Strahlender Sieger: Jan Werner wird ab 1. Juli der neue Rathauschef in Langen.
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Strahlender Sieger: Jan Werner wird ab 1. Juli der neue Rathauschef in Langen.

Langen

SPD-Wählerstimmen fehlten Bürgermeisterkandidat Löbig in Langen

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Viele SPD-Wähler blieben bei der Bürgermeister-Stichwahl in Langen den Urnen fern - obwohl die Partei eine Wahlempfehlung für den grünen Kandidaten Löbig gegeben hatte.

Einige Jahre sah es für die CDU in den Rathäusern im Kreis Offenbach schlecht aus: Der Hainburger Bürgermeister Alexander Böhn war das einzige CDU-Stadtoberhaupt. Doch mit der sonntäglichen Wahl von Jan Werner zum Rathauschef in Langen sind die Christdemokraten endgültig wieder im Aufwind. Werner trat zwar als unabhängiger Einzelbewerber an, ist aber CDU-Mitglied – und damit nach Jörg Rotter aus Rödermark nun der dritte Bürgermeister im Kreis mit „schwarzem“ Parteibuch.

Dass Werner am Sonntag seinen Mitbewerber Stefan Löbig (Grüne) mit 17 Prozentpunkten Unterschied schlagen würde, hatte kaum einer in einer Stadt erwartet, in der die Grünen wegen der Bannwald-Abholzung am Langener Waldsee viele Anhänger haben. Auch in der Nachbargemeinde Egelsbach ist mit Tobias Wilbrand ein Grüner am Ruder.

Zwar hatte der Erste Stadtrat schon in der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen 14 Punkte weniger Wählerstimmen als Werner erhalten, doch für Sonntag konnte er auf die Stimmen der SPD-Wähler hoffen. Die Partei hatte nach der Niederlage ihrer Kandidatin Angela Kasikci eine Wahlempfehlung zu seinen Gunsten ausgesprochen. Doch zumindest ein Teil der Kasikci-Wähler ließ Löbig im Stich, ging einfach nicht zur Wahl.

„Die Zahlen sprechen für sich“, sagte Löbig am Montag der der FR. Kasikci heimste am 1. März gut 2400 Stimmen ein, Löbig erhielt in der Stichwahl aber nur gut 1400 Stimmen mehr als vor zwei Wochen. Gereicht hätte es für ihn allerdings trotzdem nicht: Werner konnte am Sonntag fast 6500 Wählerstimmen mehr auf sich vereinigen – und damit annähernd 2000 mehr als sein grüner Kontrahent.

Die Grünen diskutieren noch, ob sie wegen der anonymen Flugblätter, die am Samstag vor Supermärkten und Kirchen aufgetaucht waren, eine Anzeige gegen Unbekannt stellen. Was auf diesen Flugblättern geschrieben stand, diskreditierte Löbig. Die beiden Bürgermeisterkandidaten hatten aber schon am Samstagmittag auf ihren Facebookprofilen ein starkes Zeichen gesetzt: Demonstrativ reichten sie einander auf einem Foto die Hand. „Die Flugblätter waren nicht wahlentscheidend“, meinte Werner, der sich freute, dass „trotz Corona so viele von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten“.

Löbig hatte gestern, am Tag nach seiner Niederlage, noch keinen Entschluss gefasst, ob er sich am Donnerstag wieder zum Ersten Stadtrat wählen lässt. Er wollte erst noch am Abend mit der Fraktion reden. Werner erklärte, er habe keinen Favoriten für den Stadtratsposten „und auch keine Absprachen getroffen“.

Der scheidende Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) hielt es gestern für wahrscheinlich, dass am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung, die wegen des Coronavirus in der neuen Stadthalle stattfindet, ein Wiederwahlantrag für Löbig als Ersten Stadtrat gestellt wird. Wenn nicht, stimmen die Stadtverordneten nur über die Einsetzung eines Wahlausschusses ab. Dann würde der Posten ausgeschrieben.

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