Spielbanken sind immer wieder Ziel von Kriminellen.

Bad Homburg

Bad Homburg: Spielbank-Mitarbeiter verhaftet

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Das Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der Unterschlagung von 1,1 Millionen Euro. Zwei Kollegen stehen als Helfer unter Verdacht.

Fast 100 Videokameras hängen in den Räumen der Francois-Blanc-Spielbank im Bad Homburger Kurpark. Eine davon dürfte nun einem Mitarbeiter zum Verhängnis geworden sein, der im Laufe dieses Jahres nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt 1,1 Millionen Euro in bar in die eigene Tasche abgezweigt haben soll.

Bei einer seiner kriminellen Taten sei der Mann gefilmt worden, teilte Bad Homburgs Kurdirektor und Spielbank-Geschäftsführer Holger Reuter am Freitag während einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz mit. Dabei habe der Mitarbeiter 800 000 Euro aus einem Tresor der Spielbank entnommen. Entgegen seiner Aufgabe sei das Geld sei aber nie auf dem Konto des Casinos eingezahlt worden.

Der im kaufmännischen Bereich beschäftigte Mann wurde daraufhin verhaftet und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird nun wegen des Verdachts der Unterschlagung ermittelt. Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nadja Niesen, auf Anfrage bestätigte, stehen zwei weitere Spielbank-Mitarbeiter im Verdacht, ihm bei seinen Machenschaften geholfen zu haben. Die drei Männer sind zwischen 20 und 31 Jahren alt, der Hauptverdächtige war vier Jahre lang bei der Spielbank beschäftigt.

Bereits Anfang Januar habe man einen Anfangsverdacht gehabt, als 300 000 Euro an Devisen verschwunden waren, berichtete Kurdirektor Reuter. Das Geld hätte ebenfalls bei der Bank eingezahlt werden sollen. Daraufhin habe man sofort Strafanzeige erstattet. Außerdem engagierte die Spielbank die Forensik-Expertin einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und eine Anwaltskanzlei, um dem oder den Tätern auf die Spur zu kommen.

Der Kreis der Verdächtigen sei im Januar noch recht groß gewesen. Außerdem habe es mehrere Möglichkeiten gegeben, wie das Geld verschwunden sein konnte, erläuterte Christian Schoop, Fachanwalt für Wirtschaftsstrafrecht in der Kanzlei DLA Piper. Auch die Auswertung der Videoaufzeichnungen sei aufwendig gewesen.

Deshalb habe es eine Weile gedauert, den Hauptverdächtigen nach seinem Griff in den Tresor zu identifizieren. Nachdem man die entsprechenden Unterlagen der Staatsanwaltschaft übergeben habe, sei es aber ganz schnell gegangen. „Nur 48 Stunden später erfolgte der Zugriff“, sagte Schoop.

Noch unklar sind die Motive des diebischen Mitarbeiters und seiner potenziellen Komplizen. Außerdem ist nicht geklärt, wie viel von dem Geld noch vorhanden ist. Er hoffe, dass ein Teil der 1,1 Millionen Euro wieder an die Spielbank zurückfließe, sagte Holger Reuter. Aber man sei für solche Fälle auch versichert.

Das dürfte auch die Mitglieder des Verwaltungsrates der Spielbank interessiert haben, die Reuter und Schenkel am Donnerstagabend über die Vorgänge informiert hatten. Als Tochtergesellschaft der Kur- und Kongress GmbH ist das Casino seit 2013 im Eigentum der Stadt Bad Homburg, die unter anderem über die Spielbankabgabe an den Einnahmen partizipiert.

Die Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft sei sehr professionell gewesen, lobten die beiden Geschäftsführer. Aber auch das eigene Kontrollsystem habe funktioniert. Ganz verhindern könne man solche Vorkommnisse wohl nie, bedauerte Lutz Schenkel. „Leider gibt es immer wieder findige Leute mit krimineller Energie.“ Und für die sei eine Spielbank mit ihren hohen Bargeldumläufen ein lohnendes Ziel. Ähnliche Fälle habe es schon in anderen deutschen Casinos gegeben.

Die Besucher der Spielbank seien von den Vorkommnissen zu keiner Zeit betroffen gewesen, versicherte Schenkel. Dennoch würden nun alle Prozesse noch einmal gründlich überprüft, kündigte er an.

Das Casino

240 Frauen und Männer  arbeiten für die Francois-Blanc-Spielbank . Sie ist eine Tochtergesellschaft der städtischen Kur- und Kongress GmbH.

Der Bruttospielertrag  lag 2017 bei 26,8 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss betrug 1,1 Millionen Euro. Das Ergebnis für 2018 liegt noch nicht vor.

Weitere Infos  finden sich im Beteiligungsbericht der Stadt: www.bad-homburg.de/medien/bindata/finanzen/Beteiligungsbericht_Geschaeftsjahr_2017_neu.pdf

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