Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Einst im Main: Der Spermatit anno 1994 mitten im Fluss.
+
Einst im Main: Der Spermatit anno 1994 mitten im Fluss.

Sachsenhausen

Sperma als Wegweiser

  • Jan Szyszka
    VonJan Szyszka
    schließen

Ein Autokran wird am Donnerstagmorgen am Schweizer Platz halten und einen neuen Blickfänger mitten in Sachsenhausen aufstellen: 7,94 Meter hoch, alles aus Bronze - der männliche Samen. Von Jan Szyszka

Um 10 Uhr am Donnerstag soll es losgehen. Ein Autokran wird am Schweizer Platz halten und einen neuen Blickfänger mitten in Sachsenhausen aufstellen, 7,94 Meter hoch, alles aus Bronze. Und alles daran ist besonders.

Vorneweg natürlich das Kunstwerk: Die einer menschlichen Spermazelle nachempfundene Skulptur machte bereits mehrfach Schlagzeilen. Ihr Schöpfer, der Frankfurter Künstler Alexander Luzius Ziermann stellte sein Werk zwischen 1994 und 1995 für ein Jahr in den Main. Die FR titelte damals: "Befruchtungsversuch im Main". Zehn Jahre später brachte es die Skulptur "Spermatit" bis ins Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Grund war Ziermanns spektakuläres Vorhaben, sein Werk in die Antarktis zu verschiffen.

Der Spermatit sollte im ewigen Eis, mit menschlichen Haaren gefüllt, künftigen Generationen Aufschluss über die Menschheit geben. Ziermanns Plan scheiterte jedoch am Veto der Behörden. Das Umweltbundesamt argumentierte mit einer Verschmutzung der Landschaft und berief sich dabei auf den Antarktisvertrag, in dem 43 Staaten, darunter auch Deutschland, sich zur friedlichen Nutzung der Antarktis verpflichtet haben. Ziermann ließ sich davon nicht abschrecken - er klagte . Der haarige Rechtsstreit (www.antarctical-sleep.de ) dauert bis heute an.

Und dann kam Hans Emmert ins Spiel. Der Wirt der Kultgaststätte "Fässchen" am Schweizer Platz wollte sich zu seinem heutigen 75. Geburtstag selbst beschenken. Emmert kam dabei auf die skurrile Idee, den Spermatit auf seinem Privatgrundstück zwischen Oppenheimer Landstraße und Schweizer Straße aufzustellen. Ein zehn Kubikmeter großes Betonfundament hat er dafür bereiten lassen. Genau wie die Spezialschrauben, die die Skulptur verankern, hat Emmert alles aus eigener Tasche bezahlt. Mit der Stadt sprach er das Vorhaben ab. "Es gab nicht eine negative Reaktion", sagt Emmert.

Mit dem Kunstwerk will der Mann, der seit 2007 sein Gasthaus nur noch sporadisch für private Feiern öffnet, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einerseits soll es per zusätzlich angebrachter Bronzetafel, die heute Abend ab 18 Uhr bei einer großen Feier mit 350 Gästen enthüllt wird, als öffentlicher Wegweiser für Touristen dienen. "Ich wurde hier so oft gefragt, wo das Museumsufer ist - das soll jetzt die Kunst übernehmen", sagt Emmert. Zum anderen ist Ziermann "Freund der Familie". Und weil er sich darüber ärgerte, dass das Kunstwerk in einer Lagerhalle in Schöneck verstaubte, soll es nun wieder in der Öffentlichkeit stehen.

Eben das freut auch den 50-jährigen Künstler. Ziermann setzt zudem darauf, dass durch die neue Öffentlichkeit seine Antarktis-Idee wieder Aufwind bekommt. Er will den Spermatit immer noch in Eis packen. "Christo hat 25 Jahre gebraucht, um die Genehmigung für den Reichstag zu bekommen. Da bin ich noch gut im Rennen", sagt Ziermann.

Unklar ist, ob der Wegweiser am Schweizer Platz auch im Erfolgsfalle wieder verschwindet. Ziermann sagt er habe sich noch nicht entschieden. Möglicherweise wird er einen Abguss der Skulptur machen. "Die Originalform habe ich ja noch."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare