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Hatte mehr mit der CSU zu kämpfen als mit der SPD: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier.

Landtagswahl in Hessen

Die Zukunft von Merkel und Bouffier hängt zusammen

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Volker Bouffier tritt vor der Landtagswahl in Hessen mit Kanzlerin Angela Merkel auf ? dabei ist deren große Koalition sein größtes Risiko.

Wissen Sie, was Volker Bouffier kann? Angela Merkel weiß es. „Er kann etwas, was in Berlin nicht viele können“, verrät die Kanzlerin im Festzelt von Ortenberg über den hessischen Ministerpräsidenten: „Er kann schweigen.“ Deshalb könne sie mit dem Parteifreund aus Gießen auch „alles besprechen“.

Schweigen? In Hessen ist Bouffier eher als Langredner bekannt. Wenn der CDU-Mann die Welt „in drei kurzen Strichen“ erklären will, kann man sich getrost zurücklehnen. 

Auch wenn er mit Menschen auf der Straße ins Gespräch kommt, nimmt sich der hessische Ministerpräsident Zeit. In Ortenberg erzählt der 66-Jährige eine Anekdote aus dem Wahlkampf, wie er einem zehnjährigen Jungen zu einem Selfie mit ihm verhalf, der zwei Stunden lang dafür gewartet habe. Der CDU-Politiker ließ einen typischen Bouffier-Scherz folgen: „Er hat natürlich recht mit seiner Begeisterung für mich.“ Gelächter im Festzelt. 

Bouffier fühlt sich wohl mit 1800 Besuchern, während Merkel fremdelt. Immerhin ist sie bei Bouffier als Wahlkampfhelferin gefragt. Bei beiden ist nicht sicher, wie lange sie noch auf dem politischen Parkett unterwegs sind. Im Fernsehduell mit seinem SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel erschien der 66-jährige Bouffier nicht wie ein vitaler Amtsinhaber, der für eine weitere volle Amtszeit kandidiert. Er tritt zwar für fünf Jahre an. Dies gelte aber nur, „wenn der liebe Gott und meine Frau mich lassen“, hat er schon mal eingeschränkt. 

Bouffier besitzt eigentlich eine gute Konstitution, aber er schleppt Nachwirkungen eines Unfalls mit sich herum, den er als junger Mann erlitten hatte. Mit 22 Jahren war er aus dem Skiurlaub zurückgekommen, als sein Fahrzeug mit einem anderen Auto zusammenkrachte. Bouffier wurde schwer am Bein verletzt. Erst nach zwei Jahren mit heftigen Schmerzen habe er wieder gehen können, berichtet der Politiker. Das habe ihm die Augen geöffnet für die wichtigen Dinge im Leben. 

Bouffier führt die CDU zum zweiten Mal in eine Landtagswahl. 2010 hatte der Jurist seinen Weggefährten Roland Koch abgelöst, dem er mehr als elf Jahre lang als Innenminister gedient hatte. Seinerzeit gerierte sich Bouffier als harter Hund und war an zahlreichen Skandalen der Koch-Ära beteiligt. Als Regierungschef änderte er seinen Politikstil und zeigte sich als Mann, der akzeptiert, „dass der andere auch recht haben könnte“. Erst das ermöglichte Bouffier eine Koalition mit dem ehemaligen Erzgegner, den Grünen. 

Mit einem solche Stil stand er Angela Merkel näher als sein lautstarker Vorgänger Koch. Als 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, unterstützte Bouffier die Kanzlerin. Sogar die SPD stimmte teilweise dem schwarz-grünen Aktionsprogramm zur Integration zu, denn es verband die Aufnahme der Flüchtlinge mit Investitionen in Schule, Sozialarbeit, Polizei und Justiz – kurz: in „gesellschaftlichen Zusammenhalt“. 

Unter echten Druck geriet Bouffier in dieser Wahlperiode nur, als ihn seine Vergangenheit als Innenminister einholte. Bei der Aufklärung des NSU-Mordes in Kassel 2006 hatte er die Arbeit der Polizei torpediert, weil er die polizeiliche Vernehmung von Informanten des hessischen Verfassungsschützers Andreas Temme verhinderte, der am Tatort gewesen war. Bouffier hatte das Parlament zunächst nicht über den damaligen Mordverdacht gegen Temme informiert und dann irreführende Informationen gegeben. 

Ein wirkliches Risiko für Bouffier am Sonntag stellt aber die große Koalition im Bund dar. Immer wieder haben die CSU und ihre Minister Horst Seehofer und Andreas Scheuer der Hessen-CDU Knüppel zwischen die Beine geworfen, vom Flüchtlingsstreit über den Fall Maaßen bis zur langwierigen Weigerung Scheuers, eine Diesel-Nachrüstung auf den Weg zu bringen. 

Also rufen Merkel und Bouffier in Ortenberg ihren Anhängern zu, es gehe jetzt um Hessen. Doch die Unterhaltungsband im Festzelt spielte schon einmal „Waterloo“. Es sieht so aus, als würde die hessische CDU unter Bouffier unter 30 Prozent landen – erstmals seit 1966. Doch wenn es Bouffier gelingt, dennoch eine neue Koalition zu schmieden, könnte er auch der Kanzlerin ihren Posten retten. 

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