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Nicht nur Busse, sondern auch Autos mit Brennstoffzelle sollen in Rodgau tanken können.
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Nicht nur Busse, sondern auch Autos mit Brennstoffzelle sollen in Rodgau tanken können.

Umfassende Strategie

Stadt Rodgau will Wasserstoff produzieren

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Die Stadt Rodgau will eine öffentliche Wasserstoff-Tankstelle errichten – und den Wasserstoff im eigenen Photovoltaik-Park per Elektrolyse gewinnen.

Die Stadt Rodgau hat sich am Montagabend ein Alleinstellungsmerkmal im Kreis Offenbach geschaffen: Die Stadtverordneten haben in ihrer Sitzung die Errichtung einer öffentlich zugänglichen Wasserstofftankstelle mit mehreren Schnellladesäulen für „grünen“ Wasserstoff beschlossen. Auf lange Sicht wollen die Rodgauer den Wasserstoff sogar selbst produzieren. Deshalb entschieden sie auch gleich, Photovoltaik-Freiflächenanlagen zu bauen, um sauberen Strom zu erzeugen, mit dem per Elektrolyse aus Wasser „grüner“ Wasserstoff entstehen kann.

Rodgauer Stadtbusse werden mit Wasserstoff fahren

Der Aufhänger für die umfassende „Wasserstoffstrategie“ der Stadt liegt schon ein Jahr zurück. Im Dezember 2020 beschlossen die Stadtverordneten nämlich, dass sechs von acht neuen Bussen der Stadtbuslinie OF-40 mit Wasserstoff fahren sollten. Dem Beschluss gingen umfangreiche Tests mit einem Elektrobus, einem Erdgasbus und einem Fahrzeug mit Wasserstoffbrennstoffzellen voraus, die eindeutig für die Wasserstoffvariante sprachen. Deshalb sollen im Dezember kommenden Jahres erstmals Brennstoffzellenbusse in der Stadt unterwegs sein.

Mit dem Bau einer Wasserstofftankstelle können diese Busse künftig direkt vor Ort betankt werden. Die Hochschule Rhein-Main unternahm im Vorfeld eine Standortanalyse, untersuchte drei Standorte und favorisierte schließlich das Baugebiet an der Landesstraße 3121 zwischen den Stadtteilen Dudenhofen und Jügesheim.

Grüner Wasserstoff

„Grüner“ Wasserstoff wird mit Strom produziert, der vollständig aus erneuerbaren Energien stammt.

Der Strom ist für die Elektrolyse nötig, mit der Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespaltet wird. Der Wasserstoff kann dann flüssig oder gasförmig gelagert werden.

Nur zwei Prozent des Wasserstoffs werden derzeit auf grüner Basis erzeugt. 98 Prozent kommen aus fossilen Brennstoffen und nicht erneuerbaren Energiequellen und werden als „grauer“ Wasserstoff bezeichnet. ann

Die CDU äußerte am Montagabend Bedenken bezüglich des Standorts. „Werden Schwerlastfahrzeuge im Langstreckenverkehr in Rodgau von der Autobahn abfahren und einen Umweg in Kauf nehmen, wenn es Reichweiten von 1000 Kilometer im Schwerlastbereich gibt?“, fragte Barbara Unger-Lamprecht. Ihre Fraktion bat deshalb darum, über einen Standort nochmals zu beraten, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Auch mit ihrer Forderung, die eigene Elektrolyse erst einmal auf Wirtschaftlichkeit zu prüfen, weil im Winter nicht genug Strom produziert werde, und die Tankstelle deshalb zunächst mit angeliefertem Wasserstoff zu betreiben, kam die Partei nicht durch. „Vor jedem Erfolg steht der Versuch“, sagte Heino Reckließ (FDP).

Rodgau hofft auf umweltbewusste Nachbarkommunen

Fest steht aber, dass die Stadtwerke Rodgau Energie GmbH die Wasserstofftankstelle auf 2800 Quadratmetern planen, bauen und in rund zwei Jahren auch betreiben soll. Im Vorfeld hatten die Hochschule Rhein-Main und das Beratungsunternehmen Emcel GmbH aus Köln langfristige Absatzprognosen erstellt, sie empfahlen eine Ausbaustufe, bei der pro Tag 1000 Kilogramm Wasserstoff an der Tankstelle gespeichert sind. Damit bleiben nach dem Auftanken der sechs Wasserstoffbusse täglich noch 850 Kilogramm für die Öffentlichkeit, also für private Brennstoffzellenlastwagen und -autos, aber auch für Müllautos und weitere Kommunalfahrzeuge. Die Stadt hofft, dass die Nachbarkommunen ebenfalls die Wasserstofftechnologie für sich entdecken und in Rodgau Kunde werden. Eine schriftliche Interessenbekundung für eine Kooperation liegt aber noch nicht vor. Aktuell gibt es in Deutschland 100 Wasserstofftankstellen, bis 2023 sollen es 400 sein.

Grundstück für Photovoltaik-Park muss noch gesucht werden

Der Grundstückskauf für die Tankstelle schlägt mit rund 500 000 Euro zu Buche; das Eigenkapital der Stadtwerke Rodgau Energie wird im Wirtschaftsplan 2022 um diesen Betrag erhöht. Der Bau soll über Kredite abgewickelt werden, die durch den Verkauf des Wasserstoffs gegenfinanziert werden können.

Die Stadtverordneten beauftragten den Magistrat am Montagabend auch, geeignete Flächen für die Photovoltaik-Freiflächenanlage zu suchen und die baurechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, damit möglichst bald grüner Strom für die Erzeugung von grünem Wasserstoff fließen kann.

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