Dieter Hooge

Ein widerständiges Leben

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Der frühere DGB-Landesvorsitzende Dieter Hooge feiert seinen 75. Geburtstag. Als erster Jugendbildungsreferent des DGB Hessen gründete er zwei Dutzend Jugendzentren.

Mit seinem lang wallenden weißen Haar sticht Dieter Hooge aus jeder Menge hervor. Aber er schweigt auch nicht, sondern meldet sich engagiert zu Wort. Noch immer. Gleich, ob er bei einer Veranstaltung der Stadt das Erbe der Revolte von 1968 verteidigt. Oder in einem wütenden Leserbrief gegen die Wohnraum-Spekulation im Frankfurter Nordend protestiert. Der frühere Landesvorsitzende und Frankfurter Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) feiert am heutigen Montag seinen 75. Geburtstag.

Der gelernte Maschinenschlosser und Werkzeugmacher hat stets ein widerständiges   Leben geführt. „Ich bin total geprägt von 1968“, sagt er stolz. Vor 50 Jahren gehörte er zu den Demonstranten, die vor der Societäts-Druckerei in Frankfurt die Auslieferung der „Bild“-Zeitung zu verhindern suchten. Aus dem Protest gegen den Vietnamkrieg und die Notstandsgesetze führte sein Weg in die Lehrlingsbewegung.

Als erster Jugendbildungsreferent des DGB Hessen gründete er zwei Dutzend Jugendzentren. Als 1974 Flüchtlinge aus der chilenischen Militärdiktatur auf dem Frankfurter Flughafen landeten, nahm Hooge sie als DGB-Beauftragter in Empfang. Kümmerte sich um Unterbringung in Wohnheimen, Deutschkurse bei der Volkshochschule und vieles mehr. Geflüchtete kamen vor 40 Jahren ins Rhein-Main-Gebiet, und sie kommen noch heute: Für Hooge ist das der Ansporn, im politischen Einsatz nicht nachzulassen. „Mich macht das sehr betroffen, wenn ein Friedrich Merz, der CDU-Chef werden will, das Grundrecht auf Asyl infrage stellt.“

Hooge hat noch viel vor

„Gewerkschaftliche Gegenmacht“ gegen „neoliberal ungezügelten Kapitalismus“: Das war und ist sein Bestreben. Als DGB-Landeschef organisierte er Foren „gegen die unternehmerfreundliche Steuerpolitik“ der rot-grünen Bundesregierung nach 1998 und die Hartz-IV-Reformen.

Als 1999 der CDU-Politiker Roland Koch die Unterschriften-Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft lostrat, gründete der DGB mit Kirchen und anderen Initiativen das Bündnis „Weltoffenes Hessen“. 2004 reichte es Hooge: Er trat wegen der Agenda 2010 nach Jahrzehnten aus der SPD aus – wie so viele andere.

Am 4. Juli 2004 war der Gewerkschafter dabei, als sich in Berlin die „Initiative Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ zusammenfand, später ging die WASG in den Linken auf. Heute sitzt Hooge im Ältestenrat der Linken in Berlin.

Den „außerparlamentarischen Protest“ gegen den wachsenden Rechtspopulismus hält er mehr denn je für nötig. Das Schicksal der Menschen in Chile hat ihn aber auch nicht losgelassen; mehrfach besuchte er das Land. Hooge, keine Frage, hat noch viel vor.

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