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Vereinsmitglied Sascha Granda gibt grünes Licht zum Fahren der Modellbahn.

Eisenbahnmuseum Kranichstein

Von Spur Z bis zur Lebensgröße

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Die Modellbahnausstellung im Eisenbahnmuseum Kranichstein wird neu konzipiert.

Lukas Mampel muss nur den Schalter umlegen und schon rattert die kleine Dampfmaschine los. Und setzt eine Einzylinder-Dampflok in Bewegung, die ihre Runden auf den Schienen um die Dampfmaschine dreht. „Wie aus Dampf Strom wird“, nennt sich das von Lukas gebaute Modell und an den beiden Ausstellungstagen Freitag und Samstag im Kranichsteiner Eisenbahnmuseum erklärt der Zwölfjährige geduldig den Besuchern die Stromerzeugung.

Mit einem im Keller gefundenen Dampfmaschinenmodell habe es angefangen, sagt Lukas. Inzwischen hat er schon einige Modelle gebaut. Das im Museum hat er so gestaltet, dass es Acht Volt Strom erzeugen kann. „Da das Gebäude aus Holz ist, kann ich hier nicht mit Feuer und Wasser Dampf erzeugen, hier wird mit komprimierter Luft gearbeitet“, sagt er.

Wenige Schritte entfernt, in mehreren Eisenbahnwaggons geht die Modellbahnausstellung weiter. „Wir sind gerade dabei sie umzugestalten“, sagt Siegfried Aßmann, Leiter der Modellbahnabteilung des Trägervereins. Neu hinzugekommen ist bereits eine Anlage, bei der Kinder selbst die Züge fahren lassen dürfen. „Es muss auch mal was zum Anfassen dabei sein, nicht nur zum Schauen“, sagt Aßmann.

Einen neuen Ort hat auch die große Lego-Anlage von Andreas Dilling bekommen. Statt im Ausstellungsgebäude ist sie nun im Waggon zu sehen. Schon die Ausmaße sorgen für Staunen, gut 40 Meter Schienen hat der Darmstädter verlegt. Es gibt eine Drehscheibe und Lokschuppen, Dampfloks oder ein TGV-Hochgeschwindigkeitszug drehen ihre Runden. „Alles ist aus normalen Legosteinen gebaut. Einige stammen aus seltenen Sets, aber jeder Wagen lässt sich nachbauen“, sagt er. Rund 40 Stunden habe es gedauert, einen Zug zu bauen.

Noch viel mehr Stunden hat einst Kurt Botzen in die historischen Modellzüge und -wagen investiert, die detailgetreu nachgebildet wurden. „Die Modelle sind gut 90 Jahre alt“, sagt Aßmann. In der neuen Ausstellung sollen sie wesentlich prominenter präsentiert werden als bisher. „Wir wollen bis zu den Bahnwelttagen im Mai die Ausstellung neu geordnet haben“, sagt Aßmann. Dann, so hofft er, werden auch die echten Loks und Wagen des Museums wieder in Bewegung gesetzt werden können. „Die Verhandlungen mit der Bahn und dem Regierungspräsidium sind gut verlaufen: Wir hoffen, nach fast vier Jahren wieder einen Zugbetrieb bieten zu können“, sagt er.

Darauf arbeitet auch Tobias Marx hin, der sich seit drei Jahren im Verein engagiert. Als angehender Heizer ölt er die Triebwagen und hält diese in Schuss. „Ich komme aus einer Eisenbahnerfamilie, da war der Weg vorgezeichnet“, sagt er. Sein Ziel: Von der linken Seite der Lok auf die rechte, die Zugführerseite zu wechseln. Das lässt sich natürlich am ehesten bewerkstelligen, wenn die Züge wieder fahren dürfen. Zugführer beim Museumsverein ist auch Lukas Mampels Ziel. „Mein Vater ist hier als Zugführer tätig, ich bin natürlich auch schon mitgefahren“, sagt er.

Nach der Insolvenz der Deutschen Museums-Eisenbahn-Gesellschaft 2014 musste der 1987 gegründete Museumsverein den bisher regen Zugverkehr einstellen. Dadurch geriet auch das Museum in Gefahr, nach fast 30 Jahren war der Verein auf finanzielle Hilfe durch die Stadt angewiesen. Inzwischen hat sich die Situation stabilisiert, der Verein konnte im Mai sogar den langgehegten Wunsch, den Wiederaufbau des Lokschuppens, in Angriff nehmen.

www.bahnwelt.de

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