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Die Dietzenbacher wählen am 14. März den Bürgermeister, die Stadtverordneten, die Ausländerbeiräte und die Kreistagsmitglieder.
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Die Dietzenbacher wählen am 14. März den Bürgermeister, die Stadtverordneten, die Ausländerbeiräte und die Kreistagsmitglieder.

Dietzenbach

SPD will nach 20 Jahren im Dietzenbacher Rathaus regieren

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Im Rennen um die Macht im Rathaus treten in Dietzenbach zwei Kandidaten gegen den Amtsinhaber an. Der beklagt einen giftigen Wahlkampf.

Leicht wird es der künftige Bürgermeister von Dietzenbach, der am 14. März gewählt wird, nicht haben. Er wird eine von Pandemiefolgen gebeutelte Stadt mit einer sehr schwierigen Sozialstruktur regieren. Dietzenbach hat im Kreis Offenbach die meisten Arbeitslosen und Hartz-IV-Bezieher:innen, den höchsten Bedarf an Prävention und finanzieller Unterstützung, die meisten Menschen in Altersarmut – und ist quasi chronisch klamm. Doch es gibt auch Positives: Die Stadt ist von der Altersstruktur her die jüngste im Kreis, hat also Perspektive. Rund ein Viertel der Bevölkerung ist jünger als 20 Jahre.

Zwei Männer rütteln derzeit am Stuhl von Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos), der eine weitere Legislaturperiode dranhängen will. Der eine ist derjenige, mit dem er seit fast sechs Jahren die Stadt führt: Erster Stadtrat Dieter Lang (SPD) will nun selbst auf dem Chefsessel im Rathaus Platz nehmen. Der andere ist ein Politiker der Grünen, der gut 20 Jahre jünger ist als seine beiden Konkurrenten: René Bacher hat sich als ehrenamtliches Magistratsmitglied und stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher bereits Meriten verdient.

„Mitten in der Krise aussteigen? Das möchte ich nicht!“ hat das amtierende Stadtoberhaupt auf seiner Facebookseite gepostet – und macht damit klar, was ihn zu einer erneuten Kandidatur angetrieben hat: Rogg will Projekte vollenden, die er vor Corona aufs Gleis gebracht hat. Fast zwölf Jahre lang lenkt er die Geschicke der Kommune im Rathaus. Unterstützung bei seiner Kandidatur erhält er von FDP und CDU. Damit protegiert ihn ausgerechnet die Partei, aus der er im Zuge der Bürgermeisterwahl 2009 nach Querelen austrat. In der CDU hat jedoch eine neue Spitze das Ruder übernommen, die das Verbindende und nicht mehr das Trennende sieht. Bester Beweis: Rogg kandidiert auf dem zwölften Platz der CDU-Liste. Er versichert, seine parteiliche Unabhängigkeit zu behalten.

Der Wahlkampf sei diesmal „giftig“, beklagt sich Rogg. Sowohl die SPD als auch die Grünen hatten eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihn angestrengt, weil er ein städtisches Darlehen für die Stadtwerke angeblich zwei Wochen vor einer Beschlussfassung durch ein kommunalpolitisches Gremium gewährte. Die Kommunalaufsicht wies beide Dienstaufsichtsbeschwerden aber zurück. Anfang Januar warf ihm die SPD außerdem vor, 2018 das Freibad widerrechtlich für eine private Feier genutzt zu haben.

Roggs Kampagne spielt sich hauptsächlich in den sozialen Medien ab. „Man kann keinen normalen Straßenwahlkampf führen und keine Infostände aufstellen“, sagt er und bedauert sehr den fehlenden Austausch mit den Bürger:innen. „Der reine Onlinewahlkampf ist für mich kein befriedigender Wahlkampf“ – auch wenn er Flyer und Autogrammkarten an die Haushalte verteilt hat. Er habe zwar „grobe Wahlziele“ formuliert, sagt er. Doch die Pandemie habe große Auswirkungen auf die Stadtgesellschaft und die heimische Wirtschaft, und es bedürfe „mehr als Slogans und Zahlen, um annähernd den gleichen Zustand wie im Januar letzten Jahres herzustellen, als Corona begann“. Für ihn stelle sich eher die Frage, wie man Wirtschaft, Gewerbe, Handel und Vereine wieder zum Laufen bringen könne.

