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Heute geht es hinab die in sieben Stockwerke tiefen Weinkeller von Henkell Freixenet in Wiesbaden. Dort lagern 200.000-Liter-Fässer und am Ende der Führung wartet ein Sekt vielleicht.

Ferien zu Hause

Wiesbaden: Spritziger Sekt in kühlen Kellern

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Bei einer Führung durch die Kellerei von Henkell Freixenet in Wiesbaden erfahren die Teilnehmer alles über die Schaumweinherstellung.

Ob Hochzeit, Taufe oder Geburtstag, für die großen Momente des Lebens gehört für die meisten ein Glas Sekt dazu. Doch nur wenige wissen, wie Weine zum Sekt veredelt werden und warum die Sektherstellung früher eine gefährliche Sache sein konnte. Das alles und noch mehr erfährt, wer bei Henkell Freixenet in Wiesbaden eine der vielen Führungen durch die Sektkellerei macht, die dort zu unterschiedlichen Themen angeboten werden.

Nicole Siebert, Französin und Führerin bei Henkell Freixenet, empfängt eine Gruppe von Hotelfachfrauen in dem in der Sommerhitze angenehm kühlen Marmorsaal des Empfangsgebäudes an der Biebricher Allee 142. Für die jungen Frauen von der Willy-Brandt-Schule, der Kreis-Berufsschule in Gießen, ist der gemeinsame Besuch der Sektkellerei mit ihrer Lehrerin Karen Schneider der krönende Abschluss ihrer Ausbildung. „Jetzt können wir das, was wir in der Theorie gelernt haben, in der Praxis sehen“, sagt Natalie Hahn, eine der frisch gebackenen Hotelfachfrauen.

Einem Sekthersteller würdig: der prachtvolle Marmorsaal im Empfangsgebäude an der Biebricher Allee.

Doch bevor es sieben Stockwerke tief ins Kellergewölbe geht, erzählt Nicole Siebert die Geschichte des einstigen Familienunternehmens. das seit 1986 zur Dr. August Oetker KG gehört. Während sie spricht, schaut ihr Otto Henkell als Büste über die Schulter, der Enkel von Adam Henkell, der 1832 die Weinhandlung Henkell & Cie in Mainz gründete und 25 Jahre später in der Mainzer Walpodenstraße eine „Champagnerfabrik“ erbauen ließ. Er war einer der ersten in Deutschland, der die Technik beherrschte, aus Wein Sekt herzustellen. Otto, sein Enkel, war ähnlich innovativ. Er prägte die Marke Henkell Trocken und ließ sie 1898 als eine der ersten Marken in Deutschland amtlich schützen. Und er verlegte den Sitz der Sektkellerei 1909 in den Wiesbadener Stadtteil Biebrich in ein neues Kellereigebäude, dem heutigen Stammsitz des Unternehmens. Das von dem Architekten Paul Bonatz erbaute „Henkell-Schlösschen“ verfügte sogar über eine Kantine, ein für die damalige Zeit ungewöhnlich fürsorgliches Angebot für die Angestellten.

„Auch wenn wir kein Familienunternehmen mehr sind, hat sich das Gefühl bis heute bewahrt“, sagt Nicole Siebert. Fast 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten im Wiesbadener Stammsitz, weltweit sind es über 3500. Die Henkell & Co.-Gruppe hat sich nach Fusionen mit anderen Herstellern, etwa 2018 mit dem Zusammengehen mit der spanischen Cava-Kellerei Freixenet, zum weltweit führenden Schaumweinhersteller entwickelt und trägt seit 1. Januar 2019 den Namen „Henkell Freixenet“.

Alsdann lässt die Gruppe die Rokoko-Pracht des Marmorsaales hinter sich und steigt mit Führerin Siebert in die Kellergewölbe hinab. Je mehr Treppenstufen die Hotelfachfrauen und ihre Lehrerin hinuntergehen, um so kühler wird es und um so intensiver wird der Weingeruch. Im Cuvée-Keller können sie gigantische 200 000-Liter-Fässer bestaunen, in denen ein Teil der Weine lagert, aus denen die Schaumweine der unterschiedlichen Marken komponiert werden. „Der Verbraucher will, wenn er beispielsweise Henkell Trocken trinkt, immer den gleichen Geschmack haben“, erläutert Nicole Siebert, deswegen müsse der Kellermeister stets die für die jeweilige Marke richtige Mischung an Weinen finden.

