Rund und unbequem: Das alte Gemäuer auf dem neuen Campus gibt Rätsel auf.
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Rund und unbequem: Das alte Gemäuer auf dem neuen Campus gibt Rätsel auf.

Westend-Campus

Spekulation um den Affenstein

  • vonClaudia Michels
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Ein als mittelalterlich eingestufter Wartturm auf dem Westend-Campus bringt Uni-Baupläne durcheinander.

Wie befreit steht er plötzlich da. Ein runder, trutziger Turm, den Fuß noch in dem Erdloch, aus dem man ihn säuberlich herausgeschält hat. Um ihn herum türmen sich Erdhaufen, Steinhügel, Asphaltplacken, Sandberge; daneben liegt eine Wüste aus weißen Porzellanscherben. Als hätte der Turm, der in einem völlig zugewachsenen Hügel verborgen war, all das bei seinem Erscheinen zur Seite gesprengt.

Dieser Fund nahe der Hansaallee, wo der Westend-Campus, die neue Universität, gebaut wird, ist für Denkmalamtsleiterin Andrea Hampel eine Sensation. Die Archäologin hat den Trutzigen, dem sie bei der Routine-Grabung zur Vorbereitung der Neubauten auf die Spur kam, als den Affenstein identifiziert: einen mittelalterlichen Wehrturm des 13./14. Jahrhunderts, einen Teil der Frankfurter Landwehr, 6,50 Meter hoch.

Man befindet sich dort hinter dem IG-Farben-Gebäude, westlich der Eschersheimer Landstraße, auf der Gemarkung des Affensteiner Felds. Mindestens seit 100 Jahren, berichtet Hampel, hätten Frankfurter Stadthistoriker die Frage nicht klären können, worauf der Name eigentlich zurückgeht.

Im Schutzgürtel, den die existierenden oder bekannten Wehrtürme Galluswarte, Bockenheimer Warte, Friedberger Warte, Bornheimer Warte und Rieder Warte (im Riederhof) weit vor der Stadt markierten, klaffte für sie eine Lücke. Denn "auch die Eschersheimer Landstraße brauchte Schutz" im Mittelalter, etwa gegen die Taunusritter.

Betrachte man die Topographie, so sei die Lage des zum Vorschein gekommenen Gemäuers "perfekt als Wartstation gewählt" , hat Denkmalamtsleiterin Andrea Hampel in ihr Gutachten geschrieben. Denn für sie ist eindeutig: "Es handelt sich um ein hochrangiges Kulturdenkmal, das erhalten werden muss."

Damit gehe sie konform mit dem Landesdenkmalamt für Denkmalpflege und dem Denkmalbeirat. Das Verfahren, den Bruchstein-Turm als Kulturdenkmal zu schützen, ist eingeleitet. Die Expertin glaubt, die Universität habe "eine Landmarke" gewonnen. Das dort geplante Gebäude lasse sich ohne weiteres umplanen: "Ich dachte, dass die sich freuen."

Zweifel in der Universität

Doch die Universitäts-Archäologen haben Zweifel an der Bedeutung des "turmähnlichen Befunds", wie sie in einem Gutachten für die Uni-Bauabteilung schreiben. Das Bauwerk, auf das sich "in den uns zugänglichen älteren Karten" kein Hinweis finde, liege doch "in erheblicher Entfernung von der Landwehr". Auch sei "die Ansprache des (Grund-)Mauerwerks als mittelalterlich" nicht fundiert. Dass es sich gar "um den Affenstein selbst handelt", sei "reine Spekulation".

Die Denkmalschützer indes handeln kraft Amtes: "Das Denkmal ist erhaltungspflichtig", sagt Hampel - und "diese Erhaltungspflicht besteht für jedermann, auch für die Universität."

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