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Spirwes für Bölle-Bande

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In einem Video hatten die Kinder der Bölle-Bande erzählt, wie es der SV 98 von der vierten in die erste Bundesliga geschafft hat. Moderator Florian Harz, Ex-Spieler Sandro Sirigu, Vorstandsmitglied Markus Pfitzner (v.l.) übergeben den Preis.
In einem Video hatten die Kinder der Bölle-Bande erzählt, wie es der SV 98 von der vierten in die erste Bundesliga geschafft hat. Moderator Florian Harz, Ex-Spieler Sandro Sirigu, Vorstandsmitglied Markus Pfitzner (v.l.) übergeben den Preis. © Sebastian Weissgerber

Darmstädter Auszeichnung geht an den Kinderclub, der das Aufstiegsmärchen des SV 98 nacherzählt hat. Verliehen wird der Preis für Maulkunst und Lebensart vom Heimatverein Darmstädter Heiner und der Comedy Hall.

Der Spirwes geht in diesem Jahr an die Bölle-Bande des SV 98 Darmstadt und die Hessische Spielgemeinschaft. Der Darmstädter Preis für Maulkunst und Lebensart wurde am Sonntag in der Centralstation zum siebten Mal vom Heimatverein Darmstädter Heiner und der Comedy Hall verliehen. „Die Sprache ist für uns so wichtig, weil sie auch eine Lebensart ist und ein Erkennungsmerkmal“, erklärt Heinerfest-Präsident Wolfgang Köhler.

Die mit dem mit 3500 Euro dotierten Künstlerpreis ausgezeichnete Bölle-Bande ist der Kinderclub des SV Darmstadt 98, bei dem Lilienfans bis zwölf Jahre zu Sommercamps, Fahrradausflügen und Kochkursen mit den Fußballprofis zusammenkommen. Zu den Aktivitäten zählt auch ein Workshop mit dem Darmstädter Theatermacher Kai Schuber-Seel in den Osterferien, an dem 15 Kinder teilnahmen. Herausgekommen ist dabei ein sieben Minuten langer Film auf Youtube, der nun mit dem Spirwes ausgezeichnet wurde. Gemeinsam erzählen die Kinder dort das Aufstiegsmärchen von der vierten in die erste Bundesliga nach – natürlich in Darmstädter Mundart, also dem „Uffstiesch in die Bundesliescha“.

„Viele sogenannte Traditionsvereine können sich ein Vorbild am SVD und seiner Kinder- und Jugendarbeit nehmen“, erklärt Laudator Dirk Sulzmann vom Unternehmen Merck, das den Preis zusammen mit der Volksbank finanziert. „Während allerorten und immer wieder die Rede von gesellschaftlicher Teilhabe und Inklusion ist, macht der Sport oftmals in vorbildlich niedrigschwelliger Weise vor, wie es gehen kann: So freiwillig und motiviert wie nur irgend denkbar kommen hier schon die Jüngsten der Jungen zusammen, lernen Regeln und Frustrationstoleranz.“

Das Video nennt er „einen Film für die Ewigkeit.“ Stellvertretend für den in Quarantäne befindlichen Schuber-Seel übernahmen den Preis der ehemalige Lilien-Spieler und heutige Galionsfigur der Böllen-Bande, Sandro Sirigu, sowie der Vizepräsident der 98er Markus Pfitzner.

Der mit 1000 Euro dotierte Jurypreis geht an die Hessische Spielgemeinschaft, in der seit 1925 Laienschauspieler am Darmstädter Staatstheater Mundart-Stücke aufführen – allen voran die Lokalposse Datterich von Ernst Elias Niebergall. „Die Hessische Spielgemeinschaft hat die Entwicklung der Mundart in Darmstadt überhaupt vorangetrieben und ins 21. Jahrhundert gebracht“, erklärt Laudator Oliver Brunner, Schauspieldirektor am Staatstheater Darmstadt. „Ohne ihre ständige Verjüngung der Interpretationen von Mundart-Klassikern würden die Heiner ihren Datterich und vieles andere gar nicht mehr kennen.“ Dass sie ihn aber tatsächlich gut kennen, bewies der Auftritt des Datterich-Schauspielers, dessen Sprüche viele aus dem Publikum mitsprechen konnten.

Überregional bekannt wurde die Spielgemeinschaft mit den Inszenierungen des Drehbuchautors Robert Stromberger, die auch für das Fernsehen aufgezeichnet wurden. Ebenfalls außerhalb Darmstadts bekannt sind die früheren Datterich-Darsteller Joseph Offenbach und Michael Quast. Die heutige Laiengruppe gab allerdings auch einige Szenen aus ihrer aktuellen Inszenierung „Arsen und Spitzenhäubchen“ zum Besten, die derzeit im Staatstheater läuft. Das Stück spielt jedoch nicht im hiesigen, sondern im US-amerikanischen Darmstadt, weshalb sich Hessisch und Amerikanisch ständig vermischen. (Sebastian Weissgerber)

Bewerbungen für den Spirwes 2023 nimmt der Heimatverein bis 3. Juli entgegen. www.spirwes.de

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