Superwahltag

Rund 22 280 Dietzenbacher:innen dürfen am 14. März sowohl das Stadtoberhaupt als auch die 45 Stadtverordneten und die Kreistagsmitglieder bestimmen; davon sind 664 Erstwähler. Rund 9240 Menschen sind zur Wahl des Ausländerbeirats berechtigt.

Acht Parteien und Gruppierungen stehen zur Wahl; vor fünf Jahren traten noch neun Parteien an. Die WIR-BfD fand diesmal nicht genügend Kandidaten für die Aufstellung einer Liste.
Zur Bürgermeisterwahl treten Amtsinhaber Jürgen Rogg (parteilos), Erster Stadtrat Dieter Lang (SPD) und Magistratsmitglied René Bacher (Grüne) an.

Für den Ausländerbeirat kandideren die „Liste für Vielfalt und Gleichheit“ sowie „Menschheit an erster Stelle“.

Die Ergebnisse gibt es am Wahlabend unter www.dietzenbach.de und auf Facebook. ann

Sein Konkurrent Dieter Lang, will nach 20 Jahren wieder für eine SPD-Regentschaft sorgen, nachdem Jürgen Heyer im Jahr 2001 aus dem Amt schied. Der Erste Stadtrat fährt eine Multi-Strategie: Er setzt auf Flyer, Plakate, Tür-zu-Tür-Gespräche und Infostände auf öffentlichen Plätzen, hat aber auch ein Wahlkampfteam hinter sich, das in den sozialen Medien Kurzvideos mit Statements von Unterstützern hochlädt. Außerdem fährt am Wochenende eine „rollende Plakatwand“ durch die Stadt – ein Auto mit einem Anhänger, auf dem vorne und hinten Langs Konterfei zu sehen ist. An den Seiten sind die SPD-Listenkandidaten abgebildet.

Als Sozialdezernent liegt ihm die Betreuungssituation am Herzen. „Die Kitagebühren sollen auf derzeitiger Höhe eingefroren werden, langfristiges Ziel ist die Gebührenfreiheit“, sagt er. Auch der Erhalt der städtischen Jugendarbeit sei wichtig, genauso wie noch mehr Spiel- und Bolzplätze. Da die Zahl der über 80-Jährigen in den nächsten zehn Jahren zunehme, müsse die aufsuchende Seniorenarbeit intensiviert werden – genauso wie die aufsuchende Streetworkarbeit in enger Anbindung an die Polizeidienststelle.

Die zwei Stadtspitzen Rogg und Lang haben gegenteilige Auffassungen von dem, was auf den wenigen verbliebenen Wohnbauflächen passieren soll. Angesichts der problematischen Sozialstruktur der Stadt will Rogg Wohnungen für Besserverdienende schaffen, Lang lehnt Wohnraum im hochpreisigen Segment ab.

„Lang ist der Ansprechpartner für sozial Engagierte, Rogg für wirtschaftlich Interessierte, und ich schlage die Brücke“, ist René Bacher (Grüne), der Dritte im Bunde, von sich überzeugt. Der 34-Jährige betreibt seit Ende Oktober Wahlkampf über die sozialen Medien und bietet zweimal pro Woche digitale Diskussionsrunden an, in die sich die Bürger:innen auch telefonisch einwählen können. Außerdem klingelt er an Haustüren, um dann vor dem Gartenzaun mit den Menschen zu sprechen.

Bacher will unter anderem eine Jugendsprechstunde einführen, ein Gebrauchtwarenkaufhaus initiieren sowie Bürgerräte etablieren, die Lösungsvorschläge für Themen erarbeiten, die der Stadtgesellschaft auf den Nägeln brennen. Die Stadt solle Hundefreilaufplätze bekommen sowie Kita-Waldgruppen, findet er, und freiwilliges Müllsammeln solle mit Gutscheinen belohnt werden.

Dietzenbachs Probleme sind groß und mannigfaltig, und seit 2018 gibt es im Stadtparlament keine gesicherten Mehrheiten mehr. Umso spannender ist nicht nur der Ausgang der Bürgermeisterwahl, sondern auch die Stimmenverteilung bei der Kommunalwahl. Wenn der künftige Bürgermeister die politischen Mehrheiten nicht hinter sich hat, könnte es eine Blockadepolitik geben – und damit wäre am Ende der Bürger der Verlierer.

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