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Der Angeklagte verdeckt sein Gesicht. Neben ihm steht sein Verteidiger Marcus Steffel.

Mordfall Susanna

Mordfall Susanna: Angeklagter soll lebenslang ins Gefängnis

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Im Mordfall Susanna hat der Angeklagte Ali B. mit vielen Jahren Haft zu rechnen. Die Staatsanwaltschaft sieht beim 22-Jährigen eine besondere Schwere der Schuld.

Für Staatsanwältin Sabine Kolb-Schlotter ist der des Mordes angeklagte Ali B. nur mit einem Wort zu beschreiben: Kaltblütig. Um die Öffentlichkeit möglichst lange vor dem Mann zu schützen, der im Mai 2018 die 14-jährige Schülerin Susanna F. aus Mainz tötete und nach ihrer Ansicht zuvor vergewaltigte, forderte sie gestern vor dem Wiesbadener Landgericht eine lebenslange Haftstrafe für ihn und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Das bedeutet, dass er nicht nach 15 Jahren Haft sondern erst nach 22 bis 25 Jahren frei käme. Um sicherzugehen, dass er danach nicht wieder zu einer Gefahr für Menschen werde, plädierte sie dafür, nach Verbüßen der Strafe über eine Sicherungsverwahrung zu entscheiden. In einem psychiatrischen Gutachten wird dem Angeklagten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung mit psychopatischen Zügen bescheinigt. Empathie und Reue sind ihm demnach fremd.

Susanna: Ali B. gibt Tötung zu, leugnet aber die Vergewaltigung 

Am 16. Verhandlungstag in dem Aufsehen erregenden Prozess gegen den irakischen Flüchtling wurden am Dienstag die Plädoyers verlesen. Ali B. ist angeklagt, Susanna vergewaltigt und ermordet zu haben. Die Tötung gibt Ali B. zu, die Vergewaltigung leugnet er jedoch. Kolb-Schlotter nahm sich Zeit für ihre Ausführungen. Ali B. habe die Unerfahrenheit der 14-Jährigen ausgenutzt, sie an jenem Tag absichtlich in seinen Wirkungskreis gebracht, um Sex mit ihr zu haben. Das Mädchen sei ihm in jener Nacht zum 23. Mai im Feld bei Wiesbaden-Erbenheim schutzlos ausgeliefert gewesen. Sie glaube den Schilderungen des Angeklagten vom ersten Verhandlungstag nicht, wonach er sich nicht an die Tat erinnern könne, so die Staatsanwältin. Es sei auch nicht glaubhaft, dass der Sex mit Susanna einvernehmlich gewesen sei, wie Ali B. behauptet. Das passe nicht zu den Beschreibungen der Zeugen, wonach Ali B. junge Mädchen als Freiwild betrachte, das er benutzen und wegwerfen dürfe. Susanna dagegen habe noch kein Interesse an Sexualität gehabt und Ali B. gehasst. Zudem sei sie in Alis jüngeren Bruder verliebt gewesen. Die Obduktion hatte ergeben, dass aufgrund der fortgeschrittenen Verwesung des Leichnams, der zwei Wochen später gefunden wurde, eine Vergewaltigung nicht mehr nachzuweisen sei.

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Das von Ali B. angegebene Tatmotiv, Susanna habe wegen verdreckter Kleidung und Schrammen im Gesicht zur Polizei gehen wollen, sei lebensfremd, führte die Staatsanwältin aus. Vielmehr habe Susanna wegen ihrer Vergewaltigung mit der Polizei gedroht. Somit seien die Mordmerkmale der Heimtücke und der Verdeckung einer Straftat erfüllt. Kolb-Schlotter stellte auch fest, das „dies nicht die Tat eines traumatisierten Flüchtlings sondern Ausdruck seiner Persönlichkeitsstörung“ sei, die weder mit seiner Nationalität noch seinem Flüchtlingsstatus zu tun habe.

Nebenklagevertreter schließen sich Forderungen der Staatsanwaltschaft an

Die Nebenklagevertreter, die die Mutter und die Schwester der Getöteten vor Gericht vertreten, schlossen sich den Forderungen der Staatsanwaltschaft an. Mit dem Unterschied, dass die Sicherungsverwahrung sofort ausgesprochen werden soll. Die Persönlichkeitsstörung des Täters sei so ausgeprägt, dass das Risiko einer weiteren schweren Sexualstraftat zu hoch sei.

Die Rechtsanwälte des Angeklagten verzichteten auf einen Strafantrag. Ihr Mandant sei durch die Berichterstattung in den Medien in der Öffentlichkeit vorverurteilt, führte Marcus Steffel aus. Seine Entwicklung sei aufgrund von mangelnder Bildung und fehlender Integration nicht altersgerecht. Ali B. habe nie gelernt, den Willen anderer zu respektieren. Dass er Susanna vergewaltigt haben soll, beruhe auf einer Annahme. Somit sei die Verdeckungsabsicht zweifelhaft. Steffel bat darum, von einer Sicherheitsverwahrung abzusehen, da sich der junge Mann im Gefängnis ändern könne.

Nachdem Susannas Mutter unter Tränen den Verlust ihrer geliebten Tochter beklagte, ergriff der Angeklagte anschließend selbst das Wort. Ruhig und gefasst wie in allen anderen Prozesstagen entschuldigte er sich bei der Mutter und erklärte, jede Strafe anzunehmen und bis zum letzten Tag abzusitzen.

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