Vorsprung von 3595 Stimmen für die CDU

Welche Fehler?

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Die CDU leckt sich kurz die Wunden und blickt dann nach vorn.

Hofheim. Seit Sonntagabend, 23.30 Uhr, ist die CDU der hessische Wahlsieger. Zwölf Prozentpunkte Verlust? 300 000 Wähler weggelaufen? Das spielte eine Rolle, so lange die Partei von Roland Koch in den Hochrechnungen hinter der SPD notierte. Als aber das Endergebnis mit einem hauchdünnen Vorsprung von 3595 Stimmen für die CDU verkündet wurde, jubelten die Schwarzen.

Ein Wahlsieger aber muss nicht lange über Fehler sprechen. Am Montagabend in Hofheim brauchte der Landesausschuss der CDU, ein kleiner Parteitag unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit, gerade anderthalb Stunden zum Lecken der Wunden. Rhythmisches Klatschen belohnte diesen schlichten Satz Kochs: "Wir wollen in Zukunft wieder deutlich bessere Ergebnisse haben als wir diesmal errungen haben."

Man blickt nach vorn und nur mürrisch nach hinten. "Ein solches Ergebnis entsteht nicht, ohne dass man auf dem Weg Fehler gemacht hat", räumt Koch ein. Welche Fehler? Darüber ist im kurzen öffentlichen Teil nichts zu hören. Und auch intern hält sich die Selbstkritik in engen Grenzen.

So forsch wie der Landtagsabgeordnete Rolf Müller ist kaum einer. Der erfahrene Parlamentarier sagt, als Regierung könne man keinen "Oppositionswahlkampf" führen. Horst Klee, der die Landtagssitzung am 5. April als Alterspräsident eröffnen wird, knurrt, die Kriminalitätsdebatte habe die CDU "nicht in Vorhand gebracht".

Damit stehen der einflussreiche Regierungssprecher Dirk Metz und Landes-Generalsekretär Michael Boddenberg im Fokus, die den Wahlkampf maßgeblich gestaltet haben. Doch die CDU tut alles, um ihr Führungspersonal zu schützen. "Wir gewinnen gemeinsam und wir verlieren gemeinsam", sagt Axel Wintermeyer, der parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion.

Selbst in der CDU-Runde hinter verschlossenen Türen wird erneut die These vertreten, die linken Parteien hätten gegen Koch gehetzt und ihn damit "in die Ecke gestellt". Es sei zugegangen wie einst gegen Alfred Dregger. Das eint.

Nur leise sprechen Christdemokraten über Probleme, die nicht vom Wahlkampf herrühren. So habe man den Beschäftigten im öffentlichen Dienst vielleicht zu viel zugemutet, etwa die Verlängerung der Arbeitszeit auf 42 Stunden.

Ähnliches gilt für Eltern und die Schulpolitik. Insbesondere die holprige Einführung des Turbo-Abi hat Ärger verursacht. Wahlkämpfer von jenseits der Landesgrenze wundern sich, wie heftig ihnen da der Wind entgegenwehte.

Nach außen hört sich das anders an. Am Wahlabend wurde die Linke mit ihrer "Diffamierungskampagne" für Kochs Niederlage verantwortlich gemacht. Am Dienstag kam der Unions-Mittelständler Josef Schlarmann auf die Idee, Kanzlerin Angela Merkel die Schuld zu geben. Das ist so abwegig, dass die Hessen selbst nicht darauf kamen. Denn selten wurde eine Landtagswahl so eindeutig von landespolitischen Themen geprägt wie diese hessische Wahl.

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