Worin sich Champagner, Sekt oder Prosecco unterscheiden, das können die jungen Frauen auf Nachfrage von Nicole Siebert erläutern, doch warum sich in den Riesenfässern eine fensterähnliche Öffnung befindet, wissen sie nicht. „Das ist das Mannloch“, erläutert die Führerin. Darüber klettern Winzer in das Fass, wenn es leer ist, um es zu reinigen. Früher war das eine gefährliche Arbeit, denn es konnten sich in den Fässern gefährliche Gase bilden. „Bevor jemand dort einstieg, wurde eine Kerze hineingehalten. Erlöschte sie nicht, galt das Fass als sicher“, sagt Nicole Siebert. Doch sicher war diese Methode keineswegs, weswegen so mancher Winzer oder sein Lehrling dabei in der Vergangenheit sein Leben verlor. Heute kann das nicht mehr passieren, die Messmethoden sind so fein, dass beim Reinigen der Fässer keine Gefahr mehr besteht. Danach geht es weiter in das sogenannte Museum, in dem sich alte Geräte zur Sektherstellung befinden, beispielsweise ein klassisches Rüttelpult aus Holz für die Flaschengärung, das längst von Maschinen ersetzt worden ist.

Nachdem die Weine für den jeweiligen Sekt komponiert worden sind, wird der Flasche Zucker und Hefe für die zweite Gärung zugesetzt. Nach der mindestens neunmonatigen Lagerung bildet sich durch Drehung und Neigung der Flasche im Hals ein Hefepfropf, der mit Hilfe eines speziellen Kältebades beim vorsichtigen Öffnen des provisorischen Verschlusses aus der Flasche schießt.

Und dann beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Denn sobald der Schaumwein degorgiert und mit der Dosage, in Wein gelöster Zucker, versetzt ist, beginnt der Alterungsprozess und damit ein Geschmacksverlust. „Sekt muss frisch genossen werden“, sagt Siebert, anders als Wein sollte er nicht lange gelagert werden.

Großen Kunden wie beispielsweise Supermarktketten bietet Henkell Freixenet deshalb Lieferungen innerhalb von 24 Stunden an. Der Vorteil für den Kunden: Er muss nicht in die Lagerung der Sektflaschen investieren. Der Vorteil für die Wiesbadener Sektkellerei: Sie kann sicherstellen, dass der Endverbraucher immer frische Ware in den Regalen findet.

An einer Wand können die jungen Hotelfachfrauen bestaunen, wie viele unterschiedliche Produkte Henkell-Freixenet weltweit anbietet. Immer mehr Verbraucher trinken alkoholfreien Sekt, erzählt Nicole Siebert. Und dabei handelt es sich keineswegs um mit Kohlensäure versetzten Traubensaft, wie eine der jungen Frauen mutmaßt. Um den Alkohol aus dem Sekt zu entfernen, so die Führerin, werde der Schaumwein in einem speziellen Verfahren unter Vakuum erhitzt. Früher seien dafür 70 Grad notwendig gewesen, heute seien es nur noch 35 Grad. „Dadurch bleibt das Aroma erhalten“, sagt die Führerin.

Zuvor hat sie die Gruppe mit zu einer Galerie genommen, von der aus sich die Flaschenabfüllung beobachten lässt. 1909, nach dem Umzug des Unternehmens, waren es neun Millionen, heute füllt die Gruppe jährlich rund 90 Millionen Flaschen der unterschiedlichen Marken allein am Stammsitz in Wiesbaden ab. „Es ist erstaunlich, wie wenig Mitarbeiter man dafür benötigt“, sagt Sarah Klahr nach einem Blick in die Halle. Und dann geht es mit Nicole Siebert zurück in die Empfangshalle, wo in einem Raum Sekt auf eine Verkostung wartet. „Santé“, wünscht Nicole Siebert, ganz Französin, zum Abschluss.

Verlosung

Die FR verlost 25 x 2 Karten für eine Führung durch die Sektkellerei Henkell Freixenet am 8. August um 14 Uhr in Wiesbaden. Die Führung dauert rund anderthalb Stunden.

Eine Altersbeschränkung gibt es nicht, allerdings sollten die Teilnehmer mobil sein; es gibt viele Stufen und nur wenige Sitzgelegenheiten. Einfach unter https://fr.de/gewinnspiel mit dem Losungswort „Sekt“ registrieren.

Einsendeschluss ist der 5. August, 10 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Nur Gewinner werden benachrichtigt.

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