuern.

Das Mehrfamilienhaus, das in der Rodgauer Siedlung Rollwald gerade gebaut wird, erdrückt das danebenliegende kleine Siedlerhäuschen fast. Die Abstände zum Nachbargrundstück sind so gering, dass die Neubürger den Altbewohnern in den Garten und möglicherweise sogar in den Kochtopf schauen können. Die Stadt Rodgau will dieser Entwicklung in Rollwald nun Einhalt gebieten und einen neuen Bebauungsplan aufstellen. Damit bis dahin nicht noch mehr solcher Gebäude errichtet werden, haben die Stadtverordneten am Dienstag in ihrer Sitzung einstimmig eine zweijährige Veränderungssperre beschlossen.

Reihenhäuser und kleine Siedlerhäuser bestimmen seit Jahrzehnten das Bild der Siedlung Rollwald, einem Ortsteil von Nieder-Roden. In den vergangenen Jahren sind dort aber Mehrfamilienhäuser wie Pilze aus dem Boden geschossen.

Möglich machen das die Bebauungspläne N6 und N10, die im Jahr 1965 aufgestellt wurden, sowie der Bebauungsplan N7 aus dem Jahr 1975. „In bester Absicht“, so Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD), hätten die damaligen Amtsträger eine aus heutiger Sicht zu umfangreiche Bebauung zugelassen. „Man wollte den Menschen seinerzeit die Möglichkeit geben, auf dem Grundstück ein zweites Haus zu errichten“, sagt er. Kinder sollten auf dem Familiengrundstück ihrer Eltern bauen dürfen. Die überbaubare Grundstücksfläche – auch Baufenster genannt – ist deshalb sehr groß.

Daraus schöpfen nun einige Nachkommen Profit. Sie verkaufen das Areal der Eltern oder Großeltern an Bauträger, die die kleinen Siedlerhäuschen abreißen und dann Mehrfamilienhäuser darauf errichten. „Die Bauträger zahlen viel Geld, weil die Grundstücke wegen ihrer Größe gut bebaut werden können“, so Hoffmann.

Eine rechtliche Handhabe gegen diese ungewollte Verdichtung in den drei Plangebieten in Rollwald hat die Stadt nicht, sie gibt nämlich nur eine Stellungnahme ab. „Die Baubehörde des Kreises hat jede Baumaßnahme geprüft und kam aufgrund der geltenden Bebauungspläne zum Ergebnis einer Baugenehmigung“, erklärt der Bürgermeister.

Seit 1995 sind in Rollwald sechs Mehrfamilienhäuser an der Mainstraße, an der Rhönstraße und an der Neckarstraße genehmigt worden – zum Teil mit Wohnraum für acht Familien. 800-Quadratmeter-Grundstücke seien mit 750 Quadratmeter großen Objekten bebaut worden, so der Bürgermeister. Dass im Bebauungsplan N6 keine Geschossflächenzahl festgesetzt wurde, erschwert das Ganze zusätzlich. Einem Bauträger musste deshalb genehmigt werden, auf zwei Geschosse noch ein Staffelgeschoss draufzusetzen.

Die groß dimensionierten Häuser führen auch zu weiteren Verwerfungen in Rollwald, weil sie die Mieten und Grundstückspreise verteuern. Außerdem können die kleinen Siedlungsstraßen kaum den Verkehr aufnehmen.

„Wir wollen eine Begrenzung einführen, um dieses Übermaß zu vermeiden“, sagt Hoffmann. Mit der am Dienstag beschlossenen Veränderungssperre erreiche man einen zweijährigen Stopp. So lange dürfen keine überdimensionierten Bauvorhaben verwirklicht werden. „Bevor wir einen neuen Bebauungsplan über die Gebiete legen, wollen wir mit den Anwohnern über ihre Vorstellungen reden“, sagt Hoffmann. Bereits genehmigte Bauvorhaben dürfen aber fertiggestellt werden.

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