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Mahdi Ehsaei hat im Süden Irans die Nachfahren von Sklaven fotografiert.

Festival „Junges Gemüse“

Spuren im Niemandsland

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Das Off-Festival „Junges Gemüse“ zeigt Fotografien von Studierenden des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Darmstadt.

Eine verlassene Schlafstätte im Wald umringt von Müll. Die Menschen, die dort geschlafen haben, sind nun auf dem Weg in ein anderes Leben. Das Foto zeigt Gegenstände, die sie bei ihrem kurzen Aufenthalt zurückgelassen haben.

Auf einer anderen Aufnahme sind Fußspuren im Matsch zu sehen. Es sind alles Zeugnisse von Flüchtlingen, die ihre Heimat verlassen haben und sich im Niemandsland befinden auf dem Weg in ein besseres Leben. Markus Seibel, Student am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt, hat die Spuren dieser Menschen zu einer Zeit dokumentiert, in der die Flüchtlingsbilder noch nicht zum Medienalltag gehörten.

Seit 2011 ist Seibel dabei, die Wege der Flüchtlinge von der griechischen Küste über Mazedonien hin zur serbisch-ungarischen Grenze festzuhalten. „Mich interessiert, welche Orte durch Improvisation entstehen“, erklärt Seibel. Seine Arbeiten sowie die von 19 anderen Studierenden sind von heute an beim Festival „Junges Gemüse – Neue Darmstädter Fotografie“ zu sehen.

Es ist ein Off-Festival, das zum ersten Mal parallel zum Weitsicht Festival stattfindet, aber einen anderen, einen künstlerischen Ansatz hat und von drei Studenten kuratiert wird. Ausgestellt werden fotografische Positionen, die in den vergangenen beiden Jahren am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt entstanden sind. 50 Studierende und Diplomanden haben sich an einer internen Ausschreibung für die Ausstellung beteiligt. 20 Arbeiten wurden für das Festival ausgewählt.

„Wir haben bei der Auswahl eine positive Sichtweise eingenommen und uns gefragt, welche Arbeiten uns bewegen“, sagt Kuratorin Mareike Schaaf. Vertreten sind Landschaftsaufnahmen, Portraits, künstlerische Positionen. „Wir wollen das ganze Repertoire abbilden“, meint Schaaf. Für das Kuratorenteam – neben Mareike Schaaf sind das Stefan Elges und Markus Seibel – war die Vorbereitung des Festivals Neuland. Und so gab es bei der Auswahl der Arbeiten, die anonym vorlagen, auch einige Diskussionen. Die Auswahl kann sich sehen lassen, es sind politische und hintersinnige Arbeiten:

Hella Kühner hat beispielsweise Portraits von Menschen mit einem Glasauge gemacht. Erst bei genauem Hinsehen fällt auf, dass die Augen der Portraitierten unterschiedlich sind. Es sind minimale Nuancen, die dem Betrachter auffallen, ihn aber trotzdem im Unklaren lassen, welches Auge das Glasauge ist.

Mahdi Ehsaei ist in den Iran gereist, um eine ethnische Minderheit zu fotografieren, die im Süden des Landes, in der Provinz Hormozgan, lebt. Es sind Nachfahren von versklavten Menschen aus Afrika, die nach Persien ausgewandert sind. Sie halten das Erbe ihrer afrikanischen Herkunft in Kleidungsstil, Musik, Tanz und Ritualen bis heute aufrecht und beeinflussen so die Kultur der gesamten Region. „Afro-Iran – The Unknown Minority“ heißt die Portrait-Serie, die jüngst auch im Kehrer Verlag erschienen ist.

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