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Die Rotkehlchen (v.l.): Julia Heß , Victoria Anton, Marit Trantel und Vanessa Katz.

Rotkehlchen

Jedes Molekül bewegt sich

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Das Frankfurter Frauen-Quartett Rotkehlchen bringt mit seinem A-cappella-Gesang sich und sein Publikum in Schwingung.

Marit Trantel gibt den Ton an. Ihr rotes Kleid hat Taschen, daraus holt sie die Stimmgabel hervor und führt sie nah ans Ohr. Im Frankfurter Gesangsquartett Rotkehlchen ist sie das „Stimmgabel-Rotkehlchen“. Sie summt einen Akkord, dann setzen ihre Kolleginnen ein: „Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann.“ Das klingt a cappella, das klingt gut. Die größte der vier Sängerinnen, Victoria Anton, singt am höchsten, die kleinste, Vanessa Katz, am tiefsten.

Familiär geht es zu bei diesem Konzert der Rotkehlchen im Nebbienschen Gartenhaus in Frankfurt, organisiert vom Frankfurter Künstlerclub. Die Künstlerinnen sind dem Publikum sehr nah, sie beziehen es ein, stecken es mit ihrem Lachen an, fragen es und bekommen Antworten. Umgekehrt interessiert es eine Dame sogleich nach dem Titel „Diamonds Are a Girl’s Best Friend“, welche Sängerin dieses Lied noch mal bekannt gemacht habe. Das sei Marilyn Monroe gewesen, erklären die Rotkehlchen freundlich. „Wie familiär ein Konzert wird, hängt sehr vom Publikum ab“, sagt Vanessa Katz. „Wir interagieren sehr gern mit unserem Publikum. So kriegen wir ein positives Gefühl zurück.“

Weil es für ein Frauen-Gesangsquartett nicht viel Literatur gibt, arrangieren die vier vieles selbst. Victoria Anton, „Melodie-Rotkehlchen“ genannt, hat sich etwa des Songs „Applaus, Applaus“ der Sportfreunde Stiller angenommen. Ihr klarer Sopran mit feinem Vibrato im Ausklang trägt die Melodie. Ihre Kolleginnen begleiten sie stimmlich. Das klingt so stimmig, dass es eine Zuhörerin zu Tränen rührt. „Jetzt wird es lauter, das nächste Lied habe ich arrangiert“, kündigt Vanessa Katz, das „Bass-Rotkehlchen“, an. Kraftvoll interpretiert die aus Köln stammende Mezzosopranistin den Song „Ironic“ von Alanis Morissette.

Den „Tanz der Moleküle“ von Mia habe sie für Quartett umgeschrieben, als sie gerade durch ein Gipsbein ziemlich unbeweglich war, erzählt Julia Heß. Ihrem Titel „Rock-Rotkehlchen“ macht sie in diesem Song alle Ehre, die Freude am Gesang lässt sie die Nase kräuseln. Ihre Kolleginnen summen und pfeifen dazu und holen Konfetti aus den Taschen ihrer roten Röcke. So kommt jede nach ihren Stärken zu ihrem Solo.

Im Programm der Rotkehlchen, die ihren Stil selbst als „klassisch elegant“ bezeichnen, ergänzen sich anspruchsvolle Jazznummern und unterhaltsame Stücke aus Chanson und Pop. Die vier Frauen um die 30 singen auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch.

Kennengelernt haben sie sich während des Studiums an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Dort sangen sie zusammen im Jazzchor. Als dieser Chor beim Vokalmusik-Festival voc.cologne auftrat, gab es die Gelegenheit, andere Vokalensembles zu hören, unter anderem die schwedische Formation The Real Group. „So etwas wollten Victoria und ich unbedingt auch zusammen machen“, sagt Vanessa Katz. Schnell waren Julia Heß und Marit Trantel dabei. Schwieriger gestaltete es sich, singende Männer zu finden. Doch die haben die vier Sängerinnen dann nicht wirklich vermisst, und somit war das Quartett komplett.

Die Liebe zum A-cappella-Gesang eint die Rotkehlchen nun seit fünf Jahren, die sie gemeinsam auf der Bühne stehen. Sie haben sichtlich Freude dabei, und das freut das Publikum.

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