Sport macht Spaß, schafft Zusammenhalt und ist gesund, aber seit der Corona-Pandemie treten weniger Leute in Vereine ein.
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Sport macht Spaß, schafft Zusammenhalt und ist gesund, aber seit der Corona-Pandemie treten weniger Leute in Vereine ein.

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Sportvereine in Hessen blicken mit Sorgen in die Zukunft

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Laut einer Umfrage leiden Sportvereine in Hessen coronabedingt unter Mitgliederrückgang und finanziellen Engpässen. Die Aussichten für Herbst und Winter seien düster.

Der Landessportbund Hessen (Lsbh) erwartet wegen der Coronavirus-Pandemie einen Mitgliederrückgang bei den Sportvereinen. „Das liegt in erster Linie an den fehlenden Neueintritten, weniger an den Austritten. So bleibt die natürliche Fluktuation aus“, erklärte Andreas Klages am Mittwoch im Rahmen einer Vorstellung von Umfrageergebnissen unter dem Titel „Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Sportvereine“.

Im Durchschnitt gehen die Vereine von einem Mitgliederrückgang um 11,6 Prozent aus. Belastbare Zahlen wird es aber erst Anfang Januar geben, wenn diese dem Lsbh gemeldet werden. Derzeit sind 2,1 Millionen Einzelmitglieder in 7600 Sportvereinen angemeldet. 2522 der Vereine hatten sich an der Umfrage im Juni und Juli beteiligt.

„Die Umfrage war eine Momentaufnahme“, betonte Lsbh-Präsident Rolf Müller. Es könnte aufgrund der aktuellen Lage mit steigenden Infektionszahlen und mehr Absagen von Sportveranstaltungen jedoch sehr viel düsterer werden. Das betrifft vor allem die finanzielle Situation. 57 Prozent der Vereine hatten zum damaligen Zeitpunkt bereits Defizite oder erwarteten sie. „Die Bandbreite der erwarteten Verluste ist dabei so unterschiedlich wie auch unsere Vereine sind. Sie reicht von 1800 bis 24 000 Euro und beträgt im Mittel 5455 Euro“, sagte Klages. Ausgefallene Veranstaltungen, Einbußen im Verkauf von Speisen und Getränken sowie ausbleibende Eintrittsgelder wurden dabei am häufigsten genannt.

Über 400 Vereine hatten bis Juli Finanzhilfen beim Sportministerium beantragt. „Die Sportvereinshilfe des Landes ist ein Zuschuss und kein Kredit“, sagte Karges. Allerdings müsse ein Verein sehr insolvenznah sein, um den Antrag stellen zu können. „Je länger die Krise dauert und je länger die Einnahmen ausfallen, desto mehr Vereine kommen in diesen Kriterienkreis rein“, sagte Karges. Da noch nicht absehbar sei, wie hoch das Ausmaß der Verluste für das Jahr 2020 tatsächlich ist, müssten die Hilfen auch im kommenden Jahr fortgeführt werden, so wie das in anderen Bundesländern schon geschehen sei, fordert er.

Besonders hart betroffen sind dabei Vereine, die mehrere Sparten und viele Mitglieder und somit auch hauptamtliche Angestellte haben. Knapp vier Prozent der Vereine haben im Sommer Kurzarbeit beantragt. „Wir blicken mit großer Sorge auf das, was jetzt im Herbst und Winter auf uns zukommen wird“, sagte Müller. In der Stadt Offenbach sind vom 19. bis zum 31. Oktober alle Wettkämpfe im Amateurbereich abgesagt worden. In ganz Hessen haben Vereine aus unterschiedlichen Sportarten einzelne Mannschaften zurückgezogen. „Wir machen uns mittelfristig große Sorgen um die Entwicklung des Sportsystems – gerade was die Wettkämpfe angeht“, so Müller.

Der Präsident befürchtet auch, dass für Nachwuchssportlerinnen und -sportler „Ziele abhandenkommen“, wenn es keine Wettbewerbe mehr gibt und das ab nächstem Jahr ein beherrschendes Thema sein wird. Das sei aktuell vor allem das fehlende Miteinander in den Vereinen.

Trotz aller Schwierigkeiten haben die Sportvereine gezeigt, dass sie flexibel sind. Knapp 13 Prozent haben Online-Sportangebote aufgebaut, auch die Hygieneauflagen würden verantwortungsvoll umgesetzt, betont Müller. Allerdings wünschen sich die Vereine eine klarere, schnellere und einheitliche Kommunikation seitens der Kommunen und weniger Bürokratie.

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