Hanau

Viel Geld von städtischen Firmen

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2017 gaben Sponsoren und Spender 375.000 Euro für Veranstaltungen und Einrichtngen. Der Profibasketball profitierte am meisten.

Die Firmen der Stadt Hanau haben 2017 375 000 Euro an Sponsoren- und Spendengeld ausgeschüttet, etwa für Mannschaften, Kulturveranstaltungen und Einrichtungen. Größter Geldgeber bleiben die Stadtwerke mit 174 000 Euro, dahinter folgen die Baugesellschaft mit 92 000 Euro und der Mutterkonzern Beteiligungsholding Hanau mit 36 000 Euro. Nach wie vor profitieren die Basketballer der White Wings GmbH, die in der zweiten Liga spielen, am meisten: Sie erhielten in der Summe 92 250 Euro.

Weitere hohe Beträge zahlten die Unternehmen für die winterliche Eisarena am Marktplatz (45 000 Euro), das Bürgerfest (32 000), den Kultoursommer (20 000), das Lamboyfest (15 000) und die Handballer der HSG Hanau (14 500). Das teilt die Holding, die etwa 20 kommunale Gesellschaften umfasst, auf FR-Anfrage mit. Das umfangreiche Sponsoring ist umstritten. Der Verlust der Holding ist zwar geringer geworden, aber sie ist weiter defizitär, machte 2017 ein Minus von 942 000 Euro und muss ordentliche Finanzspritzen aus der Stadtkasse bekommen. Zudem liegt der Schwerpunkt der Förderung auf Profibasketball, während die Budgets etwa für soziale Institutionen – denen die Stadt vor ein paar Jahren die Zuschüsse gekürzt hat – viel geringer ausfallen. Auf die Kritik an mangelnder Transparenz hat die Stadt 2014 nach FR-Berichten reagiert, indem sie einen jährlichen Sponsoringbericht eingeführt hat.

OB Claus Kaminsky (SPD) verteidigte als Aufsichtsratschef der Holding besonders das Sponsoring für die White Wings. Sie seien eine „Premiummarke“, die der Stadt bundesweit positive Aufmerksamkeit beschere. In Hanau schaffe sie Arbeitsplätze und locke bis zu 1000 Zuschauer zu den Heimspielen. Bei diesem Sponsoring und den anderen, von denen auch Kultur und Soziales profitierten, erhielten die Firmen „gute Gegenleistungen“, überdies könnten die Zahlungen steuerlich geltend gemacht werden.

Zu den aktuellen Sponsoren der Basketballer zählt auch die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Hessen, hinter der die DSK/BIG-Gruppe steht. Diese ist mit ihren Firmen bundesweit in der Stadtentwicklung tätig und hält 90 Prozent an der LEG Hessen-Hanau, die mit der städtischen Bauprojekt GmbH (zehn Prozent Beteiligung) das neue Viertel „Pioneer Park“ in Wolfgang entwickelt. Marc Weinstock ist sowohl geschäftsführender Gesellschafter der DSK/BIG-Gruppe als auch Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaften und Vorsitzender des Wirtschaftsrates der White Wings – der für die Kommunikation mit Partnern und Sponsoren der Mannschaft zuständig ist und weitere Unterstützer akquirieren soll.

Weinstock betont, das Sponsoring laufe nicht über eine städtische, sondern eine private Gesellschaft. Der Manager spricht von einem „hohen fünfstelligen Betrag“. Präziser will er auf Nachfrage nicht werden, weil er keine Neiddebatte entfachen wolle. Die DSK/BIG-Gruppe trete auch andernorts als Sportsponsor auf. „Sport hat eine wichtige gesellschaftliche Funktion“, sagt Weinstock. „Und Leistungssportler dienen als Vorbilder.“ In Hanau habe die LEG Hessen-Hanau aber auch die Brüder-Grimm-Festspiele unterstützt. Weinstock sagt, er kenne die Debatte um das Sportsponsoring durch kommunale Firmen. Er weist die Kritik zurück. Woanders flössen auf diese Weise höhere Summen in Profimannschaften. Das wünsche er sich für die White Wings ebenfalls, vor allem von den größeren privaten Unternehmen vor Ort.

Auch die Sparkasse Hanau ist als Sponsor und Spender aktiv, unter den Profiteuren sind die White Wings und die Drittliga-Handballer der HSG Hanau. 2017 förderte sie 590 Empfänger mit insgesamt einer Million Euro. Obwohl das Geldinstitut öffentlich-rechtlich und in kommunaler Trägerschaft ist, gibt es keine Auskunft darüber, wer wie viel bekommt. Im Jahresbericht sind alle Geförderten aufgelistet, damit sei das Ganze transparent.